Im Hospiz: Kann jeder so sterben wie er möchte? (5/6)
Shownotes
Neue Storytelling-Reihe: Wir alle wissen, dass wir irgendwann sterben werden. Und trotzdem weichen die meisten von uns dem Gedanken daran so lange wie möglich aus. Aber was passiert, wenn wir uns unserer Angst vor dem Tod stellen?
Das Ricam-Hospiz in Berlin-Neukölln ist seit fast 20 Jahren für viele Menschen der letzte Ort, den sie besuchen werden. Hierher kommen Menschen an ihrem Lebensende. Wir besuchen dort die 77-jährige Eva. Noch vor wenigen Monaten führte sie ein eigenständiges Leben, bis bei ihr eine schwere Krebserkrankung festgestellt wurde. Jetzt wird sie palliativ betreut. Das heißt: Man wird bei ihr keine weiteren lebensverlängernden Maßnahmen durchführen. Aber Eva hat sich mit ihrem eigenen Tod versöhnt.
Dass die Berlinerin einen Platz im Hospiz gefunden hat, ist nicht selbstverständlich. Und auch sie würde am liebsten eigentlich woanders ihre letzten Lebenstage verbringen: zu Hause. Ihre Geschichte führt uns daher zu einer größeren Frage: Kann überhaupt jeder so sterben, wie er möchte?
Darum geht es in der fünften Folge von "Warum hast du keine Angst vor dem Tod?".
"Warum hast du keine Angst vor dem Tod?" ist ein sechsteiliger Storytelling-Podcast von WELT. Jeden Freitag gibt es eine neue Folge. Hier findet ihr alle Recherchen und Videos zum Podcast.
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Wenn Ihr Fragen, Anregungen oder Feedback habt, dann kommentiert gerne unter der Folge oder schreibt uns an wissen@welt.de.
"Warum hast du keine Angst vor dem Tod?" ist eine Produktion von WELT.
Redaktion und Storytelling: Klemens Handke und Sophia Häglsperger
Produktion: Sophia Häglsperger und Sebastian Pankau
Musik und Sounddesign: Sebastian Pankau
Fact-Checking: Elena Blüm
Cover: Dominik Schmitt und Imke Rabiega
Quellen:
Studie zur frühen palliativen Unterstützung bei Patienten mit Lungenkrebs (2010): https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1000678
Inanspruchnahme von Palliativversorgung am Lebensende in Deutschland (2023): https://link.springer.com/article/10.1007/s00103-023-03683-7
Anzahl deutscher Kinder und junger Erwachsener mit lebensverkürzenden Erkrankungen (2023): https://www.dhpv.de/presseinformation/familien-in-grosser-sorge-versorgung-schwerkranker-kinder-jugendlicher-und-junger-erwachsener-gefaehrdet.html
Zahlen zur Hospizarbeit und Palliativversorgung (2026): https://www.dhpv.de/zahlen_daten_fakten.html
Sterbefälle in Deutschland (2025): https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_015_126.html
Letzte-Hilfe-Kurse Deutschland: https://www.letztehilfe.info/
Palliativversorgung am Lebensende in Deutschland - Inanspruchnahme und regionale Verteilung (2020): https://www.springermedizin.de/ebm/pflege/palliativversorgung-am-lebensende-in-deutschland/18584844
Impressum: https://www.welt.de/services/article7893735/Impressum.html Datenschutz: https://www.welt.de/services/article157550705/Datenschutzerklaerung-WELT-DIGITAL.html
Transkript anzeigen
00:00:01: Es ist Januar, zwei Tausendsechsundzwanzig.
00:00:03: Tiefster Winter!
00:00:04: Sophia und ich sitzen mit fünfzehn weiteren Personen in einem Seminarraum in Berlin-Rudo.
00:00:10: Was ihr da gerade hört, ist das Rascheln von Verpackungen.
00:00:13: Wir packen nämlich grade etwas aus, dass so ein bisschen wie ein Lolli aussieht.
00:00:16: Ein langer Stil am Ende ein weiches Schwämmchen dran.
00:00:29: Wir lernen hier heute im letzten Hilfekurs Ja, letzte und nicht erste Hilfe von Ulrich und Elisabeth was es braucht um jemandem beim Sterben zu begleiten.
00:00:39: Gerade steht auf dem Kursplan Mundhygiene Denn in den letzten Tagen vor dem Tod essen und trinken Menschen oft kaum noch Aber Trostim spüren sie oft noch Durst oder haben einen trockenen Mund.
00:00:50: Wenn man dann die Lippen und den Mundraum mit so einem Schaumstofftupfer befeuchtet hilft das enorm.
00:00:55: Wie
00:00:57: fühlt sich das an?
00:00:59: Gut Ich hatte vorher keine Ahnung, wie viel man mit ganz einfachen Dingen für sterbende Menschen tun kann.
00:01:04: Aber mal ehrlich!
00:01:05: Wer hat die schon?
00:01:07: Ich hab das Gefühl wir haben als Gesellschaft verlernt was zum Sterben dazugehört
00:01:11: also
00:01:11: was da passiert und wie man die Menschen bis zum Ende dabei begleitet.
00:01:17: Genau das war aber eigentlich mal ganz anders
00:01:23: Opa, Papa Mama, die Kittys und Eckelkinder alle mal im Maus gewohnt haben.
00:01:28: Da war Sterben noch so eine Selbstverständlichkeit, das wurde auch ... ja, zelebriert!
00:01:35: Aber mittlerweile ist es so, dass viele Angst haben vor dem Sterbeprozess.
00:01:41: Das ist Elisabeth, die uns hier im letzten Hilfekurs anleitet.
