Warum hast du keine Angst vor dem Tod?: Sem Medo (3/6)
Shownotes
Neue Storytelling-Reihe: Wir alle wissen, dass wir irgendwann sterben werden. Und trotzdem weichen die meisten von uns dem Gedanken daran so lange wie möglich aus. Aber was passiert, wenn wir uns unserer Angst vor dem Tod stellen?
Fast jeder Mensch wird in seinem Leben trauern. Plötzlich wird man Mitglied in diesem Club, in den man nie aufgenommen werden wollte. Denn Verlust und Trauer, das sind schlimme Gefühle. Die 35-jährige Sophia durchlebt genau das gerade. Im Februar 2026 ist ihr Mann bei einem Surfunfall gestorben. Zurück bleiben sie und ihre gemeinsame kleine Tochter.
Doch Sophia will nicht allein und im Stillen trauern. Sie teilt ihre Trauer, um anderen Mut zu machen. In dieser Folge erzählen wir ihre Geschichte. Und gemeinsam mit den Bestatterinnen Birgit und Sarah gehen wir der Frage nach, warum der Tod ein so großes Tabu ist und wie ein offenerer Umgang mit Trauer und Abschied aussehen kann. Darum geht es in der dritten Folge von "Warum hast du keine Angst vor dem Tod?".
"Warum hast du keine Angst vor dem Tod?" ist ein sechsteiliger Storytelling-Podcast von WELT. Jeden Freitag gibt es eine neue Folge. Hier findet ihr alle Recherchen und Videos zum Podcast:
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"Warum hast du keine Angst vor dem Tod?" ist eine Produktion von WELT.
Redaktion und Storytelling: Klemens Handke und Sophia Häglsperger
Produktion: Sophia Häglsperger, Elena Blühm und Sebastian Pankau
Musik und Sounddesign: Sebastian Pankau
Fact-Checking: Elena Blüm
Cover: Dominik Schmitt und Imke Rabiega
Hilfsangebot für Trauernde: Überregionale Trauergruppen: https://www.verwitwet-info.de/links/gruppen/ueberregional/
Hier findet ihr mehr zu Sophia und ihrer Geschichte: https://www.instagram.com/sophiathome_coaching/ Website: https://www.sophiathome.com/
Quellen:
Umfrage von Aeternitas zu Bestattungswünschen (2025): https://www.aeternitas.de/fileadmin/user_upload/Meinungsforschung/2025/forsa25_1_bevorz_Bestattungsform.pdf
Umfrage der Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen e.V. zum Verhältnis von Sarg- und Urnenbestattungen (2025): https://feuerbestattungsanlagen-ral.de/wp-content/uploads/2026/07/GFB-umfrageergebnisse-2025.pdf
Todesfälle Berlin (2024): https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/061-2025
Berliner Gesetz über das Leichen- und Bestattungswesen: https://gesetze.berlin.de/bsbe/document/jlr-NNLBE00004A94
Impressum: https://www.welt.de/services/article7893735/Impressum.html Datenschutz: https://www.welt.de/services/article157550705/Datenschutzerklaerung-WELT-DIGITAL.html
Transkript anzeigen
00:00:01: Guck mal, die da hinten ist.
00:00:02: Die sind eher so aus wie von meinem Großvater
00:00:07: und Booma.
00:00:09: Mhm.
00:00:11: Ja also das ist glaub ich sein typisches Ohrengraub.
00:00:13: Okay
00:00:14: ja...
00:00:15: Sophia und Ich laufen über einen kleinen Stadtfritthof in Berlin-Friedrichshain.
00:00:19: Es ist sonnig und Licht fällt durch die alten Bäume.
00:00:22: Jemand gießt Blumen eine alte Frau lädt an einem Baum und hört Musik.
00:00:28: Also der Gedächt einiges auf diesem Klang.
00:00:30: Schass!
00:00:34: Die letzten Male, die ich auf einem Friedhof war waren ehrlich gesagt furchtbar.
00:00:38: Da gibt es eine Erinnerung aus meiner Kindheit Ich bin auf einer Beerdigung mit meinen Eltern.
00:00:44: Dabei kenne ich die hinterbliebene Familie nicht mal.
00:00:47: Es ist eiskalt Der Gottesdienst ist gerade vorbei und alle schlurfen zum Kircheneingang Stellen sich in der langen Reihe auf.
00:00:55: Jede einzelne Person ist schwarz gekleidet Natürlich Ganz vorne da wo die Karawane hin will, das stehen vier Menschen verloren neben einem Grab.
00:01:05: Wir alle schütteln mechanisch ihre Hände und aus allen Mündern kommt dieser eine Satz – mein Beileid!
00:01:12: Auch ich sage dass als ich an der Reihe bin und es fühlt sich einfach nur falsch an.
00:01:16: Diese Floskel die beschreibt für mich wie wir als Gesellschaft auf Trauer reagieren.
00:01:21: Effizient und unbeholfen Als wäre Trauer etwas des Ansteckendes Etwas das man möglichst schnell hinter sich bringen
00:01:28: muss.
00:01:30: Dabei wird fast jeder Mensch in seinem Leben mal trauern.
00:01:33: Auf einmal wird man Mitglied in diesem Club, in dem er nie aufgenommen werden wollte – denn Verlust und Trauer sind schlimme Gefühle!
00:01:41: Und vorbereitet wird man darauf auch nicht.
00:01:43: Ich habe nie richtig gelernt wie man Abschied nimmt was Trauer leichter macht oder wie man Menschen begegnet die gerade einen schweren Verluster leben.
00:01:51: Damit bin ich nicht alleine.
00:01:53: Das ist ein echtes Problem.
00:01:55: Ja, das ist einfach eine jahrzehntelange gesellschaftliche Verdrängung.
00:01:59: Also wir sehen heute oft in Gesprächen was es anrichtet mit den Leuten dieser fehlende Zugang zum Sterben und zum Tod.
00:02:07: Dass der die Leute zutiefst verunsichert und ihnen furchtbare Angst macht.
00:02:11: als Gesellschaft geben wir trauernden keine Unterstützung und keine Hilfe.
00:02:17: wo wir aber total da sind, ist beim Bewerten.
00:02:20: Jemand, der das gerade durchlebt ist die thirty-fünfjährige Sofia.
00:02:25: Im Februar zwartausend sechsundzwanzig ist ihr Partner bei einem Surfunfall gestorben.
00:02:30: Zurück bleiben Sofia und ihre gemeinsame kleine Tochter.
