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Streiten lernen: So werden Konflikte konstruktiv

Shownotes

Kann zu wenig Streit schaden? Der Paartherapeut und Autor Eric Hegmann erklärt, warum Konflikte wichtig sind, woran man erkennt, dass ein Streit gerade eskaliert und weshalb Harmonie nicht immer ein Zeichen für gesunde zwischenmenschliche Beziehungen ist.

Mehr über Konflikte und die Dynamiken in Paarbeziehungen erfahrt ihr in Eric Hegmanns Buch.

Außerdem geht es um die Frage, warum Sekt