Warum manche Menschen Gefahren lieben
Shownotes
Warum springen manche Menschen aus Flugzeugen, klettern an steilen Felswänden oder suchen immer wieder den nächsten Nervenkitzel – während andere Risiken möglichst vermeiden?
In dieser Folge von „Aha! Zehn Minuten Alltagswissen“ geht es um die Psychologie hinter unserer Risikofreude. Die Psychologin Prof. Hedwig Eisenbarth von der Victoria University of Wellington in Neuseeland erklärt, warum es nicht das eine „Adrenalin-Gen“ gibt und weshalb Abenteuerlust auch evolutionäre Vorteile haben könnte.
"Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen" ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.
Produktion: Sermet Agartan Redaktion: Sophia Häglsperger
Impressum: https://www.welt.de/services/article7893735/Impressum.html https://www.welt.de/services/article157550705/Datenschutzerklaerung-WELT-DIGITAL.html
Transkript anzeigen
00:00:00: Es gibt Menschen, die haushuhe Wellensurfen mit dem Falschium von Felsklippen springen oder ohne Atemgerät dutzende Meter tief tauchen.
00:00:08: Und ich frage mich dabei jedes Mal, warum macht man so etwas freiwillig?
00:00:12: Was steckt hinter dem Adrenalinkick?
00:00:15: und hat Risikoaffinität auch Vorteile?
00:00:18: Das finden wir in dieser Folge zusammen raus!
00:00:21: Unser zweites Thema der Folge ist, warum wir weniger Hunger haben wenn wir krank sind.
00:00:26: Ich bin Sophia Häggelsperga.
00:00:27: lasst uns rein starten.
00:00:30: Aha!
00:00:31: Zehn Minuten
00:00:32: Alltagswissen.
00:00:34: Ein Podcast
00:00:35: von Welt.
00:00:40: Wirdet ihr von euch sagen, dass ihr gerne Risiken eingeht?
00:00:43: Oder reilt euch schon eine Achterbahnfahrt um an eure Grenzen zu kommen?
00:00:47: Psychologen und Psychologinnen sprechen bei Menschen die besonders intensive Erlebnisse suchen – von Sensationsseekern oder Thrill-Seekern.
00:00:56: Also Menschen mit einem ausgeprägten Bedürfnis nach Nervenkitzel und neuen Erfahrungen.
00:01:01: Dabei klingt das erst einmal widersprüchlich.
00:01:03: Eigentlich müsste unser Gehirn doch alles daran setzen, Gefahren zu vermeiden – schließlich erhöht Vorsicht die Überlebenschancen!
00:01:10: Oder braucht es in einer Gemeinschaft vielleicht auch Menschen wie bereit sind Risiken einzugeben?
00:01:15: Genau dieser Frage ist Professor Hedwig Eisenbart in eine Modellstudie nachgegangen.
00:01:20: Hedrig Eisenbart forscht an der Victoria University of Wellington in Neuseeland dazu, wie gefühle menschliches Handeln beeinflussen und siehst jetzt zu Gast bei mir.
00:01:32: Herzlich willkommen Frau Professor Eisenbad.
00:01:35: Hallo, freut mich da zu sein!
00:01:37: Ich habe mich gefragt woher kommt denn eigentlich bei vielen Menschen das Lust am Risiko?
00:01:41: Was steckt also psychologisch dahinter?
00:01:43: Ja Menschen suchen schon auch immer so ein bisschen einen Reiz und wir sind neugierig Wir wollen auch ein bisschen sozusagen unser System stimulieren.
00:01:51: Das Menschen darin variieren ist ganz normal.
00:01:54: Also es gibt Menschen die suchen mehr Risikon Es gibt Menschen, die suchen das weniger ängstlich, das geht oft ein höhere Ängstlichkeit mit geringerer Risikopereitschaft oder dann auch andere Leute sind risikopbereiter und sind ja vielleicht auch weniger ängster.
00:02:11: Aber warum Leute so besonders suchen?
00:02:16: Oder warum manche Leute das wirklich brauchen ist schon diese Stimulation also diese starke Reizanreize die man durch eine starke körperliche Erregung erlebt dass das was ist gerne erleben.
00:02:31: Und wir wissen auch, dass es tatsächlich heute gibt die das sehr stark ausgeprägt haben und wo quasi so dieses was man sonst so hätte als dass man mit geringerer Anregung schon zufrieden ist nicht so ausgeprägtes
00:02:45: Und genau da, das ist ja dann unterschiedlich ausgeprägt in den Menschen.
00:02:49: Gibt es trotzdem irgendeinen Faktor der darüber entscheidet wie Risiko affin ich wirklich handle oder lebe?
00:02:55: Oder wann wird sowas angelegt in der Kindheit oder erst später?
00:02:59: was kann man dazu sagen?
