Suizidprävention: Wie Angehörige Warnzeichen erkennen und helfen können
Shownotes
Wie erkennt man, dass ein Mensch in einer ernsthaften psychischen Krise steckt? Die Psychiaterin und Suizidologin Ute Lewitzka erklärt, welche Warnzeichen Angehörige beachten sollten, warum es wichtig sein kann, direkt nach Suizidgedanken zu fragen und wie man Betroffene unterstützen kann.
Hinweis: In dieser Folge geht es um Suizid und Suizidprävention. Das Thema kann belastend sein oder persönliche Erinnerungen und Gefühle auslösen. Wenn euch die Folge zu nahegeht, hört sie bitte nicht allein oder zu einem späteren Zeitpunkt.
Hilfe und Beratung:
Für Menschen unter 25 Jahren gibt es die anonyme Onlineberatung U25
Für Menschen ab 26 Jahren gibt es die anonyme Onlineberatung MANO
Weitere Informationen und Hilfsangebote zur Suizidprävention findet ihr bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention
Bei akuter Suizidgefahr oder wenn jemand unmittelbar davorsteht, sich etwas anzutun, bitte sofort professionelle Notfallhilfe beziehungsweise den Rettungsdienst einschalten.
Produktion: Sermet Agartan Redaktion: Fiona Wink
"Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen" ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.
Transkript anzeigen
00:00:00: Bevor es losgeht, ein kurzer Hinweis.
00:00:02: In dieser Folge geht es um Suizidpräventionen und das Thema kann sehr belastend sein oder auch persönliche Erinnerungen und Gefühle auslösen.
00:00:09: Wenn ihr also merkt dass euch das gerade zu nahe geht dann hört diese Folge bitte nicht alleine oder entscheidet euch dafür sie zu einem späteren Zeitpunkt anzuhören.
00:00:17: Im Jahr im Jahr ist in Deutschland über Zehntausend Menschen durch Suizide und das sind mehr als durch Verkehrsunfälle Mord- und Totschlag Drogen und AIDS zusammen Oder auch anders gesagt, alle fifty-fünfzig Minuten verliert in Deutschland jemand sein Leben durch Suizid.
00:00:31: Und deshalb findet jedes Jahr am zehnten September also auch heute der Welttag der Suizitprävention statt und dieser Tag macht weltweit auf Suizide und die Möglichkeiten der Hilfe aufmerksam und darum soll es auch in der heutigen Folge gehen.
00:00:44: Ich bin Fiona Wink.
00:00:45: herzlich willkommen euch allen bei Aha!
00:00:47: Wir starten jetzt mit einem nicht so leichten aber umso wichtigerem Thema.
00:00:50: Aha!
00:00:52: Zehn Minuten
00:00:53: Alltagswissen Ein Podcast von Welt.
00:01:22: Darüber spreche ich jetzt mit Ute Levitzka, sie ist Psychiaterin und Hochschullehrerin für Suizidologie an der Goethe-Universität in Frankfurt.
00:01:35: Hallo Frau Levitzkar!
00:01:37: Hallo, ich grüße Sie!
00:01:39: Frau Levizzkar wenn wir über Suizitprävention sprechen was genau bedeutet das dann eigentlich?
00:01:43: Und was kann Suizidepräventions leisten?
00:01:46: Also Suizidprävention umfasst alle Maßnahmen, die dazu führen sollen dass es weniger Suizide in einem Land in dem Fall in Deutschland gibt.
00:01:53: Und da muss man gleich dazugsagen das ist den Suiziden wenn es denn eine freie Entscheidung ist nicht gilt zu verhindern also der Mensch per se des menschliche Wesen darf sich das Leben nehmen und hat das auch immer schon gemacht seites Menschen gibt.
00:02:07: Das heißt wenn beschreib ich immer, dass gibt es natürlich auf der rational-kognitiv ethisch philosophischen Ebene sehr wohl frei entscheidet.
00:02:14: Ich möchte nicht mehr
00:02:15: leben.".
00:02:15: Dann dürften wir diesen Menschen nichts entgegensetzen?
00:02:19: Wir wissen aber auf der anderen Seite das die meisten Menschen, die sich das Leben nehmen wollen in einer Krise, in einer Belastung, in eine innere Not stecken.
