Was ist Hoffnung und was kann sie bewirken?
Shownotes
In dieser Folge geht es um ein großes Thema: Hoffnung. Was genau ist Hoffnung eigentlich? Welche Kraft kann sie entfalten, wie lässt sich diese Wirkung überhaupt messen? Und: Können wir lernen, hoffnungsvoller zu sein?
Über all das spreche ich mit Tobias Kube. Er ist Professor für Klinische Psychologie und experimentelle Psychopathologie an der Goethe-Universität in Frankfurt und auch Leiter der psychotherapeutischen Universitätsambulanz dort.
Außerdem geht es in dieser Folge um die Frage, wie der Kloß im Hals entsteht.
Hier geht es zur erwähnten Folge zur Hoffnungslosigkeit und wie man da auch wieder rauskommen kann: https://open.spotify.com/episode/7CM5XMWBuZaJoXivHeaK4P
Und hier könnt ihr mehr zum Kloßgefühl im Hals lesen:
https://www.apotheken-umschau.de/mein-koerper/klossgefuehl-im-hals-was-steckt-dahinter-718553.html
https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/organe/fremdkoerpergefuehl-im-hals-ursachen-und-abhilfe/
https://www.msdmanuals.com/de/heim/verdauungsst%C3%B6rungen/symptome-von-verdauungsst%C3%B6rungen/klo%C3%9F-im-hals
Produktion: Serdar Deniz Redaktion: Christine van den Berg
„Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen“ ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.
Transkript anzeigen
00:00:00: Gerade wenn überall in den Nachrichten wieder die schlimmsten Dinge berichtet werden, dann fragt man sich doch schnell auf was kann ich jetzt noch Hoffnung setzen?
00:00:08: Erst letztens habe ich bei einer Veranstaltung ein Gespräch mit einem Klimaaktivisten gesehen und auch da kam am Ende wieder die Frage auf aber was kann uns trotz allem Hoffnung machen.
00:00:18: In dieser Folge möchte ich mich deshalb mit dem Gefühl der Hoffnung beschäftigen und damit welche Krafthoffnung haben kann.
00:00:25: Später beantworte ich dann noch eine ganz andere Frage.
00:00:28: Sicher habt ihr alle schon mal ein Kloß im Hals gehabt und euch gefragt, wie entsteht der eigentlich?
00:00:34: Und wann steckt mehr dahinter?
00:00:36: Mein Name ist Christine van den Berg.
00:00:38: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von
00:00:40: Aha!
00:00:51: Mich interessiert ja immer die Frage, was sagt eigentlich die Wissenschaft zu den Fragen, die uns so im Alltag beschäftigen.
00:00:58: Dazu kann ja auch eine Frage zählen, die vielleicht erstmal ziemlich offen erscheint – zum Beispiel, was eigentlich Hoffnung ist?
00:01:05: Und deshalb habe ich heute Tobias Kube eingeladen um mit ihm über genau dieses große Thema zu sprechen!
00:01:12: Er isst Professor für klinische Psychologie und experimentelle Psychopathologie an der Goethe-Universität in Frankfurt und auch Leiter der psychotherapeutischen Universitätsambulanz dort.
00:01:24: Von ihm möchte ich wissen, wie man Hoffnung messen kann, welchen therapeutischen Nutzen Hoffnung haben kann?
00:01:29: Ob wir lernen können hoffnungsvoller zu sein oder ob man von so was wie zu viel Hoffnung sprechen kann.
00:01:38: Herr Professor Kube, schön dass Sie da sind!
00:01:41: Ja, ich freu mich auch.
00:01:42: Sie forschen ja zum Thema Hoffnung.
00:01:45: Viele von uns können sich darunter sicherlich etwas vorstellen aber in der Wissenschaft vielleicht noch nicht.
00:01:50: deswegen Fände ich es gut, wenn wir vielleicht einmal über eine Definition sprechen könnten.
00:01:55: Sie haben mal gesagt dass es sehr viele Definitionen gibt aber vielleicht können sie uns zwei drei davon mal nennen.
00:02:02: Es gibt tatsächlich sehr viele unterschiedliche Definitionen, abhängig davon auch in welchem Wissenschaftsgebiet man sich mit dem Phänomen Hoffnung beschäftigt.
00:02:10: Worin sich die meisten einig sind ist das Hoffnung als Grundvoraussetzung hat dass es einen Zustand von Unsicherheit gibt?
00:02:16: Das heißt man weiß nicht wie sich Dinge entwickeln werden und die Zukunft ist ungewiss.
00:02:20: Und unter einer solchen Ungewissheit meint Hoffnung dann den Wunsch danach dass sich die Dinge zum Guten entwickeln oder zum Guten wenden werden.
