Todeszonen in der Ostsee: Was steckt dahinter?
Shownotes
Warum sterben in der Ostsee immer wieder Fische? Die WELT-Wissenschaftsredakteurin Verena Müller erklärt, welche Rolle Algenblüten, Sauerstoffmangel und jahrzehntelange Nährstoffeinträge dabei spielen und welche Folgen das für Fischbestände, Tourismus und die Zukunft der Ostsee hat.
Außerdem geht es um die Frage: Sind zerkratzte Teflonpfannen eigentlich gesundheitsschädlich?
Zum Artikel von Verena Müller geht es hier: https://www.welt.de/wissenschaft/plus6a291b072f1d399245058a11/ostsee-todeszonen-dehnen-sich-dramatisch-aus-wie-unser-meer-ums-ueberleben-kaempft.html
Produktion: Sermet Agartan Redaktion: Fiona Wink
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00:00:00: Die Ostsee gehört für viele von uns einfach zum Sommer dazu.
00:00:03: Baden, am Strand spazieren oder auch frischen Fischessen.
00:00:07: Wir haben eben die Ferienzeit am Meer so richtig genießen.
00:00:11: doch zuletzt gab es immer wieder Schlagzeilen über tote Fische an den Stränden und über größere Eigenblüten in der Ostsee.
00:00:17: Was da dahinter steckt und wie beides zusammenhängt, das besprechen wir hier gleich.
00:00:20: Und danach geht es um eine Frage aus der Küche sind zerkratzte Teflon-Fan eigentlich gesundheitsschädlich oder ist das nur ein Mythos?
00:00:28: Ich bin Fiona Wink und heiße euch alle ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Aha.
00:00:32: legen wir direkt los!
00:00:45: Ich weiß nicht wie euch das geht aber ich hatte schon öfter beim Baden diese glitschigen Algen an den Beinen kleben Und wenn das mal ab und zu ist, auch nicht so viele Algen sind dann ist es erst mal nicht so schlimm.
00:00:55: Aber wenn das dann so richtig viele sind, dann ist das schon irgendwie eklig.
00:01:00: Immer wieder hört man im Sommer ja auch dass Seen so voll sind von diesen Algen, dass man lieber nicht mehr darin baden sollte aber das Algen ganze Bereiche eines Meeres regelrecht ersticken lassen können.
00:01:10: Das wissen wahrscheinlich die wenigsten.
00:01:12: und genau das passiert nämlich gerade in der Ostsee.
00:01:15: Und was genau da passiert und was für Folgen das auch mit sich bringt, das bespreche ich jetzt mit meiner Kollegin und Wissenschaftsredakteurin Verena Müller.
00:01:28: Hallo Verena schön dass du da bist!
00:01:29: Ja hallo schön dass ich hier sein darf.
00:01:32: Verena in der Ostsee wurden ja zuletzt immer wieder tote Fische an den Strand gespült und Du hast dazu recherchiert und auch ein Artikel geschrieben.
00:01:39: Was steckt denn dahinter?
00:01:41: Warum sterben dort plötzlich so viele Tiere?
00:01:43: Ja, das letzte größte Fisch der in der deutschen Ostsee.
00:01:46: Das fand tatsächlich im vergangenen Herbst an der Küste vor Rostock statt und man fand dort plötzlich im Sand, im Wasser, in der Brandung immer mehr tote Fische.
00:01:55: Man fand Flundern, Schollen, junge Dorsche... Und auf den ersten Blick sah es erst mal aus wie ein einzelnes Unglück.
00:02:02: also man dachte vielleicht ist irgendwas passiert irgendeine giftige Substanz ausgetreten Und später hat sich das dann herausgestellt, dass es ein Warnsignal für einen Problem war.
00:02:13: Dass sich da eigentlich in der Ostsee seit Jahrzehnten aufgebaut hat.
00:02:18: und zwar erstickt die Ostsee langsam.
00:02:21: Es breiten sich die sogenannten Todeszonen aus.
00:02:25: Also das sind Bereiche am Meeresboden, indem es inzwischen so wenig Sauerstoff gibt, dass Fische oder auch andere Meerestiere wie Krebsen, Muscheln oder Würmer einfach sterben.