00:02:27: und hier sollten wir alles dafür tun, dass wir den Menschen Zeit geben.
00:02:31: darum geht's in der Suizidprävention Zeit zu gewinnen um diese Situation noch einmal anders, vielleicht anders zu bewerten natürlich mit Hilfe und Begleitung.
00:02:40: Und meine klinische Erfahrung ist das es ganz häufig gelingt und dass viele Menschen die in dieser Zeit, in dieser Schwernzeit begleitet wurden später sagen bloß gut, dass ich noch am Leben bin und das treibt uns auch in der Suizidprävention immer wieder diese Erfahrung zu machen.
00:02:55: Sie haben es gerade schon gesagt, nicht jeder Mensch der Suizidgedanken hat unternimmt dann auch wirklich einen Suizitversuch.
00:03:00: Wie unterscheiden sich denn ein Todeswunsch?
00:03:02: Suiziedgedanken vielleicht auch konkrete Suizideabsichten und dann tatsächlich einen Suizzitversuchs.
00:03:07: also wie häufig führen diese Gedanken am Ende auch zu einem Suiziderversuch?
00:03:11: Das können sie sich so vorstellen dass sehr viele Menschen wie so großer Trichter einmal in ihrem Leben Suizidedanken haben gerade wenn wir in den Jugendbereich schauen?
00:03:18: Es gibt Studien, die zeigen, dass etwa die Hälfte der vierzehnjährigen schon mal Suizids Gedanken hatte.
00:03:24: Das heißt es ist eine große Gruppe von Menschen, die zumindest mal diesen Gedanken hatte.
00:03:28: das Leben macht keinen Sinn mehr oder ich möchte nicht mehr leben.
00:03:31: Dann verschlangt sich dieser Trichter dann ist es noch einmal eine andere Gruppe für Menschen in die Handlung kommen und tatsächlich ist es nochmal einer anderen Gruppe klinisch zumindest, die dann tatsächlich sich das Leben nehmen und von denen sie sich das Leben nehmen ist natürlich ein großer Teil bringt viele Faktoren mit.
00:03:49: Das müssen wir immer sagen, es ist multifaktoriell.
00:03:51: der Suizid hat nicht eine Ursache aber die bringen sozusagen ein großes Päckchen mit an Faktorn und dazu gehören beispielsweise auch psychische Erkrankungen.
00:03:59: bitte im Umkehrschluss nicht denken.
00:04:00: jeder Mensch mit einer psychischen Erkannung nimmt sich das Leben aber das ist ein wesentlicher Risikofaktor.
00:04:05: Gibt es denn Warnzeichen?
00:04:07: also woran können Angehörige oder Freunde vielleicht erkennen dass ein Mensch möglicherweise suizid gefährdet ist?
00:04:12: Wenn Sie mit hinterbliebenen sprechen, werden Ihnen ein Teil dieser Menschen sagen es gab keine Anzeichen.
00:04:17: Das ist auch die Gruppe von Menschen, die mir große Sorgen macht weil ich gar nicht weiß wie können wir die erreichen?
00:04:22: Aber bei sehr vielen sehen wir Veränderungen und wir Menschen sind ja so... Wir suchen nach einer Begründung warum sich irgendwas verändert hat und das kann dann sein der hat etwas auf Arbeit oder der hat Stress in seiner Ehe oder oder oder Aber wenn immer dann, wenn wir längerfristige Veränderungen sehen eines Menschen und diese Veränderung nicht zu seiner Persönlichkeit passen.
00:04:41: Also ich bin beispielsweise immer sehr darauf bedacht dass sich äußerlich schick aussehe und ich vernachlässigen mich total und mir ist völlig egal welche Klamotten ich anziehe.
00:04:50: Ich bin ein super guter Schläfer und auf einmal schlafe ich ganz schlecht!
00:04:53: Ich bin einen ganz friedlichen Mensch und immer ausgegiechen und auf eine Fall war ich total reizbar und dünn.
00:04:58: heute immer dann könnten, Nachstehende die diese Veränderung bemerken sagen okay ich habe gesehen da gibt es Veränderungen.