00:02:33: Er
00:02:34: war mein Plan für die Zukunft nicht nur jetzt mit unserer Tochter sondern auch die Ferne Zukunft.
00:02:40: wenn sie ausgezogen ist und wir Oma und Opa sind irgendwann... Das ist natürlich alles weg!
00:02:46: Und als wäre das nicht alles schon schlimm genug, bekommt Sophia die volle Überforderung der Menschen um sie herum zu spüren.
00:03:14: Sophia, die will aber nicht alleine und im Stillen trauern.
00:03:19: Sie will jede Trauer teilen und anderen damit Mut machen.
00:03:23: In dieser Folge erzählen wir ihre Geschichte.
00:03:26: Und wir erkunden gemeinsam mit zwei Bestatterinnen, warum der Tod so ein großes Tabu ist und wie ein anderer offene Umgang mit Trauer- und Abschied aussehen kann.
00:03:36: Ich bin Sophia Hegelberger, Podcast Redakteurin bei Welt, Business Insider & Politico.
00:03:45: Und für diesen Podcast treffen wir Palliativmediziner, Hospizmitarbeitende, Bestatterin, Sterbende, Trauernde, Menschen die dem Tod sehr nah waren und andere, die sich unsterblich machen wollen.
00:03:56: Wir möchten herausfinden was nimmt dem Tod den Strecken?
00:03:59: Wovor haben wir Angst?
00:04:01: Was passiert mit unserer eigenen Angst wenn wir den Tod nicht ausweichen sondern ihm wirklich begegnen?
00:04:07: Das ist Folge drei von Warum hast du keine Angst vor dem Tod?
00:04:18: Die waren ein Paar, bei dem man dachte – das hält für immer.
00:04:21: Und dass obwohl die beiden aus komplett unterschiedlichen Welten kommen!
00:04:24: Er Zirkuskünstler aus Brasilien und sie Studentin aus Süddeutschland.
00:04:30: Eigentlich heißt Mantega Martin aber alle nennen ihn nur bei seinem Künstlername.
00:04:34: Mantega.
00:04:35: Butter auf brasilianisch.
00:04:36: Denn Mantega war ein Abenteurer.
00:04:38: Er war so fit, der konnte in Handstand ein Backflip.
00:04:41: Der konnte jonglieren mit sieben Bällen dabei noch lustig sein!
00:04:45: Der konnte Skaten, er konnte ukulät...der konnte alles und ist mit einem Blächeln auf dem Gesicht.
00:04:50: Mantegas Lebensmotto is Semmedo Das heißt ohne Angst auf brasilianisch Und Mantega der es wirklich mutig und auch n bisschen crazy.
00:04:58: Ein Zirkuskünstler, ein Performer.
00:05:00: eben
00:05:01: Das Verrückteste, was ich gemacht habe in meinem Leben bis dahin war, dass ich einfach nach Berlin gezogen bin.
00:05:06: Weil ich in der Modebranche arbeiten wollte und dann dachte ich oh hier gibt es ja Techno-Parties probiere ich das mal aus!
00:05:12: So waren wir als wir uns kennengelernt
00:05:15: haben.".
00:05:15: Auf Kap Werden ist das.
00:05:17: Im Frühling, im Urlaubsflirt.
00:05:19: Und als Sofia damals Tschüss zu Mantega sagt denkt sie auch... ...das war's erstmal Bis?
00:05:29: Mantega ein Monat später an ihrer Tür in Berlin klingelt.
00:05:32: Von da an sehen die beiden sich immer dann wieder, wenn man Teeger von Berlin aus auf seine Straßenkünstlerfestivals tingelt.
00:05:39: Und ich gebe euch hier mal das Fast Forward!
00:05:41: Sie werden ein Paar, ziehen zusammen nach Süddeutschland und bekommen in den nächsten Jahren eine gemeinsame Tochter.
00:05:47: Diese Beziehung, dass wir das so hingekriegt haben ...
00:05:51: ja...
00:05:51: Das ist eigentlich wirklich ein Wunder irgendwie.
00:05:55: Und so haben wir voneinander gelernt und ein gemeinsames Leben aufgebaut was Ein bisschen was von ihm hatte, ein bisschen etwas von mir.
00:06:04: und ja der Kompromiss war halt aber für uns auch immer dass wir nicht zwölf Monate im Jahr hier in dem süddeutschen Dorf sind sondern das wir die Wintermonate bevorverbringen wo er auch surfen kann.
00:06:17: Und so machen sie es auch dieses jahr, zwei tausend sechsundzwanzig!
00:06:21: Sie sind im Februar für einen Monat in Portugal in einem AirBnb.
00:06:24: Mal kommen Freunde aus Kalifornien dazu mal besucht ihr ein befreundetes Paar aus Frankreich.
00:06:29: bei denen ist also immer was los.
00:06:31: An einem Montag wollen sie später alle zusammen an den Strand.
00:06:35: Aber erst will Mantega alleine noch eine Runde Surfen gehen, er war schließlich diesen Urlaub noch gar nicht auf dem Board und surfen ist für ihn wie so ne Art Therapie.
00:06:43: Ich glaub jedes Surfer-Frau kennt es dass wenn die Wellen gut sind dann hast du nicht nur einen Mann!
00:06:48: Dann ist der einfach irgendwie weg.
00:06:50: aber das ist bei ihm sehr viel weniger geworden dass er einfach so ich muss jetzt surfen gehen.
00:06:56: Eine Zeit lang hatte er das als Coping Mechanismus gebraucht ohne dass wäre Wahrscheinlich verrückt geworden.
00:07:02: Das war sein Element, das war für ihn einfach voll wichtig!
00:07:07: Und während man Tegersurfen ist vergehen die Stunden.
00:07:11: Erst eine... dann zwei...
00:07:13: Also ich war jetzt nicht gleich nervös oder so sondern hab gedacht ja gut vielleicht haben sie einfach voll viel Spaß und ich weiß aber dass spätestens wenn die Sonne untergeht es der Surf vorbei.
00:07:24: Und irgendwann sind es drei Es wird immer später.
00:07:28: Und dann hab ich schon gedacht, okay krass er ist jetzt schon lange weg und ich wurde auch ein bisschen wütend auf ihn, weil ich dachte das hatten wir in unserer Vergangenheit manchmal so in unsere Beziehung dass der einfach mich vergisst und seine weltlichen Verpflichtungen hinten rüberfallen lässt.