00:02:38: Wind spült dann diese toten Fische an die Küste, sodass wir das wahrnehmen, was da auch die Menschen letztes Jahr in den Stränden wahrgenommen haben.
00:02:47: Diese tausenden tote
00:02:49: Fische.".
00:02:50: Du hast jetzt gerade schon die Todeszonen erwähnt, in denen ja Wiedername auch schon sagt wirklich nichts mehr ist?
00:02:56: Wie entstehen denn diese Todeszon und warum kann die Ostsee sich nicht irgendwie selbst regenerieren oder erholen wie das vielleicht auch andere Meere
00:03:02: können?".
00:03:03: Das kann man sich letztendlich vorstellen wie eine Art Kettenreaktion.
00:03:07: Also seit Jahrzehnten gelangen über die Flüsse zu viele Nährstoffe ins Meer, also vor allem Stickstoff und Phosphor, die v.a.
00:03:16: aus den Düngern von den Feldern stammen aber auch aus Abwässern in den Flüssen landen.
00:03:23: Und diese Nährstoffe wirken letztendlichen wie Dünger.
00:03:27: dadurch wachsen riesige Mengen an Algen die sich unendlich vermehren und letztendlich, wenn sie absterben dann beginnen Bakterien diese Reste zuzusetzen.
00:03:39: Und verbrauchen dabei sehr viel Sauerstoff der natürlich nicht mehr entsprechend für die anderen Meerrestiere übrig bleibt.
00:03:47: Und die Ostsee hat dabei im Vergleich zu anderen Meeren einen entscheidenden Nachteil, muss man sagen.
00:03:53: Denn sie ist wie eine Art Badewanne aufgebaut.
00:03:56: Sie hat nur ne sehr kleine Öffnung zum offenen Meer zur Nordsee so dass nur sehr wenig frisches sauerstoffreichsiges Wasser nachgespült wird und die Ostse deswegen sich sehr viel schlechter selbst reinigen kann als beispielsweise in offener Ozeanen.
00:04:12: Das Fatale ist eigentlich dabei, dass man dieses Problem diese Verschmutzung und auch die Entstehung dieser Todeszonen schon seit Jahrzehnten kennt.
00:04:21: Und man hat auch bereits versucht Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
00:04:26: also man hat Kläranlagen ausgebaut Man hat strengere Regeln für Abwassereinleitungen eingeführt.
00:04:33: Man hat auf den Feldern in der Landwirtschaft die Regeln verschärft.
00:04:37: Trotzdem hat sich die Situationen in der Ostsee nicht verbessert.
00:04:42: Trotzdem sind die Wasserwerte weiterhin sehr schlecht und auch die Todeszonen haben sich im Gegenteil noch weiter ausgedehnt.
00:04:49: Warum, woran liegt das?
00:04:51: Das haben sich Forscher und andere Behörden und Experten lange gefragt und erst vor kurzem hat man herausgefunden was denn die Ursache dafür sein könnte... Und zwar ist man darauf gestoßen, dass der Phosphor, der seit Jahrzehnten in den Flüssen gelandet ist.
00:05:07: Dass er sich am Meeresboden angesammelt hat und festgesetzt hat sozusagen.
00:05:13: Wenn jetzt diese sauerstofffreien Zonen entstehen auch immer mehr dann wird dieser Phosphore dieses Element wieder freigesetzt.
00:05:20: das heißt es mehr düngt sich eigentlich immer wieder selbst obwohl von außen nicht besonders viel oder zumindest deutlich weniger nachkommt als noch vor einigen Jahren oder Jahrzehnten.
00:05:32: Man kann sich das jetzt endlich vorstellen wie eine Art Nährstoff-Schuldenberg, der nach und nach abgebaut wird und aber immer wieder zu neuen Algenblüten beiträgt.
00:05:43: Und ja letztendlich ist es ne Art Teufelskreis aus dem sich nur sehr schwer entkommen lässt.
00:05:50: Das klingt jetzt erstmal sehr aussichtslos und auch sehr dramatisch.
00:05:54: Jetzt frage ich mich, was für Folgen das für uns auch hat.
00:05:57: Du hast ja gerade schon gesagt irgendwie einfach sehr viele tote Fische aber hängt da vielleicht noch mehr dran?
00:06:03: Ja eigentlich sogar ziemlich viel muss man sagen.
