Was Adoptivkinder für eine stabile Bindung brauchen
Shownotes
Was braucht ein adoptiertes Kind, um sich in einer neuen Familie wirklich sicher zu fühlen? Welche Rolle spielen Erfahrungen, die es vor der Adoption gemacht hat? Und was können Adoptiveltern tun, um ihr Kind beim Ankommen zu unterstützen?
Die Psychologin Dr. Ina Bovenschen erklärt in dieser Folge die Faktoren für eine gelingende Adoption, die Rolle der elterlichen Feinfühligkeit für eine sichere Bindung und das Entwicklungspotenzial von Kindern nach belastenden Startbedingungen.
Außerdem geht es in dieser Folge um die Frage, warum manche Menschen ständig von Mücken gestochen werden und andere kaum.
Hier findet ihr die wissenschaftliche Analyse von Dr. Ina Bovenschen und ihrem Team, die Grundlage für dieses Gespräch war – eine Zusammenfassung internationaler Forschungsbefunde zu gelingenden und nicht gelingenden Adoptionen: https://www.dji.de/veroeffentlichungen/literatursuche/detailansicht/literatur/26291-gelingende-und-nicht-gelingende-adoptionen.html
"Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen" ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.
Produktion: Sermet Agartan Redaktion: Karin Haswani
Impressum: https://www.welt.de/services/article7893735/Impressum.html https://www.welt.de/services/article157550705/Datenschutzerklaerung-WELT-DIGITAL.html
Transkript anzeigen
00:00:00: Was braucht ein adoptiertes Kind, um sich in einer neuen Familie wirklich sicher zu fühlen?
00:00:06: Reichen dafür vor allem Zeit und Zuwendung oder gibt es Erfahrungen die es schwerer machen vertrauen zu fassen und näherzuzulassen.
00:00:14: Und welche Rolle spielen dabei die Adoptiveltern?
00:00:18: Genau darum geht's heute bei AHA!
00:00:20: Zum Schluss geht es dann noch etwas völlig anders nämlich darum warum manche Menschen ständig von Mücken gestochen werden und andere kaum.
00:00:29: Ich bin Karin Haswani, wie schön dass ihr eingeschaltet
00:00:32: habt.
00:00:33: Aha!
00:00:35: Zehn Minuten Alltagswissen Ein Podcast
00:00:39: von Welt.
00:00:45: Als ich für diese Folge recherchiert habe ist mir eine Sache klar geworden Mit einer Adoption fängt etwas Neues an aber nicht auf einer leeren Seite.
00:00:55: Jedes Kind bringt seine eigene Geschichte mit.
00:00:58: Manche haben vorher in einem Heim gelebt Andere sind vielleicht immer wieder weitergegeben worden von einer Pflegefamilie zunächst.
00:01:06: Oder sie haben Vernachlässigung erlebt und all das hinterlässt Spuren, zum Beispiel darin dass ein Kind kaum näher sucht obwohl es sie eigentlich braucht.
00:01:17: Ein anderes Kind wirkt fremden Menschen gegenüber fast zu offen Und für Adoptiveltern ist es dann natürlich nicht immer leicht zu verstehen was ihr Kind gerade braucht.
00:01:28: Gleichzeitig zeigt die Forschung aber auch, wie viel Entwicklung möglich ist.
00:01:33: Wovon hängt das also ab?
00:01:34: Was hilft Kindern wirklich dabei in einer neuen Familie anzukommen und was können Adoptiveltern tun damit sich das Kind bei ihnen wohlfühlt?
00:01:43: Darüber spreche ich jetzt mit Dr.
00:01:45: Ina Buffenschen.
00:01:46: sie forscht am Deutschen Jugendinstitut zum Thema Adoption und hat gemeinsam mit ihrem Team die internationale Forschung dazu ausgewertet.
00:02:00: Frau Dr.
00:02:01: Buffenshin schön dass Sie da sind.
00:02:03: Ja, vielen Dank für die Einladung.
00:02:08: Ja, eine
00:02:20: Adoption dient ja dem Kindeswohl und zum Kindeswohl gehörte eben das Kinder eine stabile Umgebung haben in der sie aufwachsen können.
00:02:29: Deswegen ist Stabilität von Adoptionen eben sehr wichtig für Kinder dass Sie stabilität erfahren in dem Sinne dass sie längerfristig dort bleiben können, dass sie ein sicheres Zuhause haben über die Zeit hinweg und dass sie nicht noch einmal einen Wechsel erleben weil das gerade bei Adoptivkindern die vorher schwierige Vorerfahrungen gemacht haben, die mehrere Wechsel erlebt haben.