00:07:46: aber ... Er war da eigentlich rausgewachsen!
00:07:50: Und ich hatte schon gedacht
00:07:50: hey ist
00:07:51: es jetzt hier?
00:07:52: Wieso kommt's ja nicht?
00:07:55: Und dann kamen Polizeiauto angefahren und nicht nur eins, sondern zwei.
00:07:59: Sophie ist erster Gedanke.
00:08:01: Gleich gibt's hier eine Ratze in der Hippie-Gemeinde nebenan.
00:08:05: Der zweite?
00:08:06: Vielleicht hat man Tegra was angestellt.
00:08:08: Illegal geserved oder so.
00:08:10: Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass ihm etwas passiert ist!
00:08:14: Aber einer der Polizisten kommt jetzt auf sie zu und fragt, ob sie Sophia ist ... ein schlechtes Zeichen.
00:08:22: Ja, und dann hat er gesagt, Saddley Martin... Ich hab alles auf einmal gefühlt und irgendwie gar nix.
00:08:35: Ich habe auch ganz oft gesagt, I can't believe it!
00:08:38: Also wirklich ich kann es nicht glauben.
00:08:43: Er war so lebendig, er war so glücklich und hatte ganz viele Träume, ganz viele Ziele.
00:08:48: Es ging wirklich immer nur bergauf bei ihm.
00:08:50: Es gab nicht einen... Ah ja ihr Mann ist verunglückt und jetzt müssen sie hier kommen.
00:08:54: Er liegt im Koma oder irgendwie sowas sondern nein der ist am Strand gestorben in der Natur mit dem Meer verbunden, zack weg.
00:09:05: Und was ich natürlich gedacht habe war wo ist er?
00:09:08: Ich will ihn sehen weil ich gedacht hab, es kann ja nicht sein dass er jetzt einfach so tot ist, ich hab gedacht... ich kann irgendwie hin und irgendwas machen!
00:09:15: Ich kann zu ihm sagen komm zurück oder wir schaffen das oder kommen da ist doch nur ein gebrochenes Bein oder irgendeinen Wunder wird passieren und dein kaputtes Gehirn heilt sich wieder oder na?
00:09:27: Aber dann wirklich so ne der is tot Einfach so
00:09:33: Einfach so ist plötzlich nichts mehr wieder vor.
00:09:36: Mantega steht mit neununddreißig Jahren am Stand in Portugal und sovieles Leben, wie sie es sich ausgemalt hat, das gibt's einfach nicht mehr!
00:09:44: Das ist jetzt viereinhalb Monate her als Clemens und ich mit ihr sprechen.
00:09:48: Dazwischen hat Sophie so gut wie alles Gefühl was ein Mensch fühlen kann.
00:09:53: absolute Ausnahmezustand.
00:09:54: Dein Gehirn funktioniert nicht richtig.
00:09:56: man kann nicht klar denken.
00:09:58: Ich kann mir gar nicht vorstellen wie brutal diese Gefühle auf einen Herr reinbrechen müssen Ein Strudel aus Verzweiflungen, Angst und Überforderungen.
00:10:07: Und Sophia zieht es den Boden unter den Füßen weg.
00:10:10: Das Urvertrauen ist erschüttert!
00:10:12: Für mich war's ja normal, dass der Surfen geht und wiederkommt.
00:10:15: Für mich was Normales... Der mit neun, dreizehn Jahren an meiner Seite ist und wir eine Zukunft haben.
00:10:21: Dass das auf einmal weg ist, da kriegt man so ne Angst vor der
00:10:24: Welt.".
00:10:29: In genau solchen Ausnahmesituationen kommen Menschen zu Birgit und Sarah.
00:10:36: Und vor sechs Jahren haben wir dann das Fairhouse zusammen gegründet.
00:10:40: Das Fairhaus ist ein alternatives Bestattungsunternehmen, hier bekommt man wenn man das möchte individuelle Abschiede.
00:10:47: Sarah und Birgit's Laden liegt mitten in Berlin-Kreuzberg.
00:10:50: Nebenan ist ein chinesisches Restaurant.
00:10:53: gegenüber kann man Kaffee trinken.
00:10:55: Für Birgitt und Sarah ist es kein Widerspruch Sie finden dass Trauer und Tod genauso zum Leben gehören wie alles andere hier im Kiez.
00:11:02: Immer wieder bleiben Menschen an dem großen offenen Ladenfenster stehen.
00:11:06: Da gibt's nämlich spannende Ohren zu sehen.
00:11:08: Einer aus buntem Papier, eine andere aus Körnern.
00:11:11: Die nennt Birgit die Müsli-Ohne.
00:11:13: und was ich besonders cool finde ein Legofrithof mit einer Trauergemeinde.
00:11:17: Grabstein und einem Sarg steht da auch in der Auslage.
00:11:20: Bei einem Todesfall sind Birgitt und Sarah oft die ersten Ansprechpartnerinnen für trauende – per Telefon oder die Menschen kommen direkt zu ihnen in den Laden.
00:11:29: Das ist immer wie so'n Überraschungsei Du kannst Leute bekommen, die total auf der Sachebene sind Und organisieren wollen und nur über, gar nicht über Emotionen auch nicht sprechen wollen.
00:11:41: Weil man vielleicht dann auch was öffnet, was sie gerade nicht hängeln können?
00:11:44: Du hast Leute die kommen rein, die können keinen Satz sprechen ohne Weinen zu müssen.
00:11:49: Die müssen zwischendrin rausgehen ein Rauch und wir müssen Pausen machen!
00:11:53: Du hast leute, die sind
00:11:54: südend...
00:11:55: ...die kommen rein mit einer irren Wut, die sie manchmal auch an dir auslassen weil grad keiner da ist.
00:12:01: also das ist immer anders.
00:12:03: Die beiden Frauen verstehen ihrem Beruf breiter als ich das von Bestattern vermutet hätte.
00:12:07: Bei ihnen geht es nicht nur um die Sorg- oder Urnauswahl und die anstehende Beerdigung, sondern auch um Trauerbewältigung und
00:12:15: Beratung.".
00:12:34: Dass die beiden Bestatterin vieles anders machen wollen, hat auch mit Birgits eigener Geschichte zu tun.
00:12:40: Sie ist noch jung als ihre Mutter überraschen stirbt.
00:12:42: Ich denke sehr ungerne daran zurück weil mich das gerade heute mit dem Wissen was ich jetzt habe wirklich ärgert wie es gelaufen ist.
