Wie gehen wir besser mit Kritik um?
Shownotes
Kritik kann ganz schön lange hängen bleiben. Vor allem dann, wenn sie einen wunden Punkt trifft oder wir gerade sowieso gestresst oder dünnhäutig sind. Aber warum beschäftigt uns manchmal ein einziger negativer Kommentar mehr als zehn nette Rückmeldungen?
In dieser Folge spreche ich mit der Psychologin und Coach Miriam Junge darüber, warum wir so unterschiedlich auf Kritik reagieren, welche Rolle Selbstwert und alte Glaubenssätze spielen und woran man merkt, ob Kritik konstruktiv ist oder eher unsachlich wird.
Außerdem klären wir die Frage: Wie funktioniert eigentlich Face ID auf unserem Handy?
Mehr über Miriam Junge und ihre Arbeit findet ihr hier: https://miriamjunge.de/
Redaktion: Karin Haswani Produktion: Sermet Agartan
"Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen" ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Es gibt ein chinesisches Sprichwort, das ich sehr gerne mag.
00:00:03: Ein Wort, das von Herzen kommt, hält drei Winter warm!
00:00:07: Ich finde den Satz so schön weil man daran sieht wie sehr Worte nachwirken können.
00:00:12: Leider gilt es eben auch für negative Worte – manchmal sogar noch mehr und ich kenne das selbst.
00:00:18: Zehn Leute sagen mir etwas nettes, einer etwas gemeines oder negatives und ratet mal was hängen bleibt.
00:00:25: In dieser Folge geht's um Kritik.
00:00:27: Wir schauen uns an, warum Kritik manchmal so viel mit uns macht und wie wir lernen können besser damit umzugehen und uns vielleicht auch ein bisschen davor zu schützen.
00:00:36: Und später schauen wir uns die Frage an – Wie funktioniert Face ID auf unserem Handy?
00:00:41: Wenn ihr mich zum ersten Mal hört ich bin Karin Haswani.
00:00:44: Deutsch ist nicht meine Muttersprache deswegen hört er bei mir den einen oder anderen Akzent.
00:00:49: Herzlich willkommen euch allem bei AHA.
00:00:51: und jetzt legen wir los!
00:01:04: Ich glaube, wir alle haben schon mal erlebt das uns Kritik hart getroffen hat.
00:01:08: Dass sie wehgetan oder traurig gemacht hat.
00:01:11: Vielleicht von jemandem der uns nahesteht vielleicht auch im Job.
00:01:15: wenn wir also merken da ist jemand unzufrieden mit uns oder mit unserer Leistung bei kritik passiert ja aber jeden was anderes.
00:01:23: manche sagen sofort tut mir leid und zweifeln danach den ganzen tag an sich Und andere fühlen sich gleich angegriffen und gehen in die Verteidigung.
00:01:32: Manchmal schafft man es eben auch, kurz Abstand zu nehmen und zu überlegen was man davon überhaupt annehmen möchte.
00:01:38: Bei mir ist jetzt Miriam Junge.
00:01:40: Sie ist Psychologin, Psychotherapeutin & Coach.
00:01:44: Mit ihr möchte ich darüber sprechen.
00:01:46: warum reagieren wir so unterschiedlich auf
00:01:48: Kritik?
00:01:49: Wie kann ich unterscheiden zwischen jemanden, der mir wirklich weiterhelfen will und jemandem, der mich vielleicht nur einfach verletzen möchte?
00:01:57: Und wie kann ich am besten damit umgehen.
00:02:06: Hallo Miriam!
00:02:07: Wie schön, dass du heute im Podcast bist.
00:02:09: Hi, danke für die Einladung.
00:02:11: Warum tut uns Kritik manchmal so weh und warum trifft uns manchmal Kritik viel stärker als andere?
00:02:19: Weil Kritik meistens nicht nur eine Information ist sondern das kann sich einfach auch wie eine soziale Bedrohung anfühlen.
00:02:26: Also aus einem, du findest irgendwas nicht gut wird dann schnell, du fündest mich nicht gut.
00:02:30: und entscheidend ist eigentlich wo die Kritik landet trifft sie nämlich einen wunden Punkt bei uns, da tut sich stärker weh.
00:02:38: also der eigene Unsicherheit verstärkt die Wirkung.
00:02:41: zum Beispiel wenn jemand zu mir sagt Du bist ein schlechte Köchin dann ist mir das relativ egal.
00:02:46: aber wenn jemand was sagt bei dem ich selbst unsicher bin dann hat das einfach wirklich eine ganz andere Wucht.