00:02:29: Und damit grenzt sich Hoffnung auch ein bisschen ab von dem Phänomen des Optimismus, was mehr so einen Persönlichkeitsmerkmal ist.
00:02:37: Denn das ist ziemlich stabil in unterschiedlichen Situationen.
00:02:41: die meisten Menschen, die optimistisch sind, die sind immer optimistische.
00:02:44: Während Hoffnung doch recht stark an eine konkrete Situation gebunden ist und ich kann in einer Situation sehr hoffnungsvoll sein zum Beispiel hofftungsvoll darauf dass sich meine Krankheitssymptome gut entwickeln werden geheilt werde und ich kann in einer anderen Situation aber vielleicht auch wenig Hoffnung haben.
00:03:01: Zum Beispiel wenig Hoffnungen darauf, dass es gelingen wird die globale Erwärmung und all die damit verbundenen Konsequenzen noch aufzuhalten.
00:03:09: Das heißt, Hoffnung hat sehr stark eine situative Komponente während Optimismus eben eher so ein Allgemeines Persönlichkeitsmerkmal ist.
00:03:18: Welchen Nutzen kann hofftungen haben?
00:03:21: Sie haben gerade schon den therapeutischen Ansatz kurz erwähnt.
00:03:25: Gibt es da Zusammenhänge zwischen einer Person, die therapiert wird und Hoffnung hat das etwas gut ausgeht?
00:03:30: Und tatsächlich in Heilungschancen.
00:03:33: Ja also das erleben wir schon immer wieder auch sowohl in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema Hoffnung wie auch in der klinischen Arbeit dass Hoffnung für Menschen wirklich was ganz Zentrales ist und dass Hoffnungen Menschen hilft schwierige Zeiten durchzustehen, dass ihnen Kraft gibt, dass es ihnen Motivationen gibt weiterzumachen, obwohl auch die Rahmenbedingungen vielleicht wirklich sehr herausfordernd schwierig sein können.
00:03:56: Weil es den Wunsch danach gibt dass sich die Dinge am Ende zum positiven wenden würden.
00:04:00: Man sieht die Bedeutung von Hoffnung auch wenn man's umdreht und sich vergegenwärtigt wie es Menschen geht, die keine Hoffnung mehr haben denn die sind häufig in tiefer Verzweiflung und sehen wenig Sinn und wenig Antrieb noch weiter zu machen.
00:04:13: und nicht wenige Menschen die die Hoffnung verlieren denken früher oder später auch darüber nach sich das Leben zunehmen beispielsweise
00:04:19: Wenn Sie jetzt mit Patienten zu tun haben, inwiefern ist denn Hoffnung auch zu erlernen oder das zu unterstützen so Teil der Therapien?
00:04:28: Ja, das ist schon ein wesentlicher Aspekt.
00:04:31: Denn es gibt einen Teil des Phänomens Hoffnungen dass schon auch erlernbar ist und zwar dahingehend, dass man versucht selber Kontrolle über Dinge zu bekommen.
00:04:44: Menschen sind besonders dann auch hoffnungslos, wenn sie den Eindruck haben, Dinge nicht beeinflussen zu können.
00:04:49: Also in einer schwierigen Situation ausgeliefert zu sein und positiv gewendet kann das bedeuten dass man lernen, Dinge zu beeinflussten im Rahmen dessen was möglich ist.
00:04:58: Das nennt man in der Psychologie auch Selbstwirksamkeit.
00:05:01: Dass man also selbst Dinge mit beeinflussen Steuern kontrollieren kann.
00:05:05: Und das kann man schon im Großen wie im Kleinen, seien es kleine Alltagsentscheidungen durch die man versucht sich selbst etwas Gutes zu tun, sich selbst Erholung zu verschaffen und Ähnliches mehr.
00:05:16: Es kann natürlich aber auch im Große möglich sein indem man selber versucht zur Genesung beizutragen durch bestimmte Verhaltensweisen oder Strategien beispielsweise
00:05:25: Vielleicht können Sie es einmal ganz kurz konkret machen.
00:05:27: Was wäre denn so ein Tipp, den sie dann geben würden wenn jemand versuchen will hoffnungsvoller zu sein?
00:05:33: Wenn man das überhaupt so sagen kann.
00:05:37: Mein Tipp wäre zu versuchen den Blick auf die Dinge zu lenken, die man beeinflussen kann.
00:05:41: also es gibt viel in unserem Leben das entzieht sich unserer Kontrolle.
00:05:45: da sind wir größeren Mächten und Kräften ausgesetzt.