00:06:05: natürlich du hast es angesprochen erst mal die Fischbestände, Arten wie der Dorsch die sowieso seit Jahrzehnten überfischt werden leiden besonders eben jetzt auch zunehmend durch diese Todeszonen.
00:06:17: Ein Fischer erzählte mir beispielsweise, dass er immer häufiger Totefische in seinen Netzen hat die er natürlich letztendlich nicht verkaufen kann.
00:06:25: Aber eben abgesehen von diesen Fischen betrifft uns auch alle was da passiert und insbesondere diejenigen die an der Ostsee wohnen und dort Urlaub machen wollen.
00:06:38: Ja, wenn regelmäßig tote Fische am Strand landen dann schreckt es natürlich Urlauber ab.
00:06:43: Also man überlegt sich letztendlich zweimal ob man in einem Meer baden will indem genau solche Zustände herrschen und auch Studien haben gezeigt dass Großalgenblüten immer wieder dazu geführt haben das Touristen ihren Urlaub abgebrochen haben und sich auch dagegen entschieden haben nochmal an denselben Ort zurückzukehren.
00:07:04: okay das klingt jetzt wirklich so dass wir dringend etwas tun müssen.
00:07:07: Wenn wir jetzt aber nichts ändern, wie könnte dann die Ostsee in zehn Jahren aussehen?
00:07:11: Können wir da überhaupt noch Urlaub machen?
00:07:13: Ich glaube man muss zwei Dinge unterscheiden.
00:07:15: Die Ostsee wird nicht plötzlich in zehn Jahre ein totes Meer sein an dem niemand mehr Urlaub und seine Freizeit und seine Fähen verleben will.
00:07:26: Aber wenn wir jetzt nichts ändern werden diese Todeszonen weiterwachsen.
00:07:31: Fischbestände werden sich noch schlechter erholen.
00:07:33: Wie gesagt, die Algenblüten werden vermutlich häufiger und auch extremer.
00:07:37: Ereignisse wie eben dieses Fischsterben aus dem vergangenen Herbst, die werden sich häufiger wiederholen.
00:07:44: Man kann wenn wir das wollen, kann man auch was dagegen tun.
00:07:48: Das haben ja alle Forscher mit denen ich gesprochen habe versichert Denn man weiß eigentlich ziemlich genau was man tun müsste.
00:07:56: Und was wäre das?
00:07:57: Es ist so, dass für die letzten zehn Prozent bei den Erträgen, die auf den Feldern erwirtschaftet werden besonders viel Dünger notwendig ist.
00:08:06: Und wenn man beispielsweise einfach sagen würde wir sparen uns diese zehn Prozent dann wäre der Ostsee schon sehr viel geholfen und was auch... Eine positive Nachricht ist, bei der Abwasserreinigung wird sehr viel geschehen.
00:08:22: Und zwar ist es ab dem Jahr für die EU verpflichtend, dass die Kläranlagen den Phosphor aus dem Abwasser herausholen müssen und ihnen recyceln müssen weil er gleichzeitig auch eine wertvolle Ressource ist und damit auch darüber die Phospho-Belastung deutlich sinken wird.
00:08:41: Und letztlich ganz wichtig sind Die Feuchtgebiete, die entlang der Flüsse und der Küsten sich an vielen Stellen noch ziehen, die müsste man noch besser schützen.
00:08:51: Weil viele von den Nährstoffen abhalten würden, die ansonsten im Meer landen.
00:08:57: Das Schwierige ist allerdings dass selbst wenn wir heute ab jetzt genau diese Maßnahmen ergreifen dann wäre die Ostsee in nicht morgen einfach wieder gesund.
00:09:07: das machen auch alle deutlich diese Erholung sehr lange dauern wird, das Ökosystem sehr, sehr träge reagiert und ja letztendlich wir entsprechend geduld haben müssten.
00:09:19: Geduld aber auf jeden Fall auch noch ein bisschen Hoffnung in Sicht.
00:09:22: die aus See ist noch zu retten!
00:09:24: Das sind doch schöne Worte.
00:09:25: zum Abschluss vielen Dank Mirena
00:09:27: Vielen Dank dir auch.
00:09:29: Und wir machen jetzt weiter mit einer ganz anderen Frage Eine Pfanne, in der nichts anbrennt.
