Wenn Arbeit zur Sucht wird
Shownotes
Wenn du immer und immer wieder bei der Arbeit über deine Grenzen gehst, im Urlaub oder bei der Familie überhaupt nicht abschalten kannst und nur noch an die Arbeit denkst, dann könnte es sein, dass du süchtig nach Arbeit bist. In dieser Folge spreche ich mit Christian Ebner über genau dieses Thema. Er ist Professor für Soziologie mit Schwerpunkt Arbeit und Organisation an der Technischen Universität in Braunschweig. Es geht darum, wie genau sich ein ungesundes Verhältnis zur Arbeit äußert, welche konkreten Folgen Arbeitssucht haben kann und auch, was ich tun kann, wenn ich merke, ich könnte womöglich selbst davon betroffen sein.
Später beantworte ich dann noch die Frage: Warum werden wir bei traurigen Filmen emotional, obwohl wir wissen, dass es nicht echt ist?
Quellen:
https://link.springer.com/article/10.1007/s11229-026-05645-3
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S000169181630035X
https://filmlexikon.uni-kiel.de/doku.php/p:paradoxderfiktion-6373
https://www.spektrum.de/news/film-buch-oder-wirklichkeit-dem-gehirn-ist-es-egal/964683
Produktion: Sermet Agartan Redaktion: Christine van den Berg
"Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen" ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.
Impressum: https://www.welt.de/services/article7893735/Impressum.html Datenschutz: https://www.welt.de/services/article157550705/Datenschutzerklaerung-WELT-DIGITAL.html
Transkript anzeigen
00:00:00: Mal hier und da eine Stunde länger bei der Arbeit zu bleiben, das ist für viele Menschen wahrscheinlich ganz normal.
00:00:06: Aber wenn du immer wieder über deine eigenen Grenzen gehst – regelmäßig viel zu viel arbeitest sogar am Wochenende oder im Urlaub am Strand nicht abschalten kannst … Und deine Gedanken ständig um die Arbeit kreisen?
00:00:19: Dann könnte es sein dass deine Beziehung zur Arbeit sehr ungesund geworden ist… und du vielleicht sogar süchtig nach Arbeit sein könntest!
00:00:27: Genau dieses Thema schauen wir uns in der heutigen Folge genauer an.
00:00:32: Später beantworte ich dann noch die Frage, warum werden wir bei traurigem Film emotional?
00:00:37: Obwohl wir wissen, dass es gar nicht echt ist!
00:00:40: Mein Name ist Christine Vandenberg.
00:00:42: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von AHA!
00:00:58: Immer wieder gibt es die Diskussion darüber ob wir zu wenig arbeiten ob wir doch zu viel Work-Life-Balance wollen und einfach zu faul geworden sind.
00:01:06: Natürlich ist das ein Thema, zu dem es keine einfache Antwort gibt.
00:01:10: Aber ich finde – wenn es ums Thema Arbeit geht, dann sollten wir auch mal dahin schauen, wo Menschen wirklich zu viel arbeiten und immer wieder über ihre eigenen Grenzen hinausgehen!
00:01:21: Genau darüber spreche ich heute mit Christian Ebner.
00:01:24: Er isst Professor für Soziologie mit Schwerpunkt Arbeit & Organisation an der Technischen Universität in Braunschweig.
00:01:31: Von ihm will ich wissen, wie sich Arbeitssucht genau äußert.
00:01:34: Welche konkreten Folgen das haben kann und auch was ich tun kann wenn ich merke Ich könnte womöglich selbst davon betroffen sein.
00:01:48: Herr Professor Ebner schön dass Sie da sind.
00:01:50: Ja hallo ich freue mich dabei zu sein.
00:01:52: Wie würden sie denn Arbeitssicht definieren?
00:01:56: Was erst mal interessant ist also Arbeitssuchte es gar keine offiziell anerkannte Diagnose steht nicht in der internationalen Klassifikation der Krankheiten.
00:02:04: Das heißt, es gibt hier im Gegensatz zu zum Beispiel Alkoholabhängigkeit oder Glücksspielsucht gar keine so eine offizielle medizinische Definition.
00:02:12: In der Forschungsliteratur da gibt das aber Definitionen und es gibt auch verschiedene Tests um Arbeitssucht zu bestimmen.
00:02:18: Es läuft international unter Work Addiction oder Workaholism Und ein mittlerweile weit verbreiteter Test den wir in unseren Studien genutzt haben erstand aus den Niederlanden.
