Das „Psychopathen-Gehirn“ – gibt es das wirklich?
Shownotes
In dieser Folge von „Aha! Zehn Minuten Alltagswissen“ geht es um die Frage, ob Menschen mit psychopathischen Eigenschaften tatsächlich anders ticken – und ob sich das im Gehirn erkennen lässt. Neurowissenschaftler haben Hinweise auf Unterschiede gefunden, etwa in der Struktur des Gehirns. Gleichzeitig zeigt die Forschung aber auch: Persönlichkeitsmerkmale wie Empathielosigkeit oder Impulsivität entstehen nicht nur biologisch, sondern im Zusammenspiel von Veranlagung, Umwelt und Erfahrungen.
Im Gespräch erklärt Dr. Pieperhoff vom Forschungszentrum Jülich, wie Psychopathie gemessen wird, was hinter den sogenannten Faktoren 1 und 2 steckt – und warum sich kein eindeutiges „Psychopathie-Zentrum“ im Gehirn ausmachen lässt.
Im zweiten Teil der Folge geht es in die Tiefsee: Warum wird es im Meer mit zunehmender Tiefe immer dunkler?
Hier findet ihr die Studie von Dr. Pieperhoff und seinem Team "Associations of brain structure with psychopathy": https://link.springer.com/article/10.1007/s00406-025-02028-6
Hier geht es zum D-Faktortest: https://www.darkfactor.org/
Und hier findet ihr die Aha-Folge zum Thema "D-Faktor: Wie sich das Böse in uns messen lässt": https://open.spotify.com/episode/3RuEcRmMxMo7Mk5Q5uJJ90
"Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen" ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.
Produktion: Sebastian Pankau Redaktion: Sophia Häglsperger
Impressum: https://www.welt.de/services/article7893735/Impressum.html https://www.welt.de/services/article157550705/Datenschutzerklaerung-WELT-DIGITAL.html
Transkript anzeigen
00:00:00: Wenn wir das Wort Psychopath hören, denken viele sofort an Serienkiller wie Ted Bundy oder fiktive Charaktere wie Hannibal Lecter.
00:00:07: Kaltblütige, manipulative und trotzdem manchmal erschrecken charismatische Mörder.
00:00:12: Tatsächlich steckt aber hinter Psychopathie kein einzelnes Merkmal sondern ein ganzes Bündel an Eigenschaften zum Beispiel fehlende Empathie, Impulsivität oder einen stark manipulatives Verhalten.
00:00:24: Ich frage mich Ticken also Psychopathen von Grund auf Anders und lässt sich das in unserem Gehirn erkennen?
00:00:30: Darüber sprechen wir in dieser Folge.
00:00:32: Und danach tauchen wir ab – im wahrsten Sinne des Wortes, denn wir klären auch warum es mehr mit zunehmender Tiefe immer dunkler wird!
00:00:39: Ich bin Sefer Hegelsberger, schön dass ihr dabei seid.
00:00:51: Lässt sich Psychopatie im Gehirner kennen?
00:00:54: Genau diese Frage gehen Forschende schon seit Jahren nach….
00:00:57: Einer von ihnen ist der Neurowissenschaftler James Fallen, von der University of California in Irvine.
00:01:02: Er hat Hirnscans von Schwerverbrechern untersucht und dabei bestimmte Auffälligkeiten entdeckt.
00:01:08: Seine Geschichte zeigt aber auch, warum die Suche nach dem Psychopathengehirn so kompliziert ist.
00:01:13: Fallen stellte nämlich fest, dass auch sein eigenes Gehirnmuster aufweist, die mit Psychöpatien Verbindung gebracht werden – und trotzdem ist er kein Verbrecher geworden!
00:01:22: Sein Fall macht also deutlich Unser Verhalten entsteht nicht allein im Gehirn, sondern aus dem Zusammenspiel von Biologie-, Umwelt- und Erfahrungen.
00:01:31: Trotzdem gibt es Hinweise darauf, dass sich bei Menschen mit ausgeplägten psychopathischen Eigenschaften bestimmte Unterschiede im Geirn zeigen können.
00:01:38: Wie genau sehen diese Unterschiede also aus?
00:01:41: Damit hat sich Dr.
00:01:42: Piperhoff beschäftigt – er forscht am Institut für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich und ist heute zu Gast bei mir!