00:05:06: Ich mache mir Sorgen was ist gerade los in deinem Leben?
00:05:08: und darum das ist meine Botschaft die ich immer auch an Leinen überbringe hinzuschauen und nachzufragen ist das aller aller wichtigste und jeder Mensch darf sich trauen zu fragen erstens geht's dir nicht gut oder ich hab den Eindruck dir gehts nicht gut?
00:05:21: und dann auch zu fragen gibt es denn da sogar Gedanken dass dein Leben keinen Sinn mehr macht wenn alles gerade so schwierig ist.
00:05:28: für dich muss nicht erschrecken, selbst wenn dann die Antwort kommt.
00:05:31: Ja!
00:05:32: Das wäre tatsächlich meine nächste Frage gewesen.
00:05:34: also man darf ganz konkret fragen und ansprechen ob jemand Suizidgedanken hat?
00:05:39: Genau sie werden diese Nicht durch das Nachfragen in diesen Menschen entstehen lassen ist immer noch so ein Mythos der den Köpfen ist.
00:05:46: oh Gott wenn ich denen nachfrage dann bringe ich denen darauf Nein, die Regel ist.
00:05:51: Die Menschen sind sogar entlastet wenn es endlich einen gegenüber gibt das sich trau zu fragen und dann kommt es darauf an was derjenige sagt.
00:05:58: Das ist praktisch eine Kompetenz die erlernt kann.
00:06:00: Es ist kein Hexenwerk.
00:06:01: dazu müssen sie auch keinen Arzt oder Therapeut sein.
00:06:04: Wenn derjenig gesagt ja ich habe solche Gedanken Dann würden Sie als nächstes weiterfragen können Sind das Gedanken die mal kommen und gehen?
00:06:10: Sind das gedanken die ganz stark in deinem Kopf sind Und die du gar nicht mehr wegschieben kannst?
00:06:15: und dann darf Ich sogar fragen Kannst du mir sagen, wie du dir das Leben nehmen wolltest?
00:06:20: Warum?
00:06:21: Es geht um die Methode.
00:06:23: Und wenn die Meth ode sozusagen eingrenzbar ist, jemand hat eine konkrete Methode im Kopf, wie er sich das Leben nimmt will kann ich zum Beispiel auch als Laie mit dieser Person besprechen.
00:06:34: können wir dafür sorgen, dass wir in der nächsten Zeit diese Methode für dich nicht verfügbar machen.
00:06:38: Also die zweithäufigste Methode in Deutschland ist ja die Vergiftung mit Medikamenten.
00:06:43: und wenn derjenige ganz viele Medikamente zuhause hat kann ich sagen du mir wäre lieber wenn mir die Medikamente vorübergehend bis es dir wieder besser geht woanders sozusagen unterbringen.
00:06:54: das sind Sachen und dieser Person die das beobachtet diese Entwicklung Das ist wäre super, super wertvoll.
00:07:00: Die kann dafür sorgen dass die betroffene Person ins Hilfesystem kommt.
00:07:04: Sie können sich vorstellen wenn es mir nicht gut geht habe ich keine Kraft bei tausend Psychiatern anzurufen und vielleicht sogar eine Ablehnung zu kriegen.
00:07:12: Ich habe keine Kraft, mich irgendwo auf ne Warteliste setzen zu lassen beim Therapeuten.
00:07:17: Das heißt dann ist die super wertvolle Hilfe der nahestehenden Person dafür zu sorgen du komm wir machen das zusammen oder wenn Du mir das gestattest ruf ich für Dich an ein vereinbare Eintamin.
00:07:27: dass wäre großartig
00:07:29: jetzt das ganze mal umgedreht.
00:07:30: was würden Sie denn einem Menschen raten der vielleicht gerade selbst das Gefühl hat einfach nicht mehr weiterzuwissen und in einer Krise zu stecken?
00:07:37: Da ist es ganz wichtig und auch das begegnet mir immer wieder, dass viele Menschen gar nicht wissen welche Hilfen es gibt.
00:07:42: Es gibt nämlich Hilfen, und zwar das beginnt mit ganz niedrigwelling beispielsweise der Telefonseelsorge.