00:01:44: Und ja, Unwissenheit macht Angst.
00:01:47: Genau deshalb gibt Elisabet dieses Seminare.
00:01:49: Wir werden doch vorbereitet bei Menschen auf die Welt kommen?
00:01:52: Da gibt's unendlich viele Kurse, die Mütter und Väter belegen können.
00:01:58: Aber
00:01:59: es wird
00:02:00: das Ende nicht so begleiten.
00:02:02: Elisabeth weiß, woran es mangelt – aber auch wie würdevolles Sterben funktionieren kann?
00:02:07: Denn sie arbeitet an einem Ort der nur für das Lebensende da ist.
00:02:11: Einem Hospiz!
00:02:12: Genau dort bereitet sich die seventy- jährige Eva gerade auf ihren Tod vor.
00:02:17: Und ihre Geschichte führt uns zu einer größeren Frage... Wie sterben wir in Deutschland?
00:02:22: Und vor allem kann überhaupt jeder so sterben, wie er möchte.
00:02:27: Ich bin Sophia Hegelzberger, Podcast-Redakteurin bei Welt, Business Insider und Politiko.
00:02:31: Und ich bin Clemens Handke, Redakteur bei Welt und Business Insiders.
00:02:35: Für diesen Podcast treffen wir Palliativmediziner, Hospizmitarbeitende, Bestatterinnen, Sterbende, Trauernde Menschen die dem Tod sehr nah waren und andere, die sich unsterblich machen wollen.
00:02:46: Wir möchten herausfinden was nimmt dem Tod den Strecken?
00:02:49: Wovor haben wir Angst?
00:02:51: Und was passiert mit unserer eigenen Angst, wenn wir den Tod nicht ausweichen?
00:02:55: Sondern ihm wirklich begegnen.
00:02:57: Das ist die fünfte Folge von Warum hast du keine Angst vor dem Tod?
00:03:01: Kann doch nur besser werden!
00:03:09: Es ist Januar.
00:03:10: Als ich vorhin aus der Redaktion in den Schnee aufgebrochen bin und dann auch noch gesagt habe, dass ich ins Hospiz war, hab' ich so halb Mitleidige, halb irritierte Blicke zugeworfen bekommen.
00:03:20: So ein
00:03:21: Ohne Was für'n Dauner.
00:03:23: Weil klar, mit einem Hospiz wird nicht gerade Lebensfreude verbunden.
00:03:28: Daran muss ich jetzt denken, als ich mit Clemens am Rieckermospiz in Berlin Neukölln ankomme.
00:03:33: Elisabeth holt uns an der Tür ab!
00:03:36: Hallo Elisabet!
00:03:39: Hi na?
00:03:44: Rutschig auch, es ist ja durch den Neuschnee ein bisschen...
00:03:49: Wir steigen gemeinsam in den Aufzug.
00:03:51: Das Hospiz liegt nämlich im fünften Stock
00:03:54: Und wir kriegen jetzt eine kleine Führung von dir
00:03:56: oder?!
00:03:59: Das Hospizier ist Berlins erstes vollstationäres Hospiz.
00:04:03: Seit deiner Zeit kommen Menschen mit einer unheilbaren, weit fortgeschrittenen Krankheit und einer begrenzten Lebenserwartung hierher um ihr Lebensende zu verbringen.
00:04:13: Elisabeth nimmt uns in den Empfangsbereich.
00:04:15: Man kann Jacken ablegen!
00:04:17: Auf einem kleinen Tischlein liegt ein aufgeklapptes dickes Buch gebunden in schweres rotes Leder.
00:04:22: Das ist
00:04:23: schon das zweite Buch in siebenundzwanzig Jahren.
00:04:28: Ja, da können sich die Angehörigen halt mit ihren kleinen großen Sachen vorewiegen
00:04:37: im
00:04:38: Normandum ... Es gibt auch Gäste unserer, ne?
00:04:43: Wir haben ja keine Patienten oder Klienten, sondern wir haben ja Gästen und teilweise schreiben die schon selber an und dann setzen wir nur noch das Todesdatum
00:04:51: ein.
00:04:52: Im Hospiz ist man ein Gast und kein Patient.
00:04:55: Bisschen wie auf dem Kreuzfahrtsschiff oder einem Hotel.
00:04:58: Wir gehen weiter den langen Flur entlang, Linoliumboden, links immer wieder Türen zu anderen Räumen und rechts große Fenster.
00:05:06: Hinter ihnen liegt ein schmaler Balkon der sich über die ganze Front erstreckt.
00:05:11: Ich stelle mir vor wie hier Angehörige kurz Luft schnappen können.
00:05:15: Auf dem Flur kommen uns immer mal wieder Hospizmitarbeiter entgegen.
00:05:19: Man erkennt sie an ihren blauen Oberteilen und bequemen Arbeitsschuhen.
00:05:23: Sie grüßen freundlich und verschwinden wieder in den Zimmern, ein leiser Alltag.
00:05:28: Insgesamt gibt es hier fünfzehn Zimmer.
00:05:30: Auf jeder Tür steht der Name eines Bewohneres.
00:05:33: Manche Türen stehen offen – leise TV-Geräusche hört man dann.
00:05:37: Andere sind zu!
00:05:38: Und über jedem Türrahmen hängt ein Origami
00:05:40: Stern.
00:05:41: Jedes Jahr hat eine Farbe.
00:05:45: Jeder Gast, der hier einzig
00:05:47: bekommt oben an der Tür
00:05:49: ein Stern.
00:05:51: Da steht der Name drauf, das Geburtsdatum und er bleibt so lange da oben bis derjenige verstirbt rauszieht.
00:05:58: Dann wird meistens versterben sehr.