00:01:52: Herzlich willkommen, Herr Dr.
00:01:53: Pieperhoff!
00:01:53: Schön, dass Sie heute zu
00:01:54: Gast sind.
00:01:55: Ja, guten Tag vorher.
00:01:56: Ich freue mich, mit Ihnen sprechen zu können.
00:01:58: Die Psychopathie ist ja gar nicht so leicht zu definieren.
00:02:01: da geht es nicht um ein einzelnes Merkmal sondern das ist eher eine Kombination verschiedener Eigenschaften.
00:02:06: deswegen ist in der Forschung oft von Faktor eins und Faktur zwei die Rede.
00:02:11: jetzt wissen wahrscheinlich die meisten Hörerinnen und Hörern gar nicht was damit so wirklich gemeint ist.
00:02:15: vielleicht können sie uns dazu beginnen einmal abholen was steckt hinter diesen beiden Faktoren?
00:02:20: Ja, mache ich gerne.
00:02:21: Für die Beurteilung also ob eine personenpsychopathische Eigenschaften hat wird eine Bewertungsskale benutzt, die in der Outing-Form in den neunzehntachtziger und neunzelneunziger Jahren von Robert Hale in den USA entwickelt worden ist.
00:02:32: Diese besteht auf zwanzig Merkmalen, die jeweils mit drei Stufen bewertet werden.
00:02:37: Und diese zwanzige Merkmale werden in zwei Gruppen aufgeteilt, die einerseits das zwischenmenschliche und affektive Verhalten beschreiben und andererseits eher antisoziales Verhalten und die Lebensweise.
00:02:48: Und diese Merkmale charakterisieren aber auch hauptsächlich negative Dendenzen in diesen Bereichen, sogar und zum Faktor eins beispielsweise das Fehlen von Reue, Schuldbewusstsein an eine geringe Affektivität, emotionale Kälte, Empathielosigkeit und dergleichen.
00:03:01: Und zum Fakta zwei wiederum beschreibt dann eher antisoziale Verhaltensweisen wie geringer Selbstkontrolle, frühzeitig aufgetretene Verhalten zu Problemes, Straffälligkeiten als Jugendlicher also schon wirklich eher kriminelle Merkmalle.
00:03:14: Und die auffälligen Merkmale, die lebensweise betreffen, umfassen eher so Impulsivität.
00:03:19: Das heißt impulsgesteuertes unüberlegtes Handeln oder auch Verantwortungslosigkeit oder die Tendenz anderer Leute auszunutzen.
00:03:27: Das heißt, man kann nicht sagen, dass jedes dieser Merkmale für sich alleine bereits ein Symptom für eine psychische Erkrankung ist.
00:03:34: Entscheidend ist vielmehr in welcher Stärke sie ausgeprägt sind und auch in welche Kombination sie auftreten.
00:03:39: D.h.,
00:03:40: der Psychopathie ist also eher als ein Cluster aus bestimmten Persönlichkeitzügen und sozial abweichenden oder auffälligenden Verhalten verstanden wird.
00:03:49: Alles klar!
00:03:50: Ja, durchaus komplex dieses Bild.
00:03:52: Und bevor
00:03:53: wir jetzt auf das Gehirn schauen – das haben Sie sich ja nämlich angeguckt würde mich interessieren für eine Studie.
00:03:58: Wie wird denn überhaupt festgestellt, wer diese starken psychopathischen Merkmale aufweist wie Mistmann sowas?
00:04:04: Naja also wir hatten jetzt in unserer Studie Personen untersucht die bereits straffwählig geworden waren das heißt sie teilweise auch an Herbststrafe verbüßten oder auf Bewährung in Freiheit waren und diese Personen wurden eben nach der genannten zwanzig Punkte Skala bewertet und wobei wir dann aber auch nur personen berücksichtigt hatten die dann oberhalb eines bestimmten Schwellwerks lagen.
00:04:24: Genau, das heißt sie haben sich der diagnostizierte Probanden angeguckt und das war mittels MRT Scans.
00:04:31: Sie haben dann auch Unterschiede festgestellt in der Gehirnstruktur.
00:04:35: Was waren das denn für welche im Vergleich zu der Kontrollgruppe?
00:04:39: Was haben Sie daraus gefunden.