00:02:52: Und ich finde, da gibt es immer so einen ganz guten Merksatz, dass unsere Reaktion auf Kritik meistens sehr viel mehr über unseren wurden Punkt aussagt als über die Kritik an sich.
00:03:02: Wir reagieren nicht nur auf das hier und jetzt sondern unser Gehirn verknüpft neue Erfahrungen mit alten Erfahrungen und genau dort springen einfach diese alten Glaubenssätze an wie zum Beispiel Ich bin gut genug oder ich muss leisten damit ich gemocht werde.
00:03:17: wenn jemand sagt Ich hätte mir da doch ein bisschen mehr von dir gewünscht, dann ist das eigentlich eine relativ harmlose Kritik.
00:03:24: Aber wenn bei mir ankommt siehst du, dass war wieder nicht genug!
00:03:29: Dann trifft es einen alten Glaubenssatz und das passiert leider relativ häufig.
00:03:32: Und eine hefreuche Frage ist da was wurde tatsächlich gesagt?
00:03:37: Was habe ich daraus gemacht um auch so'n bisschen den Ursprung dieser Verletzung zu verstehen, um einfach zu merken oh... Das war vielleicht doch einfach ein Glaubenssatz und das hat gar nicht so viel mit der aktuellen Realität zu tun.
00:03:49: Also solche Glauben-Sätze erklären ja schon ein bisschen, warum Kritik bei uns so unterschiedlich ankommt?
00:03:55: Aber ich frage mich trotzdem – Warum können manche Menschen damit ziemlich souverän umgehen?
00:04:00: Also Kritik auch mal einen sich abrallen lassen und andere nehmen sich sowas total zu Herzen!
00:04:08: Das hat mehrere Faktoren.
00:04:09: Erstens sind der Selbstwert die Persönlichkeit früherer Fahrung den Umgang mit Fehlern in der Kindheit, das heißt was unser Peer Group oder unsere Bezugsperson früher mit unseren Fehler gemacht hat und auch ganz wichtig die aktuelle Verfassung.
00:04:23: Also wer gelernt hat, Fehler sind okay ich darf etwas falsch machen Kritik stellt nicht mich als Person infrage Der kann leicht prüfen ob da was dran war also an der Kritik oder zum Beispiel sagen, nee das sehe ich anders.
00:04:37: Schwieriger wird es aber wenn zb Anerkennung früher stark an Leistungen gekoppelt war, an so eine gewisse Anpassung also dass wir uns anpassen mussten und hohe Erwartungen von unserer Bezugspersonen wirklich schwierig war, Fehler zu machen.
00:04:51: Dann kann das bei der gleichen Person die eigentlich sehr stark ist oder sehr gut mit Kritik umgehen kann auch mal sehr schwanken.
00:04:58: und es ist eben wichtig wenn wir nicht ausgeschlagen sind, wenn wir unentspannt sind, Wenn wir einfach nicht stabil sind dann wirkt Kritik sehr viel stärker.
00:05:07: also Bei Dünnhäutigkeit oder Gestresstheit reicht eigentlich ein Satz aus Wir sind über unser Leben oder auch unseren Übernalltag.
00:05:15: Sind wir einfach nicht so konstant und wir nehmen zum Beispiel abends, wenn wir müde sind, Kritik stärker persönlich als morgens?
00:05:22: Ja das macht schon einen Unterschied wie viel Sicherheit man damit bringt und in welchem Zustand man sich gerade befindet.
00:05:29: Was ich mich aber noch frage bei Partnern oder Eltern kann ich noch verstehen warum Kritik so trifft weil uns diese Menschen halt wichtig sind.
00:05:40: Aber wie lässt sich einordnen, dass uns manchmal auch ein Kommentar von irgendeinem Fremden auf Social Media oder LinkedIn so tagelang beschäftigt?
00:05:49: Ja das ist total absurd eigentlich.
00:05:51: Also bei nahestehenden Menschen ist es so ihre Meinung ist uns einfach wichtig und die Beziehung ist uns wichtig und da steht emotional einfach mehr auf dem Spiel.
00:06:00: Da wollen wir sozusagen den Kontakt nicht infrage stellen oder zurückgewiesen werden letztendlich.
00:06:05: Bei Social Media ist es Wir kennen ja die Menschen, die uns kritisieren.
00:06:09: Da häufig gar nicht.
00:06:10: und trotzdem beschäftigt uns dieser Kommentar warum.