00:05:49: Und können Dinge nicht beeinflussen, aber jeder von uns hat einen kleinen Alltagsgeschehen Dinge die man beeinflussend kann zum Beispiel ob ich im Anschluss an ein Gespräch nochmal mir Zeit nehme das zu reflektieren oder indem ich einen kleinen Spaziergang mache und dabei noch mal über bestimmte Dinge nachdenke und dabei vielleicht bewusst meine Aufmerksamkeit auf Dinge lenken die gut sind für dich dankbar bin und Die auch in der Vergangenheit vielleicht gut gelaufen sind Hoffnung geben können, dass es auch in Zukunft so sein wird.
00:06:21: Ja, das ist sehr schwierig.
00:06:22: Das hängt damit zusammen, dass es auch so unterschiedliche Definitionen davon gibt.
00:06:26: Dementsprechend ist es häufig so, dass je nach Hoffnungssdefinition, dass auch in einen unterschiedlichen Ansatz gibt, das Ganze zu messen.
00:06:32: Es gibt grundsätzlich zwei Herangehensweisen dazu.
00:06:35: Eine Herangehhensweise ist zu sagen man macht das vor allem über sogenannte qualitative Interviews.
00:06:40: Das heißt, man spricht mit Leuten ausführlich und fragt sie danach wie Sie die Dinge erleben?
00:06:44: Wie sie auf die Zukunft schauen was ihnen dabei Hoffnungen gibt und was sie aber vielleicht auch unsicher sein lässt oder verzweifeln lässt, in dem Fall sogar.
00:06:53: Und der andere Ansatz ist man versucht ein Fragebogen zu entwickeln, der ausdrückt wie stark Menschen hoffen.
00:07:00: und auch den zweiten Ansatz hat man also im Laufe der Jahre jetzt verfolgt und unterschiedlichste Fragebögen auch dafür entwickelt die dann unterschiedliche Bereiche von Hoffnung versuchen zu erfassen und dann also auszudrücken wie stark menschen auf einem bestimmtes ereignis hoffen.
00:07:15: Kontext der Medizin und des Gesundheitsbereichs.
00:07:18: beispielsweise haben wir selber auch ein Fragebogen entwickelt, der das zum Ziel hat die Hoffnung von Menschen auf Symptomen Besserungen und Heilung durch eine entsprechende Behandlung abzubilden.
00:07:28: Würden Sie sagen, Sie haben ja gerade schon gesagt, Optimismus ist auch eine Eigenschaft, eine Persönlichkeits-Eigenschaft?
00:07:33: Wie ist es denn bei Hoffnungen?
00:07:34: was verbindet denn vielleicht Menschen oder kann man das so sagen, Menschen eher hoffnungsvoller sind, miteinander.
00:07:42: Gibt es da Verbindungen zu anderen Persönlichkeitsmerkmalen vielleicht auch?
00:07:46: Also ich glaube ein Teil hängt schon mit diesem Phänomen des Optimismus zusammen.
00:07:50: also Menschen die optimistisch sind im Grundsatz, die sind auch häufiger hoff- nungsvoll das finden wir immer wieder in der Untersuchung dass es da schon einen moderaten Zusammenhang zumindest gibt.
00:08:01: und ein zweites Konzept was dabei auch wichtig ist, ist dass der Selbstwirksamkeit etwas für eben auch schon angesprochen hat.
00:08:06: Also Leute, die grundsätzlich die Erfahrung gemacht haben.
00:08:09: Sie können Einfluss darauf nehmen wie ihr Leben verläuft und wie sich bestimmte Situationen entwickeln.
00:08:15: Die sind auch in der Tendenz hoffnungsvoll leer weil sie eben die Erfahrungen gemacht haben.
00:08:20: man kann Dinge auch beeinflussen man muss nicht ausgeliefert sein?
00:08:24: Und vielleicht noch mal eine letzte Frage gibt es auch Momente wo sie sagen Da sind Menschen auch vielleicht zu hoffnungsvoll oder legen sich zu sehr auf die Hoffnung und werden dabei vielleicht ertatenlos.
00:08:36: Gibt es das auch?
00:08:37: Beobachten Sie das!
00:08:39: Ja, da sprechen sie einen ganz wichtigen Punkt an also... Auf der einen Seite ist es so dass Hoffnung auch eine verletzliche Seite hat.
00:08:46: Also wer hofft darauf, dass etwas Gutes passiert, nimmt damit auch einen Kauf.
00:08:51: Das ist natürlich vielleicht nicht so kommen und sich die Dinge eben doch nicht zum Guten wenden und man damit also dann auch sich verletzlich macht dadurch das man hoffte.
00:09:00: Dass es die eine Seite, die andere Seite ist, dass es auch verlockend sein kann aus einer gewissen Naivität heraus darauf zu hoffen, dass schon nicht so schlimm kommen wird wie man befürchtet und sich darauf ausruht und gerade nicht ins Handeln kommt.