00:03:01: also wenn man das quasi des Belohnungssysteme im Gehirn all dem ganzen zugrunde legt oder als Hintergrund nimmt gibt's tatsächlich schon Bahnen, die sozusagen dazu führen oder Faktoren, die dazu führen dass Leute mehr affin sind für das Belohnungssystem.
00:03:17: Und wenn das Belohnungssystem an solche Verhaltensweisen geknüpft ist dann ist es schon was auch relativ früh angelegt sein kann.
00:03:25: und wir wissen auch dass Leute die stark belohnungsorientiert sind eher häufiger dann zum Beispiel durch solche Veraltensweisen verstärkt werden können.
00:03:35: Das kann Anlagen sein, die schon sehr früh aus der Kindheit angelegt sein können.
00:03:41: Zum Teil eventuell sogar auch... vererbte oder genetisch bedingte Veranlagungen.
00:03:47: Aber es ist nicht ein Faktor, der das komplett erklärt.
00:03:50: Also man könnte nicht sagen, es gibt da das Adrenalin-Junkie-Gehen – das gibt's sicher nicht!
00:03:55: Es gibt auch keinen einen Grund, wie man was mit erlebt haben muss in der Kindheit um sich dahin zu entwickeln sondern das ist tatsächlich multifaktoriell Plus ist es auch so, dass das ja unsere Gehirn lernt der Konstant durchs Leben hindurch und es können sich auch übers Lebensspanne hinweg Dinge entwickeln.
00:04:17: Pathways entwickeln oder auch Lernerlebnisse quasi gemacht werden die sowas verstärken oder verringern können.
00:04:25: Also ganz einfach ist es nicht, keine Adrenalin gehen.
00:04:27: Wollen wir mal auf Ihre Studie gucken?
00:04:29: Sie haben ja gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen untersucht welche Rolle Risiko affine Menschen für eine Gemeinschaft spielen können.
00:04:37: Es geht eben auch um die Frage wie das beispielsweise während der Menschheitsgeschichte sich ausgewirkt hat ob es evolutionäre Vorteile eventuell bietet.
00:04:46: Lassen sie uns gerne mal draufgucken.
00:04:48: was haben sie da untersucht und was waren auch die Ergebnisse?
00:04:51: Ja, das war eine superspannende Studie.
00:04:52: Die Martina Testori hat es geleitet und die Idee war sozusagen wir simulieren das also keine Computer-Simulationen.
00:05:03: Wir simuliern mal was passiert über verschiedene Generationen wenn man in der Bevölkerung einen bestimmten Anteil von Menschen hat, die stark orientiert sind an Risikosuche Aber gleichzeitig eben auch variieren darin, ob sie selbst zentriert sind.
00:05:19: Also wir haben nicht nur Risikosuche sondern auch gleichzeitiges Selbstzentriertsein manipuliert und der Hintergrund dazu ist dass die psychopathische Persönlichkeit, die wir untersuchen wollten diese beiden Komponenten beinhaltet.
00:05:32: was uns interessiert hat ist, wenn diese beiden Charakteristika zusammen treffen und wenn wir das irgendwie simulieren wie sich das dann auswirken würde.
00:05:40: Wie entwickelt sich das über die Generationen hinweg?
00:05:43: Ist es eine Eigenschaft, die dann erhalten bleibt in der Bevölkerung?
00:05:47: Wie wirkt sich das aus auf die Bevölkerung, wächst die Bevölkerungen allgemein?
00:05:52: Was ein positives Outcome evolutionär sozusagen wäre oder reduziert sich die Bevölkerungs-?
00:05:58: Und dann haben wir noch quasi auch noch moduliert, wie sich dieses Verhalten von den Leuten auswirkt.
00:06:04: Es gibt es auch negative Konsequenzen davon wenn man eben sehr risikosuchend ist.
00:06:08: Also was spannend war ist das sozusagen wenn mir jetzt mal nur so dieses Verhalt an sich angucken... ...ist nicht zwingend so dass es wenn man mit mehr Menschen und diesen Eigenschaften die Risikosuche und Selbstzentriertheit in der Bevölkerung hat ohne jetzt die anderen Dinge zu manipulieren, ist es nicht unbedingt positiv.
00:06:25: Aber wenn man das mit einbaut, dass Leute dann auch häufiger selbst nicht überleben weil sie eine gefährliche Verhaltensweise auch oft beinhaltet also wenn ich Risikos suche habe ja ein höheres Risiko früher zu versterben und da hat sich schon herausgestellt gerade wenn die Ressourcen nicht endlos sind sondern verknappt sind und wenn wir gleichzeitig auch modulieren dass die Leute vielleicht auch ein höheres Risiko haben Dass es dann schon gut ist, wenn ein gewisser Anteil von Leuten dabei ist in der Bevölkerung die eben diese Anteile haben.
00:06:57: Die Risikosuchen sind weil sie dann eher nach außen gehen und wieder neue Ressourcen erwirtschaften sozusagen selbst, wenn Sie die aus Ihrer Selbstzentriertheit oft selbst behalten und nicht unbedingt teilen würden.