00:09:33: Ein Spiegelall, das quasi von alleine über die Oberfläche gleitet und danach reicht dann oft schon ein kurzer Wisch mit dem Schwamm und alles ist wieder sauber.
00:09:41: Genau deshalb sind Teflonpfannen so beliebt.
00:09:43: aber spätestens wenn die Beschichtung Kratzer bekommt, dann fragen sich viele Ist es dann gesundheitsschädlich?
00:09:48: Und das klären wir jetzt!
00:09:57: Sind zerkratzte Teflонpfannen eigentlich gesundheitschädlich oder ist das nur ein Mythos?
00:10:03: Um das zu verstehen, schauen wir kurz unter die Oberfläche.
00:10:05: Thefton ist nämlich der Handelsname für einen Kunststoff namens Polytetrafluor etulin – kurz PTFE und er gehört zur Gruppe des sogenannten PFAS oder auch Ewigkeitschemikalien genannt weil sie sich in der Umwelt eben kaum abbauen lassen.
00:10:20: Diese Anti-Haftwirkung, die entsteht weil PTFE extrem glatt ist und auch gleichzeitig wasser-und fettabweisend ist.
00:10:27: Und darum steckt es in Backform oder waffeleisen oder Sandwichmakern.
00:10:31: aber was passiert wenn diese Beschichtung beschädigt ist?
00:10:34: Forschende haben gezeigt dass sich aus beschichteten Pfannen tatsächlich winstige Kunststoffteilchen lösen können vor allem dann wenn die Oberfläche zerkratzt ist und eine Studie aus dem Jahr zwanzig hat untersucht wie viele dieser Mikro- und Nanoplastikpartikel beim ganz normalen Kochen entstehen Und sie fanden heraus, dass sich bei neuen Pfannen durchschnittlich etwa sechs bis sieben Partikel pro Mahlzeit lösen und bei älteren zerkratzten Pfannen etwa doppelt so viele.
00:10:58: Also etwa dreizehn bis vierzehnt.
00:11:01: Wenn man das hochrechnet dann können so im Laufe eines Jahres mehrere tausend pinzige Kunststoffteichen ins Essen gelangen.
00:11:07: Das klingt jetzt erstmal ziemlich alarmierend, aber das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt zum Glück Entwarnung.
00:11:13: Denn PTFE ist chemisch sehr stabil.
00:11:16: Der Körper kann die Partikel deshalb nicht so gut aufnehmen oder verdauen und scheidet sie in der Regel einfach wieder aus.
00:11:22: Kurz gesagt, zerkratztes Teflon ist nicht ideal – aber eben auch nicht automatisch sofort gefährlich!
00:11:28: Viel problematischer sind eher die hohen Temperaturen Denn wenn Teflon stark überhitzt wird, also etwa über zweitfünfzig bis dreihundertsechzig Grad.
00:11:36: Dann kann sich die Beschichtung zersetzen und dabei können dann auch gasbämmige Stoffe entstehen, die gesundheitlich sein können.
00:11:42: Das passiert vor allem dann, wenn eine leere Pfanne längere Zeit auf höchster Stufe erhitzt werden.
00:11:47: Für den Alltag heißt es jetzt ganz einfach für uns, beschichtet Pfannen möglichst nicht leer auf Höchsterstufe erhizen und zum Wenden lieber Holz- und Kunststoff oder auch Silikunbesteck verwenden.
00:11:56: Und stark beschädigte Pfannen, die kann man auch einfach mal austauschen!
00:12:00: Und wer ganz auf Bestichtung verzichten möchte, der greift am besten einfach auf Edelstahl, Guss Eisen oder Keramikpfannen zurück.
00:12:09: Das war's auch schon für
00:12:10: heute!
00:12:11: Ich bedanke mich noch ganz herzlich bei meiner Kollegin Karinas Warning, die sich die Teflon Pfanne angeschaut hat und wenn ihr noch weitere Fragen für uns habt oder auch Feedback dann schreibt uns wie immer sehr gerne in die Kommentare oder per Mail an wissenatwelt.de.
00:12:24: Wir freuen uns immer von euch zu lesen.
00:12:26: Ich bin Fiona Wink und bedank mich ganz herzlich dass ihr zugehört habt und freue mich auf nächste Woche.
00:12:30: Tschüss.
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