00:12:50: Wir sind da einfach reingepresst worden in so einer zero acht fünfzehnten Form.
00:12:53: Birgit wird durch ein Starmprozess geschläust hier im Katalog etwas aussuchen Da den Sarg konfigurieren Dem Vater was über die Mutter erzählen, damit er eine Trauerrede vorbereiten kann.
00:13:05: Ah und welche Musik sie will?
00:13:07: Hier gäbe es ein Liederbuch in dem man sich etwas aussuchen darf.
00:13:11: Dafür dass Sie Ihre Mutter noch einmal sehen können muss sie aktiv kämpfen.
00:13:15: Da wurde mir gesagt behalten sie sowieso in Erinnerung wie sie war als sie gelebt hat.
00:13:19: ich habe gesagt nein ich möchte sie sehen.
00:13:22: Also geht sie eine Treppe runter in einen Kellerraum um ihre aufgebaute Mutter ein letztes Mal zu sehen.
00:13:27: Ich kam dann da rein und ich dachte wirklich, mich trifft der Schlag, weil die hatten sie einfach geschminkt!
00:13:32: Und das war nicht mit uns abgesprochen, ne?
00:13:34: Hatten ja auch die Haare ganz komisch frisiert wie sie sie nie getragen hat... ...und es hat mich so geärgert dieser Anblick.
00:13:41: Der hat mich verletzt irgendwie noch dass die einfach irgendwas mit ihr gemacht haben ohne uns einmal zu fragen.
00:13:48: Wenn natürlich geht's sehr schlecht an dem Tag weil da in dem Sack deiner Tote Mutter liegt.
00:13:52: Aber diese ganzen Dinge, die auch von außen gemacht wurden waren wie zusätzliche Verletzungen und das hätte nicht sein müssen.
00:14:01: Man hätte uns helfen können irgendwas zu tun was heilsam ist.
00:14:06: ja ich würde heute so viel anders machen aber es geht nicht mehr vorbei.
00:14:11: Noch immer laufen viele Beerdigungen nach einem ziemlich festen Drehbuch ab So ähnlich wie bei Birgit Dormes Und noch.
00:14:17: ich denk da immer wieder an die Beerdigung aus meiner Kindheit zurück.
00:14:21: Dabei wünschen sich immer mehr Menschen einen anderen persönlicheren Abschied.
00:14:25: Nicht unbedingt auf einem klassischen Friedhof und nicht unbedingt nach den Regeln, die seit Jahrzehnten gelten.
00:14:31: Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag von Eternitas wollen es in dem Jahr zwanzig nur forty-fünf Prozent der Menschen überhaupt auf einem Friedhof beigesetzt werden – in einer Urne oder einem Sorg.
00:14:45: Der Rest also mehr als die Hälfte will lieber eine Baum- oder Seebestattung!
00:14:50: Das verstreuende Asche oder dass die Asche in eine Ohne mit nach Hause genommen werden kann.
00:14:55: Genau diese beiden letzten Formen sind aber stand jetzt in Deutschland nur sehr eingeschränkt, oder gar nicht möglich.
00:15:02: Hier gilt noch immer die Friedhofspflicht und nicht nur wo sondern auch wie bestattet wird hat sich gewandelt.
00:15:09: Während früher der Sarg die Regel war entscheidet sich heute einundachtzig Prozent den Menschen für eine Feuerbestattung.
00:15:17: Birgit und Sarah geben den trauernden Optionen.
00:15:20: Mal wollen Familien gemeinsam den Sarg bemalen.
00:15:23: Andere möchten die versturmte Person gemeinsam mit dem Bestatterin waschen und anschließend ankleiden.
00:15:28: Wieder andere halten die Trauerräde oder legen persönliche Gegenstände ins Grab.
00:15:33: Andre wollen, dass sich die Bestatterinnen einfach um alles kümmern – und ihnen die Last abnehmen, alles zu organisieren!
00:15:38: Auch das geht natürlich.
00:15:40: Sarah und Birgit erzählen von Trauerefeiern bei denen Clowns kamen und Hausabholungen bei denen zur offenen Aufbauung Sekt neben der Toten getrunken wurde.
00:15:48: Eine Feier fand in einem Berliner Club statt.
00:15:51: Jeder hat ja ein Leben lang eine Trauer und muss gucken, wie er einen guten Umgang mit ihr findet.
00:15:56: Das ist bei jedem unterschiedlich ... Es kann sein, dass der eine sagt, er möchte bei einer Erscherung von der Ehefrau im Krematorium dabei sein.
00:16:05: Und der andere sagt, das will ich überhaupt nicht!
00:16:07: Aber schön, dass ihr mir das anbietet und
00:16:09: aktiv
00:16:10: wusste, ich hätte das tun können.
00:16:12: Man weiß eigentlich heute aus der Trauerpsychologie dass zu erleben, wie ein Liebermensch stirbt eine maximale Unmachtssituation eigentlich ist und alles was einen wieder in die Handlung bringt einem hilft.
00:16:28: Es ist aktive Trauerbewältigung und Trauerverarbeitung indem ich etwas tue, indem mich damit beschäftige und meinen Gefühlen zu diesem Menschen Ausdruck verleihe
00:16:41: Selbst aktiv werden kann also bei der Verarbeitung helfen.
00:16:45: Auch wenn das nach einem super Rezept klingt, die Trauer verschwindet trotzdem nicht einfach so.
00:16:49: Und das ist auch okay, sagen die Bestattlerinnen.
00:16:52: Trauer geht nie weg, sie muss integriert werden ins Leben und du darfst dann mit ihr und Annie ihr
00:16:58: wachsen.".
00:17:03: Das steht jetzt auch bei Sophia an denn für Sie beginnt der Teil vor dem sie sich sehr gefürchtet hat ein Leben ohne Mantega und es fühlt sich erst mal einfach nur scheiße an und vor allem einsam.
00:17:15: Ich bin umgeben von vielen Leuten.
00:17:17: Fremde Leute sind für mich da.
00:17:20: So viele Leute haben mir gesagt, ruf mich an aber ich fühl mich trotzdem so einsam
00:17:25: weil
00:17:25: er mich allein gelassen hat und ich weiß es nicht mit Absicht verunglückt, ne?
00:17:31: Aber zufällig mich halt!
00:17:33: Immer wenn auf ihrem Handy eine WhatsApp-Nachricht aufleuchtet denkt sie für den Bruchteil einer Sekunde die muss von Mantega sein bis sie wieder feststellt ihr wird ihn nie wieder schreiben.