00:07:47: Auch da gibt es immer noch Geschichten im Kopf, oh Gott!
00:07:50: Da kann ich doch nie anrufen, da sitzen Pfarrer einer anderen Seite.
00:07:53: Nee, das stimmt natürlich nicht.
00:07:54: Das sind ganz tolle engagierte Leute die dafür auch sozusagen da sind sich dem Thema zu widmen.
00:08:01: Dann gibt es spezifische Angebote, wo man wirklich von vornherein das Thema Suizidadität ansprechen kann.
00:08:07: Das ist für junge Menschen unter U-U-Uhr.
00:08:10: Das is ein onlinebasiertes, also per E-Mail funktioniert der Austausch und die Beratung.
00:08:15: Und für die Erwachsenen ist es MANO, MANO.
00:08:19: auch hier kan ich ganz anonym dem gegenüber schreiben mir geht's nicht gut.
00:08:23: Ich hab sogar Gedanken dass ich nicht mehr leben möchte.
00:08:26: Das ist super wertvoll, allerdings nicht für die akute Krise geeignet.
00:08:30: Also wenn ich gerade kurz davor bin... Ich möchte jetzt nicht mehr leben und ich werde mir etwas antun, dann muss der Notarzt her oder muss mich sozusagen die Rettung informieren.
00:08:40: bei diesen Nitrischwelling-Angebote haben in der regel eine zeitliche Verzögerung?
00:08:44: Ich kriege da nicht sofort einen Beratungsbegleitungsplatz sondern muss manchmal ein paar Tage warten.
00:08:49: das muss man wissen!
00:08:51: Okay, das heißt am Ende ist langfristig wahrscheinlich auch ne Therapie gar nichts zu umgehen,
00:08:55: oder?!
00:08:56: Naja, auch das nicht.
00:08:57: Also da sage ich ganz häufig, nicht jeder Mensch mit Suizidgedanken oder selbst mit suizidalem Verhalten braucht sofort eine Therapie.
00:09:05: Das wäre schwierig weil Suizidalität zum Menschen dazu gehört und Krisen, schwere Lebenskrisen mit Suizzidgedanken.
00:09:11: gehört nämlich auch zum Leben dazu.
00:09:13: Das ist nicht alles sofort krank, das finde ich auch wichtig zu sagen.
00:09:16: und dafür sind die niedrigschwelligen Angebote da auch so etwas wie die Bayerischen Krisendienst oder der Berliner Krisendienste, die vierundzwanzig sehen sogar Aufsuchen verfügbar sind wo ich ganz viel außerhalb dieses hochprofessionellen klinische Versorgungssystem sprich der Psychiatrie machen kann.
00:09:34: Das würde ich mir eigentlich in jedem Bundesland wünschen weil ich ganz viele Krisen außerhalb einer Klinik schon versorgen kann und die Menschen nicht sofort in die, sowieso nicht alle Menschen sofort in den Psychiatrie müssen.
00:09:45: Sondern das bleibt denen vorbehalten, die tatsächlich eine psychische Erkrankung
00:09:48: kamen.".
00:09:52: Und weil sich jede Alltagsfrage nach diesem doch sehr ernsten Thema einfach nur falsch anfühlt, bleibt mir nur zu sagen bitte seid achtsam mit euren Mitmenschen.
00:10:05: Achtet aufeinander nehmt ihre Sorgen ernst und hört ihn auch zu!
00:10:09: Wenn ihr selbst das Gefühl habt nicht weiterzuwissen dann ist Hilfe näher und leichter erreichbar als ihr vielleicht denkt.
00:10:14: Ihr findet die Links zu den Hilfsangeboten die Frau Lewitzka gerade genannt hat in den Show Notes.
00:10:19: schaut also dort gerne mal vorbei und holt euch Unterstützung wenn ihr oder jemand in eurem Umfeld sie braucht.
00:10:24: Und damit verabschiede ich mich auch schon für heute.
00:10:27: Ich hoffe, die Folge hat euch weiter geholfen denn Krisen können uns ja alle treffen.
00:10:31: und bedenkt immer ihr seid nicht alleine und euch kann geholpen werden!
Neuer Kommentar