00:06:00: Der Sack
00:06:01: begleitet bis zum Aufzug.
00:06:03: mit dem Aufzug ist kommt der kleine Stern hier
00:06:06: rein.
00:06:07: Elisabeth deutet auf einen Glasbehälter denn bis dann aussieht wie ein Terrarium darin Dutzende solcher Sterne.
00:06:14: Geschichtet in Farben!
00:06:26: Während wir hier so durch das Hospiz laufen, frage ich mich was lernt man an einem Ort, an dem so viel gestorben wird über das Lebensende?
00:06:34: Was kann den Angehörigen und den Sterbenden den letzten Weg leichter machen?
00:06:38: Elisabeth sagt
00:06:39: Ja die Sterbnen loszulassen dass sie gehen dürfen.
00:06:44: Vielen Betroffenen fällt genau das aber natürlich unglaublich schwer.
00:06:47: Klar, ich will doch nicht loslassen!
00:06:49: Ich verliere hier vielleicht gerade den wichtigsten Menschen in meinem Leben.
00:06:53: Da versucht man natürlich alles um den Tod rauszuzögern zu verhindern und auch zu verdrängen.
00:06:59: Ja viele hängen ja noch dran und oh was mache ich nur ohne dich?
00:07:02: Und ja dass es hält dem Menschen der geht eigentlich noch ein bisschen hier ne Weil.
00:07:09: dann kommt so die Sozialkomponente, was macht meine Frau oder was macht mein Mann denn ohne mich?
00:07:15: Wir waren so lange zusammen.
00:07:18: Du darfst gehen!
00:07:19: Ich komm klar.
00:07:21: Genau diese Sätze können am Ende eines Lebens deshalb so unglaublich wichtig werden und obwohl ich das jetzt weiß bin ich unsicher ob ich das später mal gut hinbekommen werde.
00:07:31: Abschiede, die waren schon immer schwer für mich.
00:07:34: Und Loslassen ist natürlich auch für die sterbenen Menschen extrem komplex.
00:07:38: Selbst wenn der Körper eigentlich schon bereit wäre zu gehen, gibt es manchmal noch Dinge die die Sterbenden am Leben halten.
00:07:44: Ungelöste Konflikte zum Beispiel, unausgesprochene Worte oder der Wunsch einen bestimmten Menschen noch einmal zu sehen Das beobachten die Pfleger immer aus Piz häufig.
00:07:54: Aber
00:07:55: dieses Loslassen beschleunigt auch so ein bisschen den Prozess sag ich mal.
00:08:01: Dieser Prozess sieht natürlich immer etwas unterschiedlich aus.
00:08:05: Trotzdem gibt es Anzeichen, dass der Tod bevorsteht.
00:08:08: Der Körper beginnt sich auf das Sterben einzustellen.
00:08:12: Übrigens in Folge zwei haben wir darüber gesprochen was beim Sterben im Gehirn passiert.
00:08:17: Wenn ihr die Folge noch nicht gehört habt dann könnt ihr das jederzeit nachholen.
00:08:21: Wie aber lässt sich von außen beobachten?
00:08:23: Dass der Tod sich ankündigt?
00:08:25: Elisabeth kennt die Veränderungen aus ihrer täglichen Arbeit.
00:08:29: Es sind viele körperliche Symptome also erst wird's erst ein weniger.
00:08:36: Die Organe stellen so langsam aber sicher ihre Tätigkeiten ein.
00:08:42: Und der Magendam tragt es mit das Erste, was sich einstellt und sich verringert.
00:08:48: Deswegen ist der Hunger nicht mehr da und die Portionen werden immer kleiner und kleiner und kleinere.
00:08:53: Irgendwann hört das Essen auf und dann wird das Trinken immer weniger und weniger.
00:08:59: Auch das stellt den Körper dann ein weil die Nieren aufhören
00:09:02: zu arbeiten
00:09:03: Und wenn die Menschen nicht mehr essen und trinken, kann es eben zu einem trockenen Mund kommen.
00:09:07: Hier hilft der Schaumstoff-Lolli – ihr erinnert euch!
00:09:09: Der vom Anfang der Folge.
00:09:11: Trotzdem machen diese Veränderungen natürlich Angst.
00:09:14: Wenn jemand kaum noch ist oder trinkt Ist der erste Impuls oft?
00:09:18: Nein
00:09:18: Stopp
00:09:19: Du musst doch essen du musst doch was trinken.
00:09:22: Aber man stürbt nicht weil man aufhört zu essen und zu trinken.
00:09:26: Man hört auch zu Essen und zu Trinken Weil man stirbt.
00:09:29: Zumindest ist das einer der wichtigsten Sätze in der Palliativmedizin.
00:09:33: Das haben wir auch im letzten Hilfekurs gelernt.
00:09:36: Eine künstliche Ernährung auf die Angehörige manchmal drängen, verlängert oder verschlimmert oft nur den Sterbeprozess.
00:09:41: Trotzdem muss man natürlich von Mensch zu Mensch abwägen was richtig ist und vor allem darauf hören was der betroffene Mensch selbst möchte.
00:09:49: doch gerade bei Personen die stark abbauen wird das natürlich immer schwieriger.
00:09:54: dann so der Bezug nach außen es oft nicht mehr da, sondern die Menschen, die ziehen sich zurück.
00:10:03: Das ist so ein Ein- nach Innengekehrtsein was man häufig sieht und die Kommunikation ist einfach auch nicht mehr.
00:10:12: Worte haben dann gar nicht mehr so viel Sinn.
00:10:15: wenn alles so geklärt ist Und die Zeit ist etwas Relatives, das interessiert dann auch keinen mehr.