00:02:29: Da wird zuchthaftes Arbeiten anhand von zwei Dimensionen beurteilt.
00:02:33: also Erstens müssen die Menschen exzessiv arbeiten, das heißt sehr viel Kraft und auch vor allem Zeit in die Erwerbstätigkeit investieren.
00:02:42: Und zweitens, das muss dann auch noch dazu kommen, müssen die Leute zwanghaft arbeiten.
00:02:46: Und so ein Zwanghaftes Arbeiten, das heisst man verspürt auch die ganze Zeit den inneren Drangenarbeiten zu müssen.
00:02:53: Man hat ein schlechtes Gewissen wenn man sich freinimmt und kann gar nicht entspannen wenn man mal nicht arbeitet also eine Unfähigkeit zur Distanzierung von seiner Berufstätigkeit.
00:03:03: Es gibt ja auch den Begriff, der mir natürlich und vielen sicherlich sehr geläufig ist vom Workaholic.
00:03:09: Und damit verbunden ist ja immer... Ich finde das auch so ein Bild von früher einen Film aus in was erstrebenswertes irgendwie was Glamouröses?
00:03:17: oder arbeitet jemand viel?
00:03:19: Der will nicht sagen es arbeitssüchtig sondern is'n Workaholik!
00:03:22: Wie...?
00:03:23: Oder was halten sie denn von dem
00:03:25: Begriff?!
00:03:27: Also ich glaube, Sie haben auf jeden Fall recht, dass der Begriff im Alltag auch positiv genutzt wird.
00:03:31: Vielleicht auch so als Anerkennung dafür, dass jemand sich besonders in der Arbeit engagiert?
00:03:36: In der Wissenschaft ist er deutlich kritischer gemeint.
00:03:39: Er wurde in den siebziger Jahren geprägt von Rain Outs und also ganz bewusst in Anlehnungen an Alkoholismus.
00:03:45: Und da ging es schon nicht nur um US-Arbeitseinterschmall oder sowas was ja auch etwas Gutes ist sondern das geht eben genau auch um eine problematische Zwanghaftigkeit von Arbeiten.
00:03:55: Und wie viele Menschen betrifft das?
00:03:57: Also welche Zahlen haben Sie dazu, wie viele jetzt zum Beispiel hier in Deutschland arbeitssüchtig sind.
00:04:03: Ja also... Unsere letzten Studie, die wir zusammen mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung durchgeführt hatten.
00:04:09: Da haben wir auf Basis von einer recht großen Stichprobe von mehr als achttausend Erwerbstätigen das mal untersucht und wir sind auf einen Wert von ungefähr so zehn Prozent der Erwerbstätigen gekommen, also sowohl exzessiv aber auch zwanghaft arbeiten was diese suchthaften Arbeitsdefinitionen entspricht.
00:04:27: Ja und zehn Prozent, wenn man sich das überlegt vor dem Hintergrund Ja, mehr als vierzig Millionen Erwerbstätigen in Deutschland sind dann eben doch über vier Millionen Menschen.
00:04:36: Und in welchen Branchen ist das besonders häufig der Fall?
00:04:40: Wir haben uns Unterschiede tatsächlich auch angesehen nach Branchen, Berufen anderen betrieblichen Merkmalen und auffallend Rohlwerte findet man in der Landwirtschaft also allgemein bei Selbstständigen Personen mit Führungsverantwortung.
00:04:54: Man muss aber auch sagen dass sich das Phänomen Also suchthaftes Arbeiten, das zieht sich wirklich quer über Branchen und Berufe auch hinweg.
00:05:02: Es gibt so ein paar Beschäftigungsmerkmale.
00:05:04: die sind da eher förderlich für suchthaftes arbeiten.
00:05:08: Jobs bei denen man große Verantwortung trägt für Menschen verantworten für Finanzen.
00:05:13: Niedriglohnbeschäftigung ist auch mit sucht haften Arbeiten verknüpft möglicherweise auch weil die beschäftigt vielleicht die Hoffnung haben durch so eine Arbeitsweise dann aus der Präkarität herauszukommen.
00:05:25: Jobs bei denen Beschäftigte einen hohen Termindruck, erhebliche Leistungsvorgaben berichten.
00:05:30: Bei denen es insgesamt einfach eine große Arbeitslänge auch zu bewältigen gibt.
00:05:35: also auch die scheinen sehr förderlich für suchthaftes Arbeiten zu sein.