00:17:45: Trotzdem fühlt sich sein Tod einfach immer noch unwirklich an.
00:17:49: Sie kann es nicht begreifen, da sind all diese Fragen in Sophias Kopf.
00:17:54: Wo gehen wir hin?
00:17:55: Wo kommen wir her?
00:17:56: Sind wirklich nur ein Körper?
00:17:57: steckt eine Seele in uns drin und wo ist die jetzt hin?
00:18:00: Sie braucht auf einmal ganz dringend Antworten für sich.
00:18:03: Sophia entscheidet sich, Mantegas toten Körper anzuschauen.
00:18:06: Es ist das erste Mal dass sie einen toten Menschen sehen wird Und dann liegt er vor ihr Ihr verstorbener Partner In einem kühlen schlichten Raum Noch zugedeckt.
00:18:16: Ich hab ihn angeschaut und ich wusste sofort, der ist hier aber nicht da drin!
00:18:22: Ich weiß nicht, wer von euch mal einen toten Menschen gesehen hat... ...aber man spürt es irgendwie gleich!
00:18:28: Für Sophia ist mein Teegers Körper nur noch eine Hülle, eine Menschenpuppe.
00:18:32: Das keine Energie mehr zu spüren.
00:18:35: Seht genug gesehen.
00:18:36: Und als ich die Tür klingte, angefasst habe oder unten gedrückt habe und aus diesem Raum rausgegangen bin, da war in mir drin Ersatz I'm okay.
00:18:47: Und der kam nicht von mir und ich hatte so einen tiefen Frieden gespürt, und es passt eigentlich gar nichts zu der Situation weil wie ich mich gefühlt habe war einfach nur verzweifelt und traurig und ich hätte einfach nur schreien können die ganze Zeit und auf den Boden legen und nie wieder aufstehen wollen bis mich irgendjemand wegdrägt oder keine Ahnung.
00:19:10: So war eigentlich mein authentisches Gefühl.
00:19:12: Aber was ich für ein Gefühl denn mehr drin hatte als ich diese Tür klingelrunder gedrückt, aber einem okay.
00:19:19: Und das war er!
00:19:22: Das war ich
00:19:23: nicht.".
00:19:24: In diesem Moment spürt Sophia Mantega ganz deutlich – Er ist mit ihr in diesem Raum.
00:19:30: Für sie ist nur sein Körper gestorben.
00:19:32: Seine Seele, seine Präsenz existiert weiter und das beruhigt sie.
00:19:37: Und wer weiß?
00:19:38: Vielleicht ist es so.
00:19:40: Schließlich weist es niemand so genau, nicht mehr die Wissenschaft.
00:19:44: Darum ging es bei uns in Folge.
00:19:45: zwei Hört gerne rein, wenn ihr die Folge noch nicht kennt.
00:19:49: Also können wir vielleicht unser Verständnis vom Tod auch einfach kollektiv ändern?
00:19:54: Sophia zumindest ist dafür mal damit anzufangen, offener darüber zu diskutieren!
00:19:58: Diese Ungewissheit dass man nicht weiß, kommt danach wirklich was und wird jetzt geil und so
00:20:02: ne?!
00:20:03: Ich mein stellt euch vor Wir würden alle... Mit Sicherheit wissen, dass es danach schön wird und man wär glücklich wenn man stirbt.
00:20:10: Und dann ist jemand voll krank und alle Familienangehörigen Freunde kommen und sagen, ey,
00:20:15: voll geil!
00:20:16: Bald ist das
00:20:16: soweit!
00:20:17: Freust du dich schon?
00:20:17: Könnte ja auch so sein, ne?
00:20:20: Vielleicht könnten wir das mal
00:20:20: umschreiben.".
00:20:22: Und umschreiben will Sophia auch wie man zu trauern hat.
00:20:25: Sie sagt ihre Fax-to-Gift-State aufgebraucht.
00:20:28: Ich meine ihr Partner ist gestorben.
00:20:30: Was hat sie noch zu verlieren?
00:20:32: Sie will jetzt genau das tun was sich für sie richtig anfühlt Und für Sophia ist das gerade ihre Trauer teilen, denn da schafft Verbindung und empowert sie richtig.
00:20:42: Was schön daran war so an den ersten Tagen zwei drei Wochen danach.
00:20:48: man ist so offen ein bisschen wie nach der Geburt.
00:20:51: Trauer ist auch sowas Intimes was aber dadurch auch ganz viel Nähe bringt.
00:20:55: es tut mir so gut zu hören dass andere auch um ihn trauern und dass andere ihn auch so geliebt haben.
00:21:04: Der Alltag hat pausiert und das war, finde ich eine schaurig schöne Phase.
00:21:08: So mein Herz war gebrochen und es war offen und ich habe's einfach gezeigt und mit der Welt geteilt.
00:21:15: Vielleicht teils sie es auch deshalb mit uns oder einen kleinen Ausschnitt davon denn eine Sache ist schwer zu vermitteln bei Trauer wie sie sich wirklich unberhaftig für Betroffene anfühlt und dass sie in keinem Tag gleich ist.
00:21:29: Man könnte jetzt zum Beispiel denken wow Diese junge Frau ist so abgeklärt und reflektiert, und das so kurz nach dem Tod ihres Partners.
00:21:37: Krass wie gut sie das wegsteckt!
00:21:40: Es ist aber auch nur ein Teil der Wahrheit – denn Trauer ist ambivalent und komplex.
00:21:45: Das will auch Sophia noch mal klarstellen...
00:21:47: Ja also jetzt sehe ich natürlich sehr put together aus ne?
00:21:50: Ich mache hier ein tolles Interview und habe auch nur dreimal fast geheult bis jetzt….
00:21:55: Aber klar, es ist ein sehr messi-Prozess.
00:22:00: das
00:22:00: Problem mit Messie-Emotionen und vor allem Trauer.
00:22:03: Viele Menschen können damit nicht besonders gut
00:22:06: umgehen.".
00:22:06: Ich weiß, dass viele Berührungsängste haben und nicht so wissen wie sie mit mir umgehen sollen.
00:22:11: und ganz ehrlich ich weiß es auch nicht!
00:22:13: Ich mach's hier zum ersten Mal.
00:22:15: also wir sitzen im gleichen Boot.
00:22:16: Wir können es auch gemeinsam rausfinden.