00:10:23: Doch auch wenn Zeit vielleicht keine Rolle mehr spielt und Sterbende immer weniger reagieren bekommen sie doch noch immer recht viel mit.
00:10:30: Studien zeigen, dass Sterbende bis zuletzt noch akustische Reize wahrnehmen.
00:10:35: Einfach weiter mit ihnen zu sprechen lohnt sich also!
00:10:37: Und ja es können Dinge bei den Sterbenden passieren die Angst machen.
00:10:42: sie können unruhig werden nach Luft schnappen oder eine rasselnde Atmung entwickeln.
00:10:46: gerade dieses Todesrasseln das kennt ihr vielleicht aus Filmen klingt unangenehm ist aber für die Sterbenen in der Regel nicht schmerzhaft erzählt uns Elisabeth.
00:10:56: da hilft es zu wissen.
00:10:57: das ist ganz normal.
00:10:59: Und generell, eine gute Begleitung kann Schmerzen häufig besser lindern als wir denken.
00:11:04: Genau dafür arbeiten im Hospiz palliativ Ärzte und Pflege eng zusammen.
00:11:09: Das Lebensende wird hier immer begleitet mit dem klaren Ziel es so angenehm wie möglich zu machen.
00:11:15: Das kann übrigens auch Zuhause klappen aber dazu später mehr.
00:11:21: Mittlerweile stehen wir vor einem Wintergarten da drin steht ein Klavier.
00:11:25: dahinter liegt eine große Terrasse.
00:11:27: man kann auf die umliegenden roten Ziegeldächer schauen.
00:11:31: Ein paar Straßen weiter erhebt sich ein Kirchtum über die Stadt.
00:11:34: Wir finden immer kleine Veranstaltungen statt, gibt auch Gäste, die sagen, wir möchten hier noch kleine Abschiede feiern oder so.
00:11:41: Also es ist wirklich so, Hospizus nicht nur sterben ... Es ist voll lebengefüllt.
00:11:47: Wir begleiten halt und geben eine Lebensqualität
00:11:51: zurück.
00:11:52: Ist das letzte Mal was passiert?
00:11:54: Weihnachten!
00:11:55: Da stand in der Ecke wunderbar geschmückt da.
00:11:59: Weihnachtsbaum,
00:12:00: alles
00:12:01: voll mit Weihnachtsteko.
00:12:03: Wir hatten den Tisch von der Küche noch mit hier reingestellt und wir waren insgesamt fast dreißig Personen in dem kleinen Raum.
00:12:13: Dann gab es Kaffeekuchen,
00:12:16: Gebäck
00:12:16: ... Und dann haben wir das Klavier noch mit hereingeschoben.
00:12:20: In deren Amlinien haben wir einen Moment, der auch Klavier spielt.
00:12:23: Total schön!
00:12:25: Ich muss aus sagen, er ist schön hier.
00:12:28: Der Ausblick Die Ruhe.
00:12:30: Und mir wird wieder einmal bewusst, wie nah verschiedene Lebensrealitäten doch zusammenliegen.
00:12:35: Unten nur eine Straßenecke weiter der typische Neuköllner Trugel Spätis, Shisha-Lounge Menschen, die auf ihren Döner warten und sich an den U-Bahn-Eingängen aneinander vorbeidrängeln.
00:12:47: Nur ein paar Stockwerke darüber dann dieser stille Garten.
00:12:51: Und fünfzehn Zimmer in denen totkranke Menschen leben, weinen, lachen und Abschied nehmen.
00:12:57: Da
00:12:59: bleiben die Leute so umschnittlich bei euch.
00:13:02: Das
00:13:04: ist der Schnitt,
00:13:04: ja?
00:13:05: Doch bei manchen können aus wenigen Tagen bis Wochen sogar Monate werden wie Sophia und ich noch erfahren werden.
00:13:16: Drei Monate bevor wir das erste Mal durch das Riga-Mospiz laufen steigt die siebenundsebzigjährige Eva gerade in ihren Toyota Corolla.
00:13:24: Sie war kurz einkaufen und legt den Rückwärtsgang ein.
00:13:28: Plötzlich schießt ein unglaublicher Schmerz durch ihren rechten Arm Und der hängt jetzt bloß noch willenlos und kontrolliert an ihr runter.
00:13:36: Es wird er gar nicht mehr zu ihr gehören, sie bekommt Panik.
00:13:40: Im Krankenhaus wird schnell klar dieser Schmerz kommt nicht von einer falschen Bewegung sondern Eva hat Krebs!
00:13:48: Ihr Arm ist voller Tumore und das obwohl sie bis dahin keine Schmerzen hatte.
00:13:52: ein riesiger Schock und der sitzt so tief dass die sich selbst aus dem Krankenhaus entlässt.
00:13:59: Sie hat Angst.
00:14:00: In den kommenden Wochen geht Eva zum Autopäden, zum Chirurgen.
00:14:04: Aber niemand kann ihr so richtig helfen!
00:14:07: Mit der Zeit wird alles schwieriger... ...Eva kann nicht mehr alleine aufstehen und der Alltag bricht weg.
00:14:13: Am achtundzwanzigsten Dezember zwerausendfünfundzwandzig stürzt sie und bleibt liegen bis ein Einkaufshelfer sie findet.
00:14:21: Von da an geht es nicht mehr ohne Unterstützung.
00:14:24: Sie kommt ins Krankenhaus und wird bestrahlt.
00:14:27: Sie hat jetzt auch Metastasen in der Leber.
00:14:29: Die Chemotherapie lehnt sie dann aber ab.
00:14:32: Zu viele Beschwerden und Nebenwirkungen Und damit ändert sich ihr Behandlungsziel.