00:06:14: er trifft vielleicht genau eine schon vorher bestehende Unsicherheit Und die Kritik ist natürlich öffentlich.
00:06:21: das heißt es ist so ne so ne Beschämungssituation auch weil das gefühlt vor allen anderen stattfindet und die Anderen dann natürlich auch Die Meinungen über uns ändern können.
00:06:30: Und es gibt diese Negativity-Bias.
00:06:34: Das ist ein ganz, ganz spannendes Thema!
00:06:36: Wir kriegen zehn schöne Kommentare.
00:06:38: Toller Beitrag, danke, das hat mir super geholfen und der Elfte is... Was ist das für'n Quatsch?
00:06:44: Und drüber denken wir abends im Bett nach über diesen Elften.
00:06:49: Das ist genau eben das, was unser Gehirn auch so ein bisschen fest macht.
00:06:53: Wir halten uns eigentlich an der größten Gefahr fest in dem Moment und es hat nichts mit dem Kommentar an sich zu tun.
00:06:59: Also dass ein Kommentar mich verletzt, macht den Kommentar noch lange nicht wahr – das ist glaube ich eine ganz wichtige Grundhaltung!
00:07:07: Und es ist einfach auch menschlich, dass wir diesen Negativity-Bias haben und uns häufig diese schlechten Dinge mehr merken als die guten.
00:07:14: Kann man aber in Form von Umfokussierungen gut ändern?
00:07:19: Das finde ich einen wichtigen Punkt.
00:07:21: Gerade wenn mich etwas trifft, ist es ja wahrscheinlich gar nicht so leicht das in der Moment einzuordnen aber woran kann ich den merken?
00:07:29: Okay!
00:07:29: Das ist jetzt konstruktive Kritik und da kann ich was mitnehmen.
00:07:33: und wann wird es eher so unsachlich oder verletzend?
00:07:37: Also ich würde nicht zu viel Energie darauf verwenden, die Absicht des anderen, also das Kritisierende zu erraten.
00:07:45: Ich würde lieber anschauen wie wird mit mir gesprochen?
00:07:48: Also ist das eine hilfreiche konstruktive Kritik?
00:07:50: Ist sie konkret?
00:07:52: Bezieht sich auf mein Verhalten oder auf eine Situation?
00:07:55: Ist die Nahvollziehbar?
00:07:55: Ist ihr respektvoll?
00:07:57: und lässt Sie mir meine
00:07:58: Würde?".
00:07:59: Zum Beispiel, ich hätte mir gewünscht dass du mir früher Bescheid sagst eine konstruktive Kritik mit der ich arbeiten kann.
00:08:06: Wenn die Kritik aber abwertend ist, also pauschal für allgemein dann greift mich als Person an zum Beispiel Ich kann mich einfach nie auf dich verlassen Dann kritisiert man eben nicht das Verhalten Sondern dann bewerte ich die Person oder werte sie sogar ab und dass es einfach schlecht kommuniziert Und die Kritika davon im fall dann auch einfach stehen lassen.
00:08:27: denn auch berechtigte kritik sollte respektvoll formuliert sein, denn nur weil jemand inhaltlich einen Punkt hat muss ich nicht jede Form der Kommunikation akzeptieren.
00:08:37: Ja das ist ein guter Punkt aber ich glaube dass es dann die Schwierigkeit.
00:08:42: also wenn ich in dem Moment schon richtig getroffen bin ist es ja schwer so ruhig drauf zu schauen.
00:08:49: was kann ich dann machen?
00:08:50: Wenn ich wütend werde und mich am liebsten sofort verteidigen würde gibt's da sowas wie eine psychologische erste Hilfe?
00:08:58: Ja, auf jeden Fall.
00:08:59: Also die Regel Nummer eins ist nicht direkt in dem Moment reagieren, also nicht im Affect reagieren.
00:09:05: Typische Zeichen sind wie du auch schon gesagt hast Wut der Puls geht hoch wir kommen in so ein Recht Fertigungsmodus also so kontra-kontra.
00:09:14: Wir wollen sofort erklären oder direkt zurück schießen dann
00:09:18: Stopp!
00:09:19: Ich muss jetzt gar nichts lösen ich darf durchatmen und ein möglicher Satz der dann hilfreich sein kann Das trifft mich gerade, ich möchte darüber kurz nachdenken um so ein bisschen Raum von selbst da reinzubringen.
00:09:32: Und dann darf man sich eigentlich drei Fragen stellen was wurde tatsächlich gesagt versus was habe ich hier gehört?
00:09:39: Was löst es grade in mir aus und ist an der Kritik wirklich etwas dran und dann erst reagieren.