00:02:52: Eben etwas ist was das Entwicklungsrisiko erhöht und zum anderen gehört natürlich eine gesunde Entwicklung für alle Kinder dazu.
00:02:59: Das ist das was wir für alle kinder möchten, was wir allen Kindern wünschen und deswegen beschäftigt sich die Forschung der Adoptionsforschung eben auch damit wie unterschiedliche Entwicklungsbereiche möglichst gut gefördert werden können, als die Entwicklung in unterschiedlichen Entwicklungsbereichen bei Adoptivkindern möglichst gut gefördert werden kann.
00:03:21: Sie haben gerade die Bedeutung von Stabilität beschrieben – In der Forschung stürzt man auf diesen Begriff des organisierten Bindungsverhaltensweisen was manche adoptierte Kinder bei manchen Fällen entwickeln können.
00:03:36: Was heißt das konkret und woran würde man im Alltag erkennen?
00:03:40: Ja, im Alltag ist es tatsächlich gar nicht so einfach zu erklären.
00:03:43: Also wir messen das in der Forschung in bestimmten strukturierten Situationen.
00:03:49: also wo wird die Kinder einer Trennung aussetzen von den Bindungspersonen und dann sie beobachten wenn Sie wieder vereinigt werden?
00:03:56: Das heißt eine Trennungswiedervereinigungssituation.
00:03:58: was wir da dann sehen wie sich der Organisation bei ganz kleinen Kindern zeigt mit der Belastung, die eine kurze Trennung für kleine Kinder ja oft schon auslöst.
00:04:08: Dass sie damit nicht gut umgehen können.
00:04:10: Also dass die Probleme damit haben ihren Stress so zu regulieren wie wir wissen das er gut reguliert werden kann nämlich indem Sie Nähe suchen in dem Sie Zuwendungen suchen und sie zeigen zum Beispiel sehr widersprüchliche Verhaltensweisen.
00:04:23: es gibt ja auch Kinder die keine Nähe suchen und trotzdem ganz gut die Regulation schaffen also die eher Distanz suchen und die damit aber ganz gut klarkommen.
00:04:31: Aber bei den Desorganisierten ist es tatsächlich so, dass sie zum Beispiel sehr hingerissen sind also das Sie hin rennen und dann gleichzeitig wieder wegrennen.
00:04:39: wenn man das versuchen würde auf den Alltag zu übertragen Dann ist es halt so dass sie eben Schwierigkeiten haben wenn belastend wird Die Unterstützung der Bezugspersonen zu suchen aber dass man gleichzeitig merkt sie brauchen diese dringend Und dass sie das nicht schaffen Wenn Kinder älter werden, sieht Desorganisation ein bisschen anders aus.
00:04:57: Also das heißt wir wissen dass Kinder diese sagen mal Unfähigkeiten mit Belastungen umzugehen.
00:05:02: Das kommt eben daher, dass sie ihre Bezugspersonen vor allen Dingen bei schwierigen Vorerfahrungen ihre früheren Bezugspersonen also vor der Adoption beispielsweise nicht als verfügbar erlebt haben Und dass sie dann, wenn sie älter werden tatsächlich so eine Strategie entwickeln.
00:05:18: Ich kontrolliere es selber also deswegen.
00:05:20: bei älteringen Kindern sieht das Organisation eher so aus, dass Sie praktisch selber am Drücker sind in der Interaktion und dass Sie sehr viel selbst steuern, selber in die Hand nehmen und dass man dann so eine Art Rollenumkehr erkennt.
00:05:34: Und da wollen wir auch also in der Beratung und Unterstützung den Familien anbieten Wir wollen natürlich nicht, dass die Kinder die Interaktionen steueren müssen sondern wir wollen, Kind sein können und dass die Bindungspersonen für sie da sind.
00:05:47: Und da probieren wir eben daran zu arbeiten, diese Rollenumkehr wieder aufzuheben.
00:05:51: Da setzen wir an dem Hebel an, die Erwachsenen dabei zu unterstützen, diese Rolle gut
00:05:57: auszufüllen.".
00:05:58: In diesem Zusammenhang erwähnen Sie in Ihrer Analyse auch das manche Kinder nach einem Heimaufenthalt vor der Adduktion fremden Menschen gegen Uber sehr offen wirken – fast ohne Distanz manchmal!
00:06:10: Was könnte dahinterstehen?
00:06:12: Ja, das ist jetzt ein Bereich wo wir in den Bereich der Störungen gehen.
00:06:17: Also das heißt, wo wir sagen würden, dass hat klinische Bedeutung.
00:06:21: dieses Muster die seit Distanzlosigkeit nennen wir heute Beziehungsstörung mit sozial enthemmten Verhalten.