00:14:38: Eva wird von nun an palliativ betreut.
00:14:40: Man wird keine weiteren lebensverlängenden Maßnahmen durchführen.
00:14:46: Seit Januar ist Eva im Hospiz.
00:14:49: Mittlerweile ist es April, weg ist der Schnee.
00:14:52: Stattdessen blühen die ersten Blumen und Sophia und ich sind wieder am Rekam-Hospiz.
00:14:57: Guten Morgen
00:15:01: Ihr seid
00:15:02: hier?
00:15:02: Genau.
00:15:03: Sophia, Sophia Hagesberger.
00:15:05: Aber mit mir können wir uns dutzen!
00:15:07: Ja, wir
00:15:07: können uns gerne duzen.
00:15:08: ich will die Eva sehen wollen.
00:15:10: Die Eva ja... Ich bin Clemens.
00:15:11: Schön.
00:15:15: Ich bin happy dass sich Eva so freut uns zu sehen.
00:15:18: schon seit zwei Wochen weiß sie das wir für den Podcast vorbeikommen.
00:15:22: Wir setzen uns zu ihr ins Bett.
00:15:24: Sie hat dunkle kurze Haare und trägt ein Pflegehemd mit dezenten Blumenmuster.
00:15:29: Ihre rechte Hand die thront auf einem Kühlkissen.
00:15:33: Vorsicht, da hat sie so ein kleines mobiles Tablett das man zu sich her schieben kann zum Essen.
00:15:38: Ein bisschen wie beim Zahnarzt.
00:15:40: und jetzt gerade liegen darauf Briefe und eine Fernbedienung.
00:15:43: Auf einem Tisch stehen frische Blumen.
00:15:45: Die bekommen Sie zweimal in der Woche erzählt uns Eva Und sie hat ihr Zimmer selbst ein bisschen schick gemacht Mir fällt eine vierzig Zentimeter große Puppe auf.
00:15:55: Das ist meine Sussitpuppe, die habe ich mir mal gekauft Ja, als junges Mädchen und die sollte mich hier auch noch begleiten.
00:16:01: Und noch etwas hat sich Eva von zu Hause ins Hospiz bringen lassen?
00:16:05: An der Wand auf die sie blickt hängt ein großes Bild.
00:16:08: Das Bild was an der Wand hängt das habe ich auch selber gestickt.
00:16:12: Das ist eine Google-Erarbeit.
00:16:13: es hat mich anderthalb Jahre gekostet.
00:16:17: Aber das
00:16:17: geht alles nicht mehr weil mein Restaurant funktionsunfähig geworden ist sonst würde ich wahrscheinlich hier noch weiter stecken aber da Komme ich wohl nicht mehr dazu.
00:16:28: Glauben Sie mir, wenn sie Rechtshänder sind?
00:16:32: Wie sehr sie Ihre rechte Hand vermessen werden, die nicht mehr Funktionsfähig ist und auch nicht mehr funktionsähig wird, damit wir superdurchwählen!
00:16:42: Ja... Wenn ich fragen darf, wie fühlt sich das an, wenn man weiß Ich kann das jetzt nicht mehr.
00:16:49: Schlimm!
00:16:52: Ist Sterben genau das Stück für Stück etwas aufzugehen was sonst so normal war den eigenen Körper, Autonomie.
00:17:01: Dinge die einem wichtig waren.
00:17:03: Eva schmerzt eine Sache ganz besonders.
00:17:05: Ich
00:17:06: habe zwei wunderbare Marmelienbäume im Garten zu stehen.
00:17:10: Die waren jetzt in voller Blüte.
00:17:13: ich kann es nicht mehr sehen.
00:17:15: das tut weh aber ich sehe jetzt das leichte Meilengrün schon Sprüsse Wenn ich hier vom Fenster aus mal so rüber gucke, vorher war ja alles noch mit Schnee als ich die einen ins Sohn bin.
00:17:30: Und jetzt ist es wieder grün und erstgrün zu Grün wenn Spanitz blühten Blühen.
00:17:41: Naja, zum.
00:17:43: zwar hält sich mir auch über den Tag.
00:17:46: Wir können nur staunen.
00:17:48: Eva trauert natürlich der Zeit hinterher in der sie gestickt hat, in ihrem Garten sitzen konnte und absolut selbstständig war.
00:17:55: Und das ist alles gar nicht lang her!
00:17:57: Aber während draußen vor Ihrem Zimmerfenster die Jahreszeiten wechseln, hat Sie Ihre Lebensfreude nie verloren.
00:18:04: Ganz im Gegenteil – er hat's gehört — Die Frau singt uns hier einfach auf dem Sterbebett was vor….
00:18:09: Ich bin buff... Vielleicht liegt es auch an diesem besonderen Ort hier.
00:18:14: Ich bin vielleicht vom ersten Tag an, wie in einer großen Familie aufgenommen worden und das hat mich sehr berührt und auch gefestigt und auch Hoffnung gemacht dass ich mich vielleicht doch wieder ein bisschen erhole und den Zeitpunkt von wenigen Monaten noch etwas hinaus schieben kann.
00:18:34: An dieser Stelle ein kleiner Exkurs Es ist nicht nur wissenschaftlich bewiesen, dass eine palliative Begleitung vor allem von Diagnosebeginn an die Lebensqualität verbessert.
00:18:43: In manchen Fällen kann sie sogar zu einer längeren Lebenszeit führen.
00:18:47: Auch Übertherapien werden so häufig vermieden.
00:18:50: In der Praxis beginnt die palliative Begleitung aber häufig erst zu spät und selbst ganz am Lebensende bekommt viele Menschen sie gar nicht.