00:22:19: Und genau deshalb spricht Sophia online über ihre Trauer.
00:22:22: Posted Videos von Mantega.
00:22:24: Teilt Ihre Gedanken und Herausforderungen.
00:22:27: Das kommt nicht immer gut an.
00:22:29: Online wird mir gesagt,
00:22:30: geh
00:22:31: alleine in diese Ecke da.
00:22:34: Schäme dich für deine Trauer.
00:22:36: Trauer alleine da!
00:22:37: Du bist nämlich gerade nicht normal und wenn du dann fertig damit bist und wieder normal bist, dann darfst du hierher kommen und dich zeigen.
00:22:45: Man kann es eigentlich nur sehr viel falsch machen.
00:22:47: als Witwe die ich ja jetzt bin Ich darf nicht zu glücklich sein... Nicht zu traurig sein, sonst bin ich zu verrückt.
00:22:56: Und nicht so lange und kurz traurige.
00:22:58: Das habt ihr bestimmt auch schon rausgefunden, diese ganzen Regeln unter
00:23:02: Boos.".
00:23:03: Aber wir haben euch ja schon gesagt, Sophia hat keine Facts to give mehr übrig!
00:23:07: Also macht sie jetzt erst recht weiter... Ihre Erklärung warum genau das so viele Menschen triggert?
00:23:13: Auf einer Ebene ist es natürlich dass man selbst Angst hat davor zu sterben Und dass man keinen Kontakt hat mit Trauer und dem Tod.
00:23:21: Dass man nicht weiß, wie man damit umgehen soll.
00:23:23: Dann will man es auch von anderen nicht sehen.
00:23:25: Lass mich in Ruhe!
00:23:25: Ich will meinen eigenen Tod ignorieren.
00:23:27: Ich will ignorieren, dass meine Eltern sterben, dass irgendwann wir alle sterben... Ähm ... Jetzt ist aber die Frage warum?
00:23:35: Ist das so?
00:23:36: Wir sind sehr viel weniger religiös geworden.
00:23:40: Auf diese mystische Frage was passiert nach dem Tod haben wir eigentlich keine gute Antwort Und darum macht es Angst.
00:23:51: Trauer und Tod haben wenig Platz in unserer Gesellschaft, das wird deutlich wenn man soviel zu hört.
00:23:57: Wir haben Angst davor!
00:23:59: Die beiden Bestatterinnen Birgit und Sarah finden – Das muss sich ändern denn sie kennen's auch aus ihrer täglichen Arbeit.
00:24:05: Ich hab Eltern gehabt denen ist ein Baby gestorben.
00:24:07: die haben gesagt unsere Nachbarn wechseln die Straßenseite wenn wir da lang kommen Weil die nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen.
00:24:13: Und dann lieber der Konfrontation aus dem Weg gehen.
00:24:15: Das machen die ja nicht, weil die böse sind!
00:24:18: Das machen sie, weil sie einfach total unsicher sind und wir müssen gegen diese Unsicherheit, gegen die müssen wir was tun.
00:24:24: Weil die verletzt den Menschen, die gerade in dieser Situation sind.
00:24:27: Wir werden alle mal da sein an dieser
00:24:30: Stelle.".
00:24:31: Ich frage mich, woher kommt diese Unsichheit?
00:24:34: Diese Angst, was falsch zu
00:24:36: machen?!
00:24:37: Ich glaube hier bedingen sich zwei Sachen gegenseitig... Ich fang mal bei mir an.
00:24:41: Wenn jemand stauert, will ich immer nix Falsches sagen.
00:24:45: Also sag' ich manchmal gar
00:24:46: nichts.".
00:24:47: Die Stauern haben dann aber wiederum das Gefühl man meidet sie – man geht ihnen aus dem Weg und sieht sie sich zurück!
00:24:54: Und so passiert es, dass man mit den Themen kaum in Berührung kommt.
00:24:58: Eigentlich gar nicht weiß wie sich das für Betroffene anfühlt….
00:25:01: Man vermutet nur, es muss schrecklich sein … bis es einen irgendwann selbst kalt erwischt.
00:25:07: Das ist einfach eine jahrzehntelange gesellschaftliche Verdrängung.
00:25:11: Das ist ja auch in anderen Kulturkreisen ganz, ganz anders und bei uns war es früher anders.
00:25:15: Ich denke immer, das hängt viel mit den Zwei-Weltkriegen zusammen, dass nach dieser Zeit wo in jeder Familie Verluste waren die Menschen das einfach verdrängt haben aus ihrem Leben?
00:25:30: Weil sie aufbauen mussten und nach vorne gucken wollten und sich damit einfach hinter sich lassen wollten Diese Zeit des Schmerzes.
00:25:40: Und dann haben wir irgendwie ... die Kurve nicht mehr bekommen als
00:25:44: Gesellschaft.".
00:25:45: Dazu kommt, Bestattung ist quasi ein unsichtbares Gewerbe.
00:25:50: Ich sehe fast nie einen Leichenwagen auf der Straße und wie ein Sack abgeholt wird, das hab ich auch noch nie mitbekommen.
00:25:56: Obwohl, ich hab extra nachgeschaut, statistisch gesehen alle vierzehn Minuten in Berlin meiner Heimat jemand stirbt.
00:26:03: Wie kann es sein?
00:26:05: Sarah erzählt
00:26:06: Verstorbene, wenn die aus Krankenhäusern abgeholt werden.
00:26:09: Dann gibt es besondere Eingänge zu Fahrten da kommst du gar nicht so hin also du kriegst das gar nicht mit wird dir oftmals versteckt.
00:26:16: manchmal fragen ja könnt ihr dann abholen wenn dann irgendwie alle bewohner schon im Bett sind oder nach dem Abendbrot dass das keiner mitkriegt?
00:26:23: ich hatte jetzt am montag eine hausabholung und da wurde die verstorben daraus getragen.
00:26:28: und dann kam auf der straße ein junger mann an und mein guckte mich an meinte was ist hier los?
00:26:32: Und dann habe ich gesagt hier ist jemand gestorben.
00:26:35: Und dann hat er gesagt, in dem Haus?
00:26:37: Ich hab gesagt ja.
00:26:38: In dem Haus!
00:26:39: Und da hat der gesagt oh Gott, oh Gott.
00:26:40: und hat sich ganz schnell umgedreht ins Weckerrand.
00:26:43: Ich denke mir natürlich in dem Hause ein Mietshaus in Berlin mit ich weiß nicht wie viel Parteien.