00:06:28: tatsächlich Was interessant ist, dass die Kinder das gerade in diesen Studien auch gezeigt haben.
00:06:34: Wo sie sehr lange in sehr deprivierten Umgebungen also wo sie einfach keinerlei Zuwendung bekommen haben, dass sie das dort sehr stark gezeigt haben und das liegt dann auch sehr nah an der Erklärung.
00:06:46: Also das heißt wenn Kinder dann in Kontakt mit netten Personen kommen, dass Sie dann sehr viel Nähe suchen – auch bei Personen, die sie eigentlich nicht kennen unvertrauten Personen.
00:06:57: Das kann man so ein bisschen erklären wie eine Überlebensstrategie, dass die Kinder das also praktisch nutzen um aus dieser Situation der starken Vernachlässigung rauszukommen.
00:07:08: Das ist etwas was zumindest als Erklärung dient wenn wir an zum Beispiel die Studien denken mit rumänischen Weisenhauskinder.
00:07:16: Was sehr interessant ist, das würde ich noch ergänzen, dass wir sehen dass die kinder werden sie dann in einer positive Umgebung einer Adoptiv-Familie oder einer Pflegefamilien kommen dass sie Bindungen aufbauen können.
00:07:28: Dass aber dieses Verhalten, diese Distanzlosigkeit bleibt häufig und das ist etwas was auch lange mehrere Jahre bleiben kann.
00:07:35: Und was wir inzwischen wissen, dass es auch nichts mit dem Bindungsaufbau zu tun hat sondern dass das eher ein gestörtes Sozialverhalten ist, was scheinbar sehr tief in den Kindern verankert ist nach diesen sehr starken Verlachlässigungserfahrung, dass hier im Grunde die Überlebensstrategie einfach noch ein bisschen beibehalten Und für die Erwachsenen ist das oft sehr schwierig, auseinanderzuhalten.
00:07:57: Weil sie denken es hat irgendwie was mit mir zu tun, dass unsere Bindung nicht funktioniert und wir wissen heute, dass das nichts so ist.
00:08:04: also, dass es nichts damit zu tun hat, dass der Bindungsaufbau nicht geklappt hat sondern dass diese Überlebensstrategie der Kinder einfacher halten will.
00:08:12: Wenn wir jetzt auf die Rolle der Adoptiveltern schauen Die Forschung zeigt, dass die Feinfülligkeit der Adopptivelter eine große Rolle spielt für eine sichere Bindung.
00:08:23: Wie zeigt sich das ganz konkret im Alltag?
00:08:27: Also Feinfühligkeit ist ein Konzept, was Mary Ainsworth vor langer Zeit entwickelt hat und was in der Form immer noch gilt.
00:08:33: Das heißt dass die Erwachsenen Bindungspersonen in der Lage sein sollten die Signale und Bedürfnisse des Kindes zum einen gut zu lesen richtig zu interpretieren und angemessen und prompt darauf zu reagieren.
00:08:47: Also das heißt, es geht darum dass die Bezugspersonen sehr gut darauf achten was braucht das Kind jetzt?
00:08:53: Was sendet ist für Signale.
00:08:55: Wir wissen gerade bei Kindern mit schwierigen Vorerfahrungen, dass sie nicht immer so eindeutige Signale senden also dass sie zum Beispiel keinen Kontakt suchen oder dass sie z.B.
00:09:03: sehr viel Kontakt suchen, sehr viel näher auch zu anderen Personen suchen.
00:09:07: sowas kann irritieren und kann auch erwachsene Bindungspersonen verunsichern.
00:09:12: Und da ist eben wichtig dass man feinfühlig bleibt, dass man versucht möglichst gut die Signale und Bedürfnisse zu verstehen auch einzuordnen.
00:09:20: Und manche Adoptiveltern brauchen dabei eben Unterstützung gerade wenn die Signalle des Kindes sehr uneindeutig sind.
00:09:27: Und das ist eben das warum wir wissen, dass auch so bindungsbasierte Interventionen Beratungsangebote für adoptive Familien sehr förderlich sein können.
00:09:35: Gerade wenn das Kind schwierige Vorerfahrungen gemacht hat
00:09:38: Könnt Kinder schwierige Stadtbedienungen später Kanz aufholen?
00:09:41: Was zeigt die Forschung dazu heute und was macht der Hoffnung.
00:09:47: Es ist auf jeden Fall so, dass das Entwicklungspotenzial sehr groß ist und dass es auch die Befunde uns alle überrascht haben, was Kinder alles durchleben können und trotzdem schaffen eine positive Entwicklung zu nehmen.