00:18:59: Zwei Tausend Neunzehn haben nur circa sechsunddreißig Prozent der Deutschen eine palliate Versorgung in ihrem letzten Lebensjahr Anspruch genommen.
00:19:06: Der geschätzte Bedarf liegt aber bei etwa seventy- acht Prozent.
00:19:10: Bei Eva bedeutet die Palliativversorgung nicht nur medizinischen Support, sie erzählt uns auch von Venissagen und Musikabenden, Kuchen den sie täglich bekommt, ehrenamtliche Helfer diese besuchen – eine Musiktherapeutin, die mit ihr singt!
00:19:26: Es ist paradox wie viel Leben in diesem Ort steckt an denen Leute zum Sterben kommen….
00:19:31: Und ich hatte auf jeden Fall eine ganz andere Vorstellung davon was im Hospiz passiert.
00:19:35: Also ich werde hier überhäuft mit Zuwendungen, dass sich beinahe gesagt hat, da habe ich ein ruhigeres Leben zu Hause gehabt und ich soll mich auf den Tod vorbereichen.
00:19:46: Das geht doch gar nicht!
00:19:49: Man wird hier regelrecht rund um die Uhr bespaßt auch.
00:19:53: Und das finde ich ganz großartig.
00:19:55: Jetzt wird gleich jemand kommen und fragen was er zum Mittag essen will?
00:19:59: Manchmal denke ich aber darüber nach... Muss man erst so alt und so krank hören, um diese, sagen wir mal, Nettigkeit oder diese Liebe erfahren zu dürfen.
00:20:11: Was Eva hier sagt, berührt für mich echt einen Wundpunkt.
00:20:15: Denn immer mehr Menschen leben und sterben allein – gerade in Großstädten wie Berlin, wo besonders viele Menschen in ein Personhaushalten leben.
00:20:23: Da gibt es dann kein soziales Auffangennetz am Lebensende!
00:20:26: Und allein sterben?
00:20:28: Wer will das
00:20:29: schon?!
00:20:30: Auch Eva war zu Hause alleine Hat kaum noch Angehörige oder Bekannte.
00:20:35: Alle verstorben, sagt sie und eigene Kinder hat sie nie bekommen!
00:20:38: Ich finde es schön zu wissen dass sie jetzt hier in Gesellschaft ist.
00:20:43: Haben die sowas wie ein Alltag hier?
00:20:44: Oder wie sieht denn der ganze Tag aus für Sie?
00:20:47: Also ich sehe viel Fernsehen natürlich Arzt-Sendungen.
00:20:51: Ja wirklich?
00:20:51: In aller Freundschaft schneiden usw.. ja ich habe die nie gesehen Und jetzt habe ich die Muße dazu.
00:20:58: und das Schärfste ist, ich schaffe jetzt beim Fernsehen immer ein.
00:21:02: Vorhin bin ich auch schon wieder nach dem Frühstück weggeknackt.
00:21:05: Jetzt wirst du alt.
00:21:07: Wann stehen Sie immer auf?
00:21:09: Also grundsätzlich um siebenhalb, acht der durchwacht.
00:21:14: Auch stehend tun mich nun leider nicht mehr so röpig aber Dann werde ich gewaschen, dann kommt ein Frühstück und dann kommen so nette Gäste wie sie.
00:21:22: Und das macht schon Spaß, auf diese Weise verwöhnt zu werden!
00:21:26: Das ist nur ein Hospiz in der All.
00:21:32: Eva ist hier im Hospiz zufrieden aber kann eigentlich jeder in Deutschland in einem Hospiz sterben?
00:21:38: Schließlich kommen die geburtstarken Jahrgänge der Babyboomer nach und nach jetzt auch ans hohe Alter.
00:21:43: Dadurch wird die Zahl der Menschen steigen, die am Lebensende palliative Begleitung benötigen Und damit wächst der Bedarf an Hospizen, Palliativversorgung und Personal.
00:21:53: Sind wir darauf überhaupt vorbereitet?
00:21:55: Wir haken mal bei Elisabeth nach wie sie die Versorgungslage einschätzt.
00:21:59: Also ich hab jetzt ja auch so aus dem letzten Hilfekurs mitgenommen dass Sterben im Hospiz ja schon eher Luxus ist.
00:22:05: Ja.
00:22:06: Muss das so sein?
00:22:07: Na es gibt halt wie zu wenig Hospice ne?
00:22:10: Zirka zweihundertsiebzig stationäre Hospize gibt es in Deutschland.
00:22:13: Die meisten davon haben circa zehn Betten.
00:22:16: Die Kopfrechenaufgabe bekomme ich hin macht zwei tausend siebenhundert Hospizbetten.
00:22:21: Laut des deutschen Hospiz- und Palliativverbands werden dort jedes Jahr etwa sechsunddreißigtausend vierhundert Menschen versorgt, gemessen an rund eine Million Sterbefälle jährlich entspricht das knapp vier Prozent aller Sterbenden.
00:22:34: Damit steht fest – nicht jeder kann ins Hospiz!
00:22:37: Wie bekomme ich also überhaupt hier einen Platz wenn ich eine Diagnose habe?
00:22:41: Also ich hoffe dann, wir wahligen Hospiz an, spreche dort mit dem Sozialdienst Sozialarbeiter, Sozialarbeiter bin und kann mich auf der Warteliste setzen lassen.
00:22:52: Je nachdem wo ich auf der
00:22:54: warte
00:22:54: Liste stehe von der Priorität her auch werde ich dann
00:22:58: aufgenommen.".
00:22:59: Die Kosten für den Hospizplatz übernehmen die Krankenkassen zu ninety-fünf Prozent.