00:26:48: Da sind schon mehrere Leute gestorben und links und rechts auch und gegenüber auch irgendwie.
00:26:52: was glaubt ihr denn?
00:26:54: Was glaubt Ihr denn
00:26:55: alle?!
00:26:56: Natürlich.
00:26:57: Und wenn jemand geboren wird, dann wird da ein komischer Storch ans Fenster gehängt oder eine Wäscheleine mit Babyklamotten und dann werden die Leute eingeladen ... Weiß ich nicht.
00:27:07: Wir brauchen mehr Sichtbarkeit
00:27:09: auch
00:27:09: fürs Sterben und für den Tod.
00:27:11: Es sind alles so Kleinigkeiten, wo das immer mehr versteckt wird.
00:27:15: Das
00:27:16: Verstecken
00:27:17: daraus resultiert einfach einen fehlender Umgang damit, ein Nichtumgang
00:27:22: damit.".
00:27:23: Der Nichtumgang zeigt sich auch im Bestattungswesen.
00:27:26: Das ist nämlich für viele Menschen eine echte Blackbox, denn zwischen Tod und Beisetzung gibt es eine weitgehend unsichtbare Infrastruktur aus Überführungsdiensten, Kühlräumen und Versorgungseinrichtungen.
00:27:39: Deshalb haben Clemens und ich uns das mal angeschaut.
00:27:42: Und auch für uns ist ne richtige Konfrontation dabei aber das hört ihr gleich!
00:27:47: Also lass uns mal durchgehen.
00:27:48: – was passiert nachdem jemand verstorben ist?
00:27:54: Verstübt jemand zu Hause, darf der Verstorbene nach dem der Tod von einem Arzt festgestellt wurde bis zu thirty-sechstunden dort verbleiben.
00:28:01: So ist es in Berlin – die frisst es aber von Bundesland zu Bundesland ein bisschen unterschiedlich.
00:28:06: Nachlesen kann man das im jeweiligen Bestattungsgesetz.
00:28:09: Von dort oder auch aus Hauspizzen und Krankenhäusern werden die Toten dann abgeholt.
00:28:14: In den meisten Großstädten machen das nicht nur die Bestatter selbst sondern auch sogenannte Fuhrounternehmen.
00:28:20: Birgit und Sarah vom Fairhaus arbeiten zum Beispiel mit dem Fuhunternehmen Gustav Schöne zusammen.
00:28:25: Das ist ein echtes Traditions-Unternehmen, die gibt es schon seit achtzehnhundertvier neunzig – heute geführt in sechster Generation von drei Brüdern!
00:28:34: Sie holen mit ihrem Fuhrpark Verstorbene rund um die Uhr ab und bringen sie im Kühlräume auf ihrem Gelände.
00:28:45: Clemens und ich laufen zusammen mit Sarah vom fairhouse über den Hof des Fuhundernehmens.
00:28:49: Gustaf Schöner Hauke Rosenthal, einer der drei Brüder die den Familienbetrieb heute führen zeigt uns mal das Gelände.
00:28:57: Der Hof ist gepflastert und von niedrigen Backsteingebäuden umschlossen.
00:29:02: Davor stehen dunkle, unauffällige Transporter.
00:29:06: Innen sind sie so ausgebaut dass daran gleich mehrere sehr getransportiert werden können hat uns Haukel gerade gezeigt.
00:29:13: Und jetzt gehen wir zu einer Schiebetür an der Seitenwand des Hofgebäudes.
00:29:17: Die schiebt er jetzt auf.
00:29:19: Hinter dem Vorhang liegt eine der Kühlräume.
00:29:22: Also genau, hier
00:29:22: hinter wird erstes Licht
00:29:25: angehen, wenn wir reingehen.
00:29:27: Aber
00:29:27: man hat schon mal einen kleinen Einblick mehr möchte und kann auch reingehnen.
00:29:30: Es
00:29:31: ist eigentlich wie im Film ... es riecht etwas anders als draußen?
00:29:38: Wie im Film sagt Hauke!
00:29:40: Keine Ahnung was er so richtig damit meint... Wir gehen rein und für mich ist das, was ich da sehe auf jeden Fall komplett neu.
00:29:46: Hab' ich so auch noch nie in dem Film gesehen.
00:29:49: Und überhaupt, es ist das erste Mal dass Sophia und ich beide einen toten Menschen sehen Beziehungsweise.
00:29:55: jetzt liegen hier gleich mehrere.
00:29:58: Ich habe ein mulmiges Gefühl.
00:30:00: Gleichzeitig bin ich aber auch neugierig und guck mich mal um!
00:30:04: In Regalen übereinander und nebeneinander liegen die toten Körper auftragen, man sieht nackte Füße noch ein bisschen was von den Beinen.
00:30:12: bei manchen hat die Haut
00:30:14: eine leicht gäbliche Farbe.
00:30:32: Wir gehen erst mal wieder raus.
00:30:33: Frische Luftatmen, der Geruch da drin ist echt schwer mit irgendwas zu vergleichen.
00:30:38: Ein bisschen süßlich und feucht.
00:30:41: In den Kühlräumen lagern die Verstorbenen, bis es weiter zur Versorgung geht.
00:30:45: Das machen Birgit und Sarah auch hier auf dem Gelände.
00:30:48: Sie waschen und kleiden die verstorbenen ein, auch zusammen mit Angehörigen wenn sie das wollen.
00:30:53: Und auch Abschiednahmen am offenen Sargkönn hier im Anschluss in einem kleinen Gedenk am Stadtfinden.
00:30:59: Erst danach geht es weiter zu Friedhof oder Krematorium.
00:31:04: Zum Abschluss unserer kleinen Tour zeigt uns Hauke jetzt etwas dass ich hier so gar nicht erwartet hätte.
00:31:15: In einer riesigen Lagerhalle stehen historische Trauerkutschen.
00:31:19: Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt.
00:31:21: Ganz hinten zeigt er uns einen ganz besonderen Trauerwagen.
00:31:25: Schwarze Eiche handgeschnitzt auf hohen Speichenrädern.
00:31:28: Das ist echt ein Relikt aus einer anderen Zeit natürlich damals eher etwas für die High Society.
00:31:34: das Dach wirkt wieder eines kleinen Pavillon mit schweren Bögen, Fassierungen und schwarzen Vorhängen.