00:10:02: also wir reden davon, dass die Resilienz die Widerstandsfähigkeit von den Kindern sehr hoch ist.
00:10:08: Nichtsdestotrotz ist es natürlich unterschiedlich, also das heißt wir sehen unterschiedliche Verläufe der Kinder.
00:10:13: Es gelingt manchen Kindern besser als anderen.
00:10:16: aber sehr optimistisch ist dass wir in vielen Entwicklungsbereichen sehr positive Entwicklungen sehen.
00:10:23: gleichzeitig zeigen uns die Befunde auch dass es dann von den Entwicklungs Bereichen abhängt Also das bestimmte Defizite leichter aufgeholt werden können.
00:10:32: Zum Beispiel in der Bindung sehen wir sehr positive Entwicklung, da wissen wir auch dass die Eltern sehr viel durch ihr eigenes Verhalten bewirken können.
00:10:40: Jetzt wenn wir in den Bereich der kognitiven Entwicklung schauen ist es ein bisschen differenzierter.
00:10:45: also das heißt da ist es auch wichtig in der Elternarbeit auch darüber zu sprechen was können wir erreichen und wo?
00:10:50: ist es vielleicht auch so dass die Kinder immer noch so ein bisschen Entwicklungsnachteile behalten, aber das heißt natürlich nicht dass es keine gelingende Entwicklung ist sondern dass es viel Fördermöglichkeiten gibt und ich denke das ist eine sehr optimistische Nachricht.
00:11:05: Das gibt auf jeden Fall Zuversicht!
00:11:07: Frau Dr.
00:11:07: Buffingen vielen Dank für die Einblicke und Ihre Zeit.
00:11:11: Herzlichen Dank auch von meiner Seite.
00:11:13: Und jetzt machen wir mal einen kleinen Themensprung.
00:11:16: Vielleicht kennt ihr das Jahr, kaum sitzt ihr an einem warmen Sommerabend draußen, summen die Mücken um euch herum und irgendwie scheinen manche Leute viel öfter von Mücken gestochen zu werden als andere.
00:11:29: Warum ist es eigentlich so?
00:11:38: Ich gehöre zu den Menschen, die im Urlaub immer zerstochen werden.
00:11:43: Ich sitze abends mit Freunden draußen und am nächsten Morgen habe ich fünf, sechs neue dicke Mückenstiche.
00:11:51: Und die anderen?
00:11:52: Natürlich nichts!
00:11:53: Meine Mutter sagt immer, mein Blut ist wohl besonders süß.
00:11:58: Aber stimmt das
00:11:58: wirklich?!
00:11:59: Warum fliegt eine Mücke ausgerechnet zu mir und lässt die Person neben mir in Ruhe?
00:12:05: An meinem Blut kann es zunächst gar nicht liegen – bevor eine Mücke sticht weiß sie nicht wie mein Bluth
00:12:10: schmeckt.".
00:12:11: Sie muss mich also erst mal finden.
00:12:13: Und dabei orientiert sie sich an Spuren in der Luft!
00:12:17: Und einer dieser Spuren ist CO².
00:12:20: Mit jedem Atemzug geben wir es ab und Mücken reagieren drauf.
00:12:25: Wer mehr davon ausatmet, ist für sie leichter auffindbar.
00:12:29: Erwachsene atmen in der Regel mehr CO² aus Deshalb fallen sie eher als Kinder und größere Personen eher als kleinere.
00:12:38: Aber CO² allein reicht eine Mücke noch nicht.
00:12:41: Wenn sie näher kommen, sammelt sie mehr Hinweise.
00:12:44: Sie spürt unsere Körperwärme und unsere Feuchtigkeit – und dann den entscheidenden Punkt, den Geruch unserer Haut!
00:12:52: Und genau hier wird es individuell.
00:12:55: Auf unsere Haut leben unzählige Bakterien.
00:12:58: Sie zersetzen unter anderem Fettsäuren….
00:13:01: …und dabei entstehen Stoffe die wir selbst teilweise gar nicht wahrnehmen.
00:13:05: Eine Mücke aber schon... Und weil sich diese Mischung von Mensch zu Mensch unterscheidet, riechen manche von uns Vermögen offenbar deutlich attraktiver als andere.
00:13:16: Deshalb kann es passieren dass zwei Menschen direkt nebeneinander sitzen die eine Person aber dauernd gestochen wird und die andere fast gar nicht!
00:13:24: Bei schwangeren Frauen kommt einiges zusammen sie atmen mehr CO² aus und ihre Körperdemperatur ist etwas höher.
00:13:33: Untersuchungen zeigen, dass sie dadurch für bestimmte Mückenarten deutlich attraktiver sein können.
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