00:09:46: und ganz praktische erste Hilfetricks sind Handy weg Keine wütende Sprachnachricht.
00:09:51: Erst mal Abstand, vielleicht sogar so ein bisschen Bewegung durchatmen habe ich eben schon gesagt.
00:09:56: und das schafft immer so'n bisschen das Tanz einmal um Block gehen rumhüpfen irgendwas.
00:10:01: Deine Tricks vielleicht rausholen wie du der Nervensystem beruhigst tief durch atmen ist immer diese so wow!
00:10:07: Ich brauche mal ein bisschen Abstand dass es häufig auch in Impuls und später antworten.
00:10:12: das ist glaube ich Das Wichtigste, ich muss nicht innerhalb von zehn Sekunden eine brillante Antwort produzieren um zu reagieren.
00:10:19: Das ist wirklich nicht Not!
00:10:20: Ich glaube Abstand ist ein schönes Schlusswort für heute.
00:10:24: also nicht sofort reagieren sondern sich erst mal kurz Zeit geben und dann schauen was man wirklich mitnehmen möchte.
00:10:30: Vielen Dank Miriam für die Impulse und für deine Zeit.
00:10:33: Super gerne immer wieder.
00:10:35: Und jetzt wechseln wir das Thema zu einer ziemlich intelligenten Technologie, die wahrscheinlich viele von uns jeden Tag nutzen um ihr Handy zu entsperren.
00:10:44: Nämlich Face ID!
00:10:46: Wie funktioniert das?
00:10:47: und wie erkennt Face ID unser Gesicht sogar im Dunkeln?
00:10:57: Damit dass Handy überhaupt so genau wissen kann, wie unser Gesicht aussieht nutzt es das sogenannte True Depth-Kamerasystem.
00:11:06: Das nimmt aber nicht einfach nur ein normales Bild von unserem Gesicht auf.
00:11:10: Da arbeiten mehrere Sensoren zusammen, unter anderem eine Infraroot-Kamera mit Infrarotbeleuchtung und einen Bunkprojektor.
00:11:18: Die Infrarote Beleuchtungen leuchtet unser Gesicht quasi aus – das Licht selbst können wir gar nicht sehen.
00:11:24: und genau deshalb funktioniert Face ID auch im Dunkeln!
00:11:27: Der Punktprojektor wirft dann tausende kleine Infrarotpunkte auf das Gesicht.
00:11:33: Und aus der Anordnung dieser Punkte kann das Handy dann erkennen, wo sind Nase, Augen, Mund
00:11:39: usw.,
00:11:40: aber eben auch wie weit die Nase hervorsteht – wie tief die Augen liegen und wie die Wangen zum Beispiel geformt sind.
00:11:47: Am Ende entsteht so etwas wie eine Dreidelandkarte für das Gesichts.
00:11:51: Diese Daten werden nicht einfach als Foto gespeichert.
00:11:54: Sie werden in eine mathematische Darstellung umgewandelt Also vereinfacht gesagt so etwas wie ein digitale Abdruck unseres Gesicht.
00:12:01: Das System ist schlau genug, um sich an kleine Veränderungen anzubassen.
00:12:05: Also wenn wir Brille aufhaben oder der Bad sich verändert und andere Kleinigkeiten da muss man nicht jedes mal alles neu einstellen.
00:12:13: Außerdem prüft Face ID ob wir tatsächlich auf das Gerät schauen.
00:12:16: es geht also nicht nur darum ob unser Gesicht zu den gespeicherten Daten baste und das heißt Es wird auch vermieden dass man zum Beispiel das system austricksen kann oder das gerät sich aus versehen entsperrt.
00:12:28: Dafür werden unter anderem die Tiefe des Gesichtsaugen, Bewegungen und andere Merkmale benutzt um zu bestätigen dass da wirklich eine echte Person drauf schaut.
00:12:38: Und damit sehen wir schon am Ende der Folge.
00:12:41: Mich würde jetzt interessieren, wie geht ihr mit Kritik um?
00:12:44: Schreibt mir das gerne in die Kommentare unter der Folge oder macht bei der Umfrage mit, die ihr dort findet!
00:12:49: Ich lese eure Kommentare sehr gerne und freue mich über eure Gedanken zu den Themen – und wenn euch der Podcast gefällt, lasst uns fünf Sterne da und empfehlt uns weiter!
00:12:59: Für heute war's das von mir, ich bin Karin Haswani, machts gut und wir hören uns nächste Woche wieder!
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