00:31:41: oben ist noch so eine kleine Krone und vorne da wurden dann die Pferde angespannt Und am Tag der Beerdigung wurde so der Sarg vom Wohnhaus zum Friedhof transportiert.
00:31:50: Wie krass zeigt das Bisse noch mal, wie anders man früher mit dem Tod umgegangen ist?
00:31:55: Ihm richtig zelebriert hat!
00:31:56: Diese pompöse Kutsche des Geklapper-der-Ferde-Hufe... Der letzte Weg zum Friedhoff war für alle sichtbar.
00:32:03: Heute findet er ganz diskret statt.
00:32:07: Aber vielleicht wisst ihr jetzt ja ein bisschen mehr über das was sich sonst zu unverborgenen abspielt.
00:32:12: Nur so baut man Ängste ab, sagt Birgit Und damit spricht die Sophia und mir aus der Seele.
00:32:16: Schließlich ist das auch so ein bisschen unser Motto für den Podcast
00:32:21: Aber
00:32:43: hat ganz genau im Ohr was Mantega ihr dazu gesagt hätte.
00:32:48: Also ich habe sehr viel Angst.
00:32:51: irgendwie, bei der Trauer ist auch viel Angst dabei es falsch zu tun.
00:32:56: und lustig wisst ihr noch was sein Lebensmotto ist?
00:32:59: Semmedo das war Mantegas Lebensmottung.
00:33:02: Ja und zu Semmedos gehört also er hatte nicht keine Angst sondern er hat sich von seiner Angst nicht leben lassen.
00:33:09: Mit Semedo gasleitet man sich nicht selber und erzählt sich, ich hab vor gar nix Angst.
00:33:13: Sondern mit Semedo traut man sich mutig zu springen auch wenn man zitternde Knie hat.
00:33:20: Also springt Sophia jetzt und macht ein Abschied.
00:33:23: Obwohl sie sich lange nicht bereit dafür gefühlt hat.
00:33:26: Zwei Monate sagt sie allen es gibt keine Beerdigung.
00:33:30: Sie kann sich nicht eingestehen dass Mantega wirklich tot ist.
00:33:34: Es ist zuschmerzhaft aber dann schaut sie ihre angstens Auge und macht das doch Aber so Wie sie es will.
00:33:45: An einem Frühlingstag kommen zwanzig Menschen aus verschiedenen Kontinenten und Ländern angereist – Brasilien, Spanien, Frankreich, Cap Verde.
00:33:55: Sie treffen sich alle an einem See.
00:33:58: Sophia trägt Jeans und ein T-Shirt auf dem No Regret steht.
00:34:02: Zu Begrüßungen laufen sie alle unter einem Banner durch.
00:34:04: Auf dem steht wie soll's anders sein?
00:34:06: Sembedo!
00:34:08: Sie hören Mantegas Lieblingsmusik und Sophia hat Mantegers Sachen mitgebracht.
00:34:12: Und verschenkt sie Stück für Stück an die Menschen, die zu seinem Abschied gekommen sind.
00:34:16: Sie teilt lustige Geschichten zu den Gegenständen, die ihn ausgemacht haben.
00:34:20: Jeder soll ein Stück von ihm bekommen.
00:34:22: Zum Schluss machen sie ein Bild – und zwar ganz besonderes!
00:34:26: So in typischer Clowns-Manier.
00:34:32: Wir haben ein Foto gemacht, ein Gruppenfoto wo wir alle so fake, ganz traurig gucken So mit Absicht, so voll.
00:34:43: Das
00:34:43: ist so ein lustiges Foto für eine Trauerfeier und vielleicht haben sie die Idee auch von dem.
00:34:49: ich weiß nicht, aber das hätte er gut gefunden!
00:34:55: Am Ende ist es...das was wir am Anfang als zu schlimmem und schmerzhaft empfinden wandelt sich irgendwann in das, was tröstend ist nämlich dass dieser Mensch weiter immer da ist.
00:35:06: der ist
00:35:07: immer da, der geht nicht weg.
00:35:09: Du musst den Körper loslassen, aber du kannst den Rest.
00:35:12: Die Erinnerung, die Beziehung und die Liebe behältst
00:35:14: du.".
00:35:15: Das ist am Anfang wahnsinnig schmerzhaft, aber wenn man da dran bleibt, dann wandelt sich das zu was Gute mit so was Tolles.
00:35:23: Das war Folge drei von Warum hast du keine Angst vor dem Tod?
00:35:27: In der kommenden Folge betreten Sofia und ich einen Ort, den fast niemand zugesicht bekommt – die Anatomie!
00:35:37: Ganz genau, dass ich
00:35:38: das erste Mal rauskomme.
00:35:40: Was mir noch dabei hilft, eine gewisse Distanz zu überwahren ist das Gesicht abgedeckt?
00:35:44: Das
00:35:44: hab' ich auch mit Absicht so gelassen.
00:35:45: Gesicht ist noch mal heftiger natürlich weil Gesicht verbindet man mit ganz viel Emotionen und so weiter und deswegen lasst man das erst einmal noch
00:35:53: zu.".
00:35:54: Und wir treffen ne Familie die plant ihren Körper nach dem Tod der Wissenschaft zu spenden.
00:35:59: Kann ihr Tod so einen Sinn bekommen?
00:36:03: Das war Warum hast du keine Angst vor dem Tod?
00:36:06: Ein Podcast von Welt.
00:36:07: Redaktion und Storytelling, Clemens Handke und Sophia Hägelsberger.
00:36:12: Produktion Sofia Häglsberger Elena Blüm und Sebastian Pankau.
00:36:19: Musik- und Sounddesign Sebastian Pankao Fact Checking Elena Blühm Cover Dominic Schmidt und Imka Rabiga.
00:36:29: Wenn ihr euch jetzt fragt wie kann ein guter Umgang mit Trauer gelingen dann schaut gerne auf unserer Website zum Podcast vorbei.
00:36:38: Der Link ist in den Show-Notes.
00:36:40: Dort findet ihr ein ausführliches Videointerview mit einer Trauerbegleiterin, sie erklärt was Trauer mit uns macht, was in dieser schwierigen Zeit wirklich helfen kann und wie wir Menschen unterstützen können die einen Verlust erlebt haben.
00:36:52: Außerdem findet ihr dort alle weiteren Interviews und Hintergründe zu unserem Podcast sowie Bonusmaterial zum Beispiel ein Video Q&A mit dem Palliativmediziner Dr.
00:37:02: Matthias Tönz.
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