00:09:16: Und das kann das Eintreten einer negativen Situation natürlich gerade noch wahrscheinlicher machen.
00:09:23: Das beobachten wir beispielsweise bei globalen Krisen wie dem Klimawandel, dass gerade die Hoffnung darauf, dass es so schlimm schon nicht werden wird und uns auch zur Untätigkeit verleitet – und dadurch wird das wovor wir eigentlich Angst haben leider gerade wahrscheinlich, nämlich dass wir nicht mehr in seiner lebenswerten Zukunft uns wiederfinden!
00:09:41: Ja, ich fand es waren sehr viele wichtige Punkte und ich finde es noch mal sehr wichtig dass sie besprochen haben wie wichtig Hoffnung auch für die Heilung sein kann.
00:09:50: Und dass man das ja doch auch lernen kann vielleicht auch in Zusammenhang mit einer psychologischen Betreuung wenn man das braucht.
00:09:57: aber an der Stelle vielen vielen Dank fürs Gespräch Herr Kube.
00:10:01: Sehr gerne!
00:10:02: Und von der Psyche kommen wir jetzt zu einer ganz anderen Frage und zwar was hat es eigentlich mit dem Kloß im Hals auf sich?
00:10:12: Warum ist
00:10:12: das so?
00:10:13: Die kleine Alltagsfrage.
00:10:17: Bestimmt kennt jeder von uns dieses nervige Klosgefühl im Hals, so als wäre ein riesiges Stück Essen im Rachenhängen geblieben.
00:10:24: Das Gefühl hält kurz an, vielleicht ein paar Minuten und vergeht dann auch wieder.
00:10:28: Ich hatte das Gefühl schon öfter mal – in den meisten Fällen ist das Phänomen aber auch harmlos!
00:10:33: Es gibt aber auch Menschen bei denen das sogenannte Globus-Gefühl länger anhält und immer wieder kommt….
00:10:39: Bei den meisten ist das Gefühl im ganzen Kehlkopfbereich vorhanden, kann sich aber dem Gefühl auch etwas unterscheiden.
00:10:45: Es kann nämlich entweder beweglich sein oder sich fest anfühlen.
00:10:50: Hinzu kann häufiges Reusband kommen eine erhöhte Schleimproduktion sowie Probleme beim Schlucken und Atmen.
00:10:57: Also um es kurz zu machen – es ist einfach ein sehr unangenehmes Gefühl!
00:11:02: Es gibt dabei aber nicht die eine Ursache, sondern es kommen verschiedene Auslöser in Frage.
00:11:07: Häufig liegt dem Klosgefühl eine Entzündung oder Reizung zugrunde – Schulteran können Infektionen sein und auch der Rückfluss von Magensäure.
00:11:16: Magensaure gerät vor allem nachts in die Speiseröhre und läuft bis zum Kehlkopfbereich, breitzt den Bereich damit also so sehr dass zu einer anderen Zeit dieses Klos-Gefühlen entstehen kann.
00:11:27: Viele Betroffene haben auch Sodbrennen!
00:11:30: Aber auch Stress, Angst oder schilddrösen.
00:11:32: Erkrankungen können das Gefühl im Hals verursachen sowie eine Störung im Bereich des oberen Speiseröhren-Schließmuskels.
00:11:39: Das natürliche Gefühl ist natürlich zu husten damit der Klos weggeht.
00:11:43: nur ist das Problem dabei dass das Houston die Schleimhaut der Speiserührer nur noch mehr reizt.
00:11:49: Wichtig zu sagen ist außerdem, dass das Glossgefühl in seltenen Fällen auch durch einen Tumor im Rachen verursacht werden kann.
00:11:56: Also es ist auf jeden Fall eine gute Idee sich bei einem Arzt beraten zu lassen wenn das Glosgefühl wirklich gar nicht mehr weggeht!
00:12:03: Vor heute ist er hard.
00:12:04: damit zur Ende.
00:12:05: ich hoffe ihr konntet aus der Folge wieder viel wissen für euch mitnehmen und freue mich natürlich wenn ihr auch beim nächsten mal wieder dabei seid.
00:12:12: Und hier noch eine Hörempfehlung von mir.
00:12:14: Meine liebe Kollegin Sophia Hegelzberger hat ja schon mal eine Folge zum Thema Hoffnungslosigkeit gemacht, also passt das zum Thema dieser Folge auch.
00:12:23: Da geht es darum wie Hoffnungslosigkeit entsteht und auch wie wir da wieder rauskommen können die verlinke ich euch gerne auch nochmal in den Show Notes.
00:12:32: Ich bin Christine van Den Berg.
00:12:33: Also dann bis bald!
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