00:07:11: Aber es ist trotzdem besser für die allgemeinen Bevölkerungen, wenn das ein Anteil in dieser Bevölkerung ist, der tatsächlich so dieses risikosuchende Verhalten auch zeigt.
00:07:20: Ja, total spannend.
00:07:22: Und jetzt wollte ich nur noch mal nachfragen um das klarzustellen.
00:07:24: aber Risikoaffinität geht nicht zwingend einher mit dieser Selbstzentrierteid.
00:07:29: Das haben sie jetzt nicht modelliert
00:07:31: Genau!
00:07:32: Es ist vielleicht auch immer wichtig für diese Studie die in der Studie wurde es tatsächlich nur gemeinsam modellieren weil wir darauf fokussiert haben dass dieser psychopathischen Persönlichkeit so ähnlich wie möglich zu machen.
00:07:42: Also in diesem Kontext haben wir diese Ergebnisse gefunden.
00:07:46: Super, vielen Dank für die Klarstellung und für die sehr spannenden Einblicke.
00:07:49: Ich bedanke mich fürs Gespräch, Herr Professor Eisenbad.
00:07:52: Danke auch!
00:07:52: Habt mich gefreut.
00:07:54: Und von der Liebe zum Adrenalinkick kommen wir jetzt zu unserer Alltagsfrage.
00:07:58: Nämlich warum verschwindet unsere Hunger wenn wir krank sind?
00:08:04: Warum ist das
00:08:05: so?
00:08:05: Die kleine Alltag-Frage.
00:08:09: Ausgerechnet dann, wenn wir krank sind und der Körper doch eigentlich Energie braucht um wieder gesund zu werden könnte man meinen, verschwindelt bei vielen der Appetit.
00:08:17: Manche kriegen kaum einen Löffel Suppe runter.
00:08:20: Tatsächlich ist Appetitlosigkeit eine ganz typische Reaktion des Körpers auf eine Infektion, sobald das Immunsystem Krankheitserreger erkennt läuft die Abwehr auf Hochtouren.
00:08:31: Immunzellen werden aktiviert, Entzündungsbotenstoffe ausgeschüttet und geschädigtes Gewebe repariert.
00:08:38: Gleichzeitig verändert sich unser Verhalten – wir fühlen uns müde, ziehen uns zurück und haben weniger Hunger!
00:08:44: Fachleute sprechen von Sicknessbehaviour, einem evolutionär entstandenen Krankheitsprogramm des Körpers.
00:08:51: Gesteuert wird dieses Programm vom Gehirn.
00:08:53: Die Entzündungsbotenstoffe des Immunsystems senden Signale an den Hypothalamus und den Hirnstamm.
00:08:59: Dort wird das Hungergefühl herunterreguliert.
00:09:02: Eine wichtige Rolle spielt außerdem einen Eiweiß namens GDF-VII.
00:09:06: Es wird bei Krankheiten und Zellstress vermehrt gebildet und wirkt auf Nervenzellen im Hirn stammen die unter anderem Übelkeit und Appetit steuern.
00:09:14: Studien zeigen sogar, dass normale Hungersignale in dieser Situation teilweise übergangen werden.
00:09:20: Obwohl der Körper Energie braucht, sagt das Gehirn gewissermaßen – das Essen kann warten!
00:09:25: Bei Magen-Darm-Infektionen greift noch ein weiterer Mechanismus.
00:09:29: Im Darm sitzen spezielle Sinneszellen, sogenannte Tuftzellen.
00:09:33: Die erkennen Eindringlinge und lösen eine Kette von Signalen aus.
00:09:37: Dabei wird serotoninfrei gesetzt.
00:09:40: Über den Vargusnerv gelangen diese Informationen zum Gehirn und können den Appetit zusätzlich dämpfen.
00:09:46: Je stärker die Entzündungsreaktion, desto ausgeprägter fällt dieser Effekt oft aus!
00:09:51: Wenn wir weniger essen stellt der Körper außerdem seinen Stoffwechsel um – er greift verstärkt auf Fettreserven zurück und bildet sogenannte Ketonkörper.
00:09:59: Diese dienen nicht nur als alternative Energiequelle sondern können auch Entzundungsprozesse beeinflussen und Zellen vor oxidativen Stress schützen.
00:10:07: Ich bedanke mich jetzt ganz herzlich bei Karin Hasvani für die Recherche zu dieser Alltagsfrage.
00:10:12: Habt auch ihr Fragen, die ich umschreiben und die wir hier unbedingt im Podcast mal für euch beantworten sollen?
00:10:18: Dann schreibt uns!
00:10:20: Entweder ihr kommentiert hier unter der Folge oder ihr schickt uns eine Mail an wissenatwelt.de.
00:10:25: Darauf freuen wir uns immer.
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