00:05:39: und vielleicht um noch ein Beispiel zu nennen Die Arbeit im Home Office also bei allen Vorzügen die damit verbunden sind, die wir vielleicht viele auch kennen.
00:05:48: Also das kann eben auch begünstigen dass Personen verstärkt exzessiv und zwanghaft arbeiten.
00:05:54: Beim Homeoffice ist es ja so, dass die Arbeit aus dem Büro mit nach Hause genommen wird und zuhause da kann man eben auch leichter zu ganz unterschiedlichen Uhrzeiten weiterarbeiten.
00:06:03: Bekommt vielleicht gar nicht so mit wenn andere dann vielleicht doch Feierabend gemacht haben.
00:06:08: Welche Persönlichkeitsmerkmale verbinden den Menschen mit Arbeitssucht?
00:06:12: Also da haben wir international relativ viel Forschung dazu und was da gefunden wird und das finden Auch in Deutschland, übrigens bei unseren Studien.
00:06:21: Wir haben Perfektionismus, das ist ein Persönlichkeitsmerkmal.
00:06:25: Das ist sehr deutlich mit suchthaften Arbeiten verknüpft.
00:06:29: Also Leute, die perfektionistisch sind und die neigen dazu Arbeitsgänge immer wieder zu prüfen können nur schwer auch einen Haken hinter eine Aufgabe setzen und entsprechend einfach nicht so gut loslassen.
00:06:40: Neurotizismus ist auch so ein Persöhnlichkeits-Merkmal was eine Rolle spielt.
00:06:44: also Menschen, die eher zur Sorge, Unsicherheit neigen Angst haben vor negativen Konsequenzen.
00:06:51: Und da kann Arbeit einfach eine Strategie sein, um mit solchen Gefühlen umzugehen und auch so ein Kontrollgefühl dort zu gewinnen.
00:06:58: Dann haben wir auf jeden Fall noch als drittes wichtiges Persönlichkeitsmerkmal so ne Offenheit für Erfahrungen die manche Leute haben und das ist erstmal sicher gar nichts Negatives.
00:07:10: Aber Personen, die eben auch sehr neugierig sind, neue Projekte oder Ideen verfolgen wollen.
00:07:15: Auch die laufen zumindest eher Gefahr dann sich zu übernehmen und immer weiter arbeiten zu wollen.
00:07:21: Und ein Punkt vielleicht noch streng genommen ist das kein Persönlichkeitsmerkmal sondern fällt dann eher so in den Bereich Motivation.
00:07:28: aber was Studien eben auch zeigen ist es eine sehr starke Karriere- und Leistungsorientierung.
00:07:34: Die geht ebenfalls mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einher für exzessives und zwanghaftes Arbeiten.
00:07:40: Und wenn jetzt eine Person wirklich über Jahre suchthaft gearbeitet
00:07:45: hat,
00:07:45: welche Folgen kann das haben?
00:07:47: Körperlich aber auch psychisch.
00:07:49: Also so ein Suchthaftes Arbeiten kann tatsächlich auf mehreren Ebenen folgen haben.
00:07:55: und was die angesprochen haben also auf der individuellen Ebene da steigt das Risiko für gesundheitliche Beschwerden.
00:08:01: Das kann man auch in Deutschland in den Daten ganz gut sehen.
00:08:03: und solche Beschwerden, das sind typischerweise Schlafstörungen.
00:08:07: Anhalten die Müdigkeit körperliche emotionale Erschöpfung.
00:08:10: also man kann ja auch wirklich sehen wie sich die Ressource Mensch quasi erschöpft irgendwann im wahrsten Sinne des Wortes.
00:08:17: aber ich würde trotzdem darauf hinweisen dass es auch auf anderen Ebenen Folgen hat.
00:08:21: also mal auf die betriebliche Ebene blickt.
00:08:25: da deutet eigentlich vieles drauf hin der Suchthaft des Arbeiten langfristig gar nicht wirklich produktiver ist.
00:08:31: Also Sie können sich vorstellen, wenn man pausenlos arbeitet auch gedanklich immer bei der Arbeit ist.
00:08:36: Auch nicht regeneriert.
00:08:36: dadurch dann steigt das Erschöpfungsrisiko und in so einem dauerhaften Erschäpfungszustand das schafft man einfach in der gleichen Zeit typischerweise weniger Arbeit.
00:08:45: Man macht tendenziell mehr Fehler.