00:04:40: Ja, also der Vergleich der psychopatischen Probanden mit den Kontrollprobanden hat zunächst einmal einen Unterschied in der Größe des gesamten Regierens gezeigt.
00:04:48: Das heißt also dass die Psychopathen kleinere Regierende hatten als die Kontroll-Probanden und diese Unterschiede schien hauptsächlich den Cortex-Regieren zu betreffen.
00:04:57: als um das Cortex bezeichnet man die äußeren Schichten des Gehirns, der also auch als graue Substanz bezeichnet wird und zwar deshalb war sich dort vor allem die Zellkörper der Neurone befinden.
00:05:07: Allerdings war es schwierig diese Unterschiede dann weiterhin noch genauer zu lokalisieren.
00:05:12: Das heißt dass sie keine genauen regionalen Foki dieser Unterschiede erkennbar waren Und eine mögliche Interpretation dieser Ergebnisse ist daher, dass bei den psychopathischen Probanden die Entwicklung des gesamten Gehirns in irgendeiner Weise beeinträchtigt war.
00:05:27: Wobei aber ... Regionalen Auswirkungen dieser Entwicklung von Person zu Person sehr unterschiedlich sein konnten, woraus sich also sehr unterschiedliche Muster ergeben könnten.
00:05:36: Und gemeinsam ist aber eben dass dies möglicherweise die Grundlage für die bereits erwähnten Cluster an unterschiedlichen Verhaltensauffälligkeiten sein könnte.
00:05:45: Das heißt der Cortex insgesamt kleiner?
00:05:48: Aber
00:05:49: es waren so unterschiedliche Musste zu erkennen, unterschiedliche Veränderung das man jetzt nicht Ich sag mal, eine Region sprechen kann in der Psychopathie vor allem sichtbar ist.
00:05:57: Habe ich das so richtig verstanden?
00:05:59: Genau so!
00:06:00: Also das ist an dieser Stelle auch ein Unterschied zum Beispiel zu neurologischen Erkrankungen bei denen man häufig da bestimmte lokalen Lesionen zu ganz spezifischen Ausfällen führen.
00:06:10: Gibt es trotzdem Theorien dazu wann sich diese Unterschiede im Gehirn ausprägen?
00:06:15: Also über die zeitliche Entstehung, das ist schwierig zu untersuchen.
00:06:20: Man kann dazu sagen dass psychopatische Merkmale bereits auch bei Kindern und Jugendlichen festgestellt werden können.
00:06:28: aber man kann insofern davon ausgehen dass diese Entwicklung also auf Beinrichtungen eines psychopathischen Verhaltens dementsprechend auch frühzeitig einsetzen.
00:06:35: Das heißt also auch die entsprechenden Veränderungen im Gehirn.
00:06:39: Aber wie gesagt, das auch zu untersuchen ist natürlich sehr schwierig.
00:06:42: Schon allein die Rekrutierung der entsprechenden Probanden, die dafür benötigt würden?
00:06:46: Absolut!
00:06:47: Das kann ich mir vorstellen.
00:06:48: Eine Sache, die mir auch noch wichtig wäre zu besprechen... Man kann natürlich aus Gehirnbildern etwas ablesen.
00:06:55: Trotzdem ist es ja nochmal was anderes, ob ein psychopathisches Verhalten dann auf wirklich Auftritt oder eben auch auf problematische Autonweise auftritt.
00:07:03: Wir würden Sie das bewerten.
00:07:04: Wo liegen denn da auch die Grenzen solcher Erkenntnisse?
00:07:07: Wie sich das in dem Einzelfall äußert, ist sicherlich auch eine sehr schwierige Frage die von sehr vielen Faktoren einfach abhängt.
00:07:13: Und das wird nach wie vor noch sehr intensiv erforscht also ob das wirklich allein eine neurobioloische Grundlage hat oder im Übertest eben auch Wechselwirkung mit der Umbierung betrifft.
00:07:24: Was in der Forschung schon gesagt wird, ist das bei Kindern und Jugendlichen wenn dort psychopathische Züge erkennbar wären dass man die noch behandeln kann oder man kann dort noch Einfluss nehmen.
00:07:36: Insofern konnte man davon ausgehen, dass eine günstiges Umfeld für Personen die diese Veranlagungen vielleicht haben durchaus sich noch von außen korrigieren lässt bzw.