00:23:04: Den restlichen Teil ihrer Arbeit finanzieren Hospice überspenden.
00:23:08: Und ich könnte jetzt aber nicht sagen mit vierzig Aber nicht irgendwann mal im Sterbenliege möchte ich ins Hospit schon
00:23:15: vorher.
00:23:15: Kannst du sagen?
00:23:18: Anmelden, das geht
00:23:19: halt auch nicht.
00:23:20: Es geht nur mit einer Diagnose.
00:23:23: Jetzt schon mal fürs Alter vor.
00:23:24: Reservieren kann ich also nicht.
00:23:25: Aber nicht nur im Hospiz bekomme ich eine palliative Versorgung.
00:23:29: Auch im Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung gibt es die und auch zu Hause!
00:23:33: Dort möchte etwa die Hälfte der Deutschen sterben dort wo sie sich wohl fühlen und wo ihnen alles vertraut ist.
00:23:39: Und ich sag's euch ehrlich Ich wünsche mir dass auch für mich und meine Eltern genauso.
00:23:44: Und warum denkst du, wünschen sich so viele zu Hause zu sterben?
00:23:48: Zuhause
00:23:48: ist Heimat.
00:23:50: Zuhauses Geborgenheit.
00:23:52: Alles andere ist Fremd und was ich dich kenne, ist immer ein bisschen mit Vorsicht bedacht, ne?
00:23:59: Die Realität ist aber das weit mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland in Krankenhäusern oder Fliegeheim verstirbt.
00:24:05: Die
00:24:05: versorgen zu
00:24:06: Hause
00:24:07: damit es wirklich noch fördern könnten, sag' ich mal!
00:24:11: Das wäre natürlich der Gamechanger
00:24:13: überhaupt.
00:24:14: Die Menschen einfach rundum betreut zu Hause und dort in ihren heimatlichen Gefühlen, wenn die dort sterben könnten.
00:24:25: Um Zuhause sterben zu können braucht es Unterstützung.
00:24:28: Seit Jahrzehntausend haben Menschen in Deutschland Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung – kurz SAPV.
00:24:36: Das sind Teams aus Ärzten um Pflegekräften, die schwerkranke Menschen zu Hause begleiten.
00:24:41: Vielleicht erinnert ihr euch noch an Matthias Töns aus unserer ersten Folge.
00:24:45: Genauso ein Team leitet er!
00:24:47: Er fährt zu den Menschen nach Hause und unterstützt sie und ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase – eigentlich eine großartige Möglichkeit, nur kommen sie nicht überall gleichermaßen an.
00:24:58: Manche Regionen sind deutlich besser versorgt als andere und auch wie häufig eine SAPV Versorgung verordnet wird unterscheidet sich von Region zu Region erheblich.
00:25:08: Dafür gibt es in anderen Regionen wiederum mehr aus Pizza oder Palliativstationen.
00:25:13: Die Versorgungsstrukturen bestimmen maßgeblich darüber, wo wir letztlich sterben.
00:25:18: Es kann aber einen echten Unterschied machen sich frühzeitig über Möglichkeiten zu informieren.
00:25:22: Ich kann euch verraten ich wusste vor dem letzten Hilfekurs nicht einmal dass es so etwas wie den SAPV-Dienst gibt.
00:25:28: und ist auch wichtig festzuhalten was man möchte.
00:25:31: Wer soll für mich entscheiden wenn ich das nicht mehr kann?
00:25:34: Wo möchte ich sterben Und wie möchte ich behandelt werden?
00:25:38: Das geht am besten über eine Patienten-Verfügung und eine Vorsorgevollmacht.
00:25:42: Mit diesen Vorbereitungen können mehr Menschen am Ende dort sein, wo sie am liebsten
00:25:45: wären.".
00:25:48: Für Eva ist es zumindest fast gelungen!
00:25:50: Sie wird im Rekam sterben – mitten in ihrem gelebten Neukölln.
00:25:54: Ich bin Berlinerin, ich bin Neukölnerin.
00:25:58: Seit seventy Jahren eingeschworene Berlinerin und Neukönerin.
00:26:02: Ich etappe mich bei dem Gedanken dass ich mir gar nicht vorstellen kann das Eva bald sterben könnte Und aus.
00:26:08: sie kann das zumindest manchmal kurz vergessen.
00:26:11: Wir lachen viel, wir machen viel Musik.
00:26:14: Wir singen auch zwischendurch oder machen unsere Späßchen damit es mal so ein bisschen vom Tod ablenkt auch.
00:26:22: Denn wer möchte sich gerne damit konfrontiert sehen?
00:26:25: Tod und Leben existieren im Hospiz einfach nebeneinander.
00:26:28: Das haben auch wir erlebt.
00:26:30: Während Eva uns ihr Putzmunter bespaßt, liegt nebenan ein älterer Herr.
00:26:35: Auch er wollte mit uns sprechen, war dann aber zu schwach und konnte kaum noch reden.
00:26:39: Am Vortag ist eine thirty- jährige eingeschlafen Und ein zwanzigjähriger bereitet sich gerade auch hier auf sein Tod vor.
00:26:47: Soganst lassen sich die Gedanken an den Tod also nicht abhalten Aber Eva ist da ganz zuversichtlich.
00:26:53: Irgendwann schlafe ich mich mal weg Mach mir überhaupt keine Gedanken!
00:26:57: Und wenn denn werden sie so sediert dass ihr nichts mehr vom Übergang merkt Mir das ist der schöne heute An der medizinischen Lage, dass das geht.
00:27:06: Meiner Mutter habe ich immer gewünscht nach einem schönen Kaffee, nach dem schönen Stück Kuchen, dass sie sich dann in die Kissen zurücklegen und langsam einschlägt.
00:27:16: Es ist leider nicht der Fall aber vielleicht verabschiedet bei
00:27:20: mir.".
00:27:21: Eva wirkt auf mich so als hätte sie Frieden geschlossen?
00:27:24: Ich frage mich wie hat sie das geschafft – sich mit der eigenen Endlichkeit zu versöhnen?
00:27:32: Alles ist im Leben nur geliehen.
00:27:36: Damit habe ich es loslassen können, Ich hab mich eine Weile daran erfreuen können und jetzt brauche ich's nicht mehr.
00:27:42: Auch unser ganzes Leben ist nur ein Leihgabe Manchmal früher manchmal später zu Ende.
00:27:49: Ich hatte ein gutes Leben gehabt Ich habe viele Reisen gemacht Ich habe eine gute Arbeitsstelle gehabt Ich bin eigentlich gut im Leben vorangekommen Aber eben... Das musste mich jetzt im Alter erreichen.
00:28:03: Vor dem Tode sich fürchten hat gar keinen Zweck!
00:28:07: Man erlebt ihn ja doch nicht, wenn er kommt... ...es war weg.
00:28:11: Also haben Sie keine Angst vor dem Tod?
00:28:14: Grundsätzlich nicht.
00:28:15: Sehen Sie mal was soll mich noch erreichen?
00:28:18: Es kann nur besser werden.
00:28:20: Eva sieht im Tod nicht nur ein Ende sondern auch etwas Unbekanntes das bald auf sie wartet und ich höre da sogar ein bisschen Vorfreude bei ihr raus.
00:28:29: Was Neues, ich bin zu richtig neugierig da auch.
00:28:32: Was mich auf der anderen Seite erwartet.
00:28:34: So in etwa kann ich mir schon vorstellen meine Mutter die hatte einen jungen Jahren auf dem Krankenhaus gelegen und hat ein junges Mädchen Einliefern sehen, die ein Winddarm-Durchbruch hatte in ihr Zimmern.
00:28:50: Und sie hatte immer Musik gehört, wunderbare Musik und hat immer gebeten, wie mögen doch ihre Eltern bestellen?
00:28:59: Sie möchte sich von ihren Eltern nur schneller abschienen.
00:29:02: Denn die Musik ruft sie so laut und so wunderbar!
00:29:07: Sie kann nicht mehr länger warten... Also Tchaikovsky ich erwarte dich oder wen auch immer.
00:29:17: Verdi Puccini
00:29:20: Klassik ist ihr Lieblingsshorer?
00:29:22: Oder was wäre Ihre Lieblungsmusik?
00:29:24: Nur Zart Mit Mozart kommen sie in ganz hohe Wühlen und man sagt ihm ja auch nah, dass er also dem göttlichen am nächsten steht mit seiner Musik.
00:29:36: Jetzt kommt eine Dame hier von den Ehrenamtwischen kürzlich an und bringt mir auch einer CD mit Mozart.
00:29:43: Bequem!
00:29:44: Danke!
00:29:45: Ja,
00:29:47: das ist der beste Song, der ich mir nie geben kann jetzt.
00:29:53: Na ja... Aber gute Musik?
00:29:55: Auf Musik?
00:29:56: Ja.
00:29:57: Na, man muss ja nicht gerade jetzt sein und sofort aber später machen.
00:30:06: Das war Folge fünf von Warum hast du keine Angst vor dem Tod?
00:30:09: In der nächsten und letzten Folge wollen wir zusammen in die Zukunft schauen!
00:30:12: Was denkt ihr?
00:30:14: Können wir uns bald digital unsterblich machen?
00:30:17: Grieftec wie KI Chatbots und Avatare versprechen schließlich genau das.
00:30:22: Schließlich ist es ziemlich beängstigend vergessen zu werden und selbst zu vergessen.
00:30:27: Genau deshalb arbeitet Wolfgang seit ein paar Jahren an seinem digitalen Zwilling, dem OP-Bott der auch Wolfgang heißt.
00:30:35: Hallo, Wolfgang!
00:30:36: Ich hatte ja schon angekündigt dass ich hier zwei
00:30:38: junge Leute aus
00:30:38: Berlin haben werde und die sind jetzt da.
00:30:41: Clemens wird dir jetzt ein paar Fragen stellen.
00:30:43: das heisst sie werde nicht stellen sondern Clemens.
00:30:46: Imins hallo Sophia freut mich euch beide kennen zu lernen.
00:30:50: Clements leg los mit deinen Fragen – ich bin gespannt.
00:30:53: Das war Warum hast du keine Angst vor dem Tod?
00:30:56: Ein Podcast von Welt.
00:30:58: Redaktion und Storytelling, Clemens Handke und Sophia Hägelsberger.
00:31:03: Produktion Sofia Häglsberger und Sebastian Pankau Musik- und Sounddesign Sebastian Pankao Fact Checking Elena Blüm
00:31:15: Cover
00:31:17: Dominic Schmidt und Imka Rabiga.
00:31:20: Übrigens Wenn ihr mehr Infos dazu wollt wie es gelingen kann zu Hause zu sterben Und welche palliativen Möglichkeiten es am Lebensende gibt Wir haben dazu ein ausführliches Video-Q&A mit dem Paliativmediziner Dr.
00:31:31: Matthias Thöns gemacht.
00:31:33: Schaut gerne vorbei auf unserer Website zum Podcast, der Link ist in den Shownotes.
00:31:37: Dort findet ihr auch alle weiteren Interviews und Hintergründe zu unserem Projekt sowie Bonusmaterial!
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