00:08:47: es gibt ein erhöhtes Risiko dass Beschäftigte gleich auf längere Zeit ausgebrannt und außerdem arbeitsunfähig sind Und ich will auch nicht sagen, dass also engagierte Beschäftigte sind natürlich für Betriebe sehr nützlich.
00:08:59: Ist klar.
00:09:00: aber also suchthaftes Arbeiten das bedeutet für Unternehmen am Ende manchmal eben sogar weniger als mehr Leistung Auch wenn das manche dann vielleicht gar nicht so wahr haben wollen.
00:09:10: Ich kann auch noch was zum privaten Umfeld kurz vielleicht berichten noch über das individuelle hinaus Denn es ist so, dass Betroffene dann auch von mehr konflikten Partnerschaften berichten.
00:09:22: Weil die Arbeit sehr stark im Mittelpunkt steht und andere Lebensbereiche in den Hintergrund geraten.
00:09:29: Das kann auch kritisch werden, wenn zum Beispiel Kinder ins Spiel sind.
00:09:33: Und was man da interessanterweise beobachtet, ist das dann häufig ein Phänomen einer doppelten Abwesenheit auftritt.
00:09:42: Also suchthaft arbeitende verbringen nicht nur in der Tendenz ... Also quantitativ weniger Zeit mit der Familie, sondern die sind auch dann wenn sie physisch anwesend sind gedanklich bei der Arbeit und nicht anwäsend.
00:09:54: Und können sich dann auch emotional schwieriger auf ihr gegenüber einlassen.
00:09:58: Ja es ist ein total wichtiger Punkt was Sie sagen.
00:10:01: das stellt sich natürlich sofort die Frage was ich wenn ich jetzt selber merke Ich bin wirklich süchtig nach Arbeit.
00:10:07: Ich kann kaum Aufhören an die Arbeit zu denken sei es im Urlaub Sei es Wenn ich mit meiner Familienzeit verbringe.
00:10:14: Was denn denn so erste Schritte, die ich selber gehen kann um dieses Problem zu regulieren.
00:10:20: Also ich glaube wenn man das selbst merkt dass es an sich schon mal was Gutes so ganz allgemeine Ansatzpunkte was man tun kann zum einen bewusste Grenzziehungen vornehmen also wenn man merkt ist sie aber auch gedanklich die ganze Zeit präsent ist dann kannst helfen wirklich bewusst feste Termine einzuplanen die auch da wirklich unverhandelbar im Kalender stehen und die vor allem nichts mit dem Beruf zu tun haben Also Sport oder soziale Kontakte, die man pflegt zum Beispiel.
00:10:48: Wenn sich vielleicht eine Person sind, die eben auch z.B.
00:10:50: zu Perfektionismus neigt... also Gewissenhaftigkeit ist ja was Funktionales und auch Gutes.
00:10:56: aber Perfekcionismus kann eben auch dazu führen dass man Aufgaben immer und immer wieder prüft ohne das der Mehrwert dann eigentlich noch steigt.
00:11:04: Das kann man manchmal einfach kritisch für sich selbst auch reflektieren Was da wirklich ein gutes Maß dann ist Für sich und vielleicht auch für andere.
00:11:12: Dritten Aspekt, der Umgang mit neuen Aufgaben und Projekten.
00:11:15: Personen die von der Persönlichkeit her sehr offen sind alles spannend finden.
00:11:20: Die übernehmen oft alle möglichen Arbeitsaufgaben und da kann es hilfreich sein eben dann wirklich versuchen Priorität klarzusetzen auch mal was vielleicht nicht zu übernehmen wenn das möglich ist.
00:11:31: Also nicht zuletzt auch deshalb relevant, weil wir wissen aus der Forschung.
00:11:35: Multi-Tasken, wenn sie ganz viele Sachen gleichzeitig machen.
00:11:38: ab einem gewissen Punkt ist das einfach auch mit Effizienzverlusten total verbunden und es gibt natürlich noch viel mehr Dinge also die man da machen könnte.
00:11:45: aber da hängt dann am Ende jetzt sich schon vieles ja von der privaten oder beruflichen Situation ab.
00:11:51: vielleicht als abschließenden Punkt.
00:11:52: also wenn man selbst nicht bewältigt bekommt und wirklich einen rohen Leidensdruck hat dann kann's einfach auch sinnvoll sein sich Unterstützung zu holen also sei es aus dem privaten Umfeld oder auch professionelle Hilfe.
00:12:03: Ja, ich glaube das waren am Ende noch mal sehr hilfreiche Tipps.