00:07:47: umgekehrt natürlich unter ungünstigen Bedingungen sei es das Elternhaus das weitere Umfeld untergleichen Wenn so etwas fehlt, dass dann natürlich auch die Prognose dementsprechend schwierig wird.
00:07:57: Ja, spannend!
00:07:58: Dann bedanke ich mich recht herzlich für das Gespräch Herr Dr.
00:08:01: Pieperhoff.
00:08:01: Ich danke auch Ihnen für Ihr Interesse und vor allem auch Ihren Hören.
00:08:04: Super!
00:08:05: Übrigens
00:08:06: falls ihr selbst mal testen wollt wie ausgeprägt eure dunkle
00:08:09: Seite ist...
00:08:10: ...dann könnt ihr den sogenannten D-Faktor testen also der Dark Factor der Persönlichkeit.
00:08:14: Den Test verlinke ich euch in den Show-Notes.
00:08:17: Dort findet ihr auch noch eine Folge meiner Kollegin, sie hat mit einem Experten gesprochen der zu genau solchen dunklen Persönlichkeitsmerkmalen forscht.
00:08:24: und vom Dark Factor kommen wir zur dunklen Tiefsee und der Frage warum es dort eben
00:08:28: dunkel ist?
00:08:36: Wer schon mal im Meer geschnorkelt oder getaucht ist er kennt das.
00:08:39: oben an der Oberfläche ist alles noch hell und klar aber je tiefer man kommt desto dunkler wird es.
00:08:45: Aber warum ist das eigentlich so?
00:08:47: Die Licht ist elektromagnetische Strahlung.
00:08:50: Es breitet sich wellenförmig aus und unsere Augen können rotes, oranges, gelbes, grünes, blaues- und violettes Licht wahrnehmen.
00:08:59: Die Farben haben unterschiedliche Wellenlängen.
00:09:01: Blaues Licht ist kurzwellig, rotes Licht langwellig und Sonnenlicht besteht aus allen Farben – deswegen erscheint es weiß!
00:09:08: Wenn Sonnenleicht ins Wasser eindringt, passiert folgendes Die verschiedenen Farben werden unterschiedlich stark vom Wasser geschluckt.
00:09:15: Langwelliges Licht, also z.B.
00:09:17: Rotes
00:09:17: und Oranges Licht wird zuerst vom Wasser verschluckt und verschwindet deshalb schon in geringer Tiefe.
00:09:23: Kurzwelliges blaues und blau-grünes Licht wird nicht so stark absorbiert und kann deshalb tiefer ins Meer eindringen.
00:09:30: Das blaue Licht wird im Wasser gestreut – das heißt es trifft auf kleine Teilchen wie die Wassermoleküle selbst, Plankton oder Schwebstoffe – und wird dadurch abgelenkt!
00:09:40: Durch die Absorption des roten Orangen und gelben Lichts, und die Streuung des blauen Lichtes erscheint das Wasser Blau.
00:09:46: Je tiefer man jetzt taucht, desto mehr Farben verschwinden.
00:09:49: Das Licht wird immer blauer – und gleichzeitig immer schwächer… bis schließlich gar kein Sonnenlicht mehr ankommt!
00:09:56: In etwa ein Tausend Metern Tiefe ist es komplett dunkel.
00:09:59: Naja fast... denn auch dort unten gibt's Licht?
00:10:02: Allerdings kommt das nicht von der Sonne, sondern von den Lebewesen selbst.
00:10:06: Viele Tiefsee-Tiere können nämlich durch chemische Reaktionen Licht erzeugen.
00:10:10: Das nennt man Biolumines Zens!
00:10:13: Sie nutzen dieses Licht zum Beispiel zur Partnersuche oder um Beute anzulocken – ein bekanntes Beispiel ist der Anglerfisch, der trägt eine kleine leuchtende Angel vor seinem Mund und lockt damit andere Tiere an.
00:10:23: Ich hoffe ihr konntet wieder viel Neues für euch mitnehmen und seid auch beim nächsten Mal wieder dabei.
00:10:28: Danke an meinen Kollegen Leon Zens für die Tiefseerecherche und Euch danke fürs zuhören.
00:10:34: Ich bin Sophia Hegelberger, bleibt neugierig und bis bald.
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