00:12:07: also vielen vielen Dank Herr Ebner für das tolle Gespräch!
00:12:10: Ja gerne danke für die Einladung.
00:12:12: Und hier geht es gleich weiter mit einem ganz anderen Thema und zwar geht es darum warum wir bei traurigen Filmen so emotional werden obwohl wir wissen dass Alters nur gespielt ist.
00:12:24: Warum isst
00:12:25: das so?
00:12:26: Die kleine Alltagsfrage Es gibt ja diese ganz bekannte Szene bei Titanic.
00:12:33: Am Ende des Films, wo der Charakter Jack gespielt von Leonardo DiCaprio im eiskalten Meer versinkt und Rose ihre große Liebe verliert.
00:12:42: Bestimmt habe ich den Film zehnmal gesehen – immer wieder kommen mir genau bei dieser Szene die Tränen!
00:12:48: Und klar weiß ich das ist alles nur ein Film und alles davon ist gespielt.
00:12:52: Und trotzdem frage ich mich, warum sind manche Menschen – ich selbst offenbar auch – von fiktionalen Filmen so berührt?
00:13:00: In den Siebzigern prägte der Philosoph Colin Redford die Debatte um das Thema, als er das Rätsel um Fiktion und Emotion durch das sogenannte Paradoxon der Fiktionen beschrieb mit dem Versuch zu erklären warum wir so emotional auf Fiktionsreaktionen.
00:13:15: Diese Frage hat aber nicht nur die Philosophie beschäftigt sondern auch die Psychologie.
00:13:21: In einer Studie, die im Journal Agda Psykologika veröffentlicht wurde, ließen Forschende neunzwanzig Menschen kurze Filmszene anschauen.
00:13:30: Manche waren traurig, andere positiv oder neutral.
00:13:34: Die Versuchspersonen bekamen entweder die Info – was ist wirklich passiert?
00:13:39: Oder das ist frei erfunden!
00:13:41: Der Clou dabei war zum Teil dieselben Videos.
00:13:44: Die Forschenden wollten wissen, ob die Info über Realität und Fiktion ein Unterschied bei der emotionalen Reaktion machte.
00:13:52: Dafür zeichneten sie die körperliche Reaktionen der Probanden auf – über die elektrische Leitfähigkeit der Haut, die unter anderem durch die Aktivität der Schweißdrösen beeinflusst wird.
00:14:02: Im Ergebnis zeigte sich dass die Menschen die Szenen als Emotionaler empfanden wenn sie glaubten das sie echt sind.
00:14:09: Der Effekt war dementsprechend weniger stark, wenn sie dachten die Szenen seien fiktional.
00:14:14: Spann dabei war aber das sich dieser Unterschied nur dann zeigte, wenn die Teilnehmenden von ihren Gefühlen berichteten.
00:14:21: Bei den körperlichen Reaktionen zeigten sich keine deutlichen Unterschiede.
00:14:25: Außerdem kommt hinzu dass die Szene besonders bewegten Wenn Sie auch an eigene Erlebnisse erinnerten.
00:14:32: Zusammengefasst heißt es also für unsere Frage Wir können unser Gehirn nicht austricksen.
00:14:37: Auch wenn eine Person weiß, dass eine Geschichte erfunden ist bedeutet das nicht automatisch, dass emotionale Reaktionen ausbleiben.
00:14:45: Außerdem spielen auch die Persönlichkeit und das Umfeld in dem wir einen Film schauen einer Rolle dabei wie emotional berührt wir sind – das erklärte der US-Psychologe Paul Sack im Gespräch mit dem Stern.
00:14:56: Er sagte zum Beispiel, dass Menschen von den Reaktion anderer beeinflusst würden und Kino-Säle so konzipiert wurden, dass sie mit ihren großen Leinwänden und Soundsystemen die emotionalen Reaktionen verstärken würden.
00:15:10: Und zum Thema Persönlichkeit sagte er, dass besonders Menschen mit einer ausgeprägten Empathiefähigkeit oder auch Aggressivität häufig intensiver auf die Gefühle und Schicksale von Filmfiguren reagieren würden.
00:15:23: Für heute ist AHA damit zu Ende!
00:15:25: Ich bin Christine Vandenberg und sage an der Stelle auch nochmal lieben Dank an meine Kollegin Elena Blüm, die diese Alltagsfrage für uns recherchiert hat.
00:15:33: Bis dahin – ich freue mich wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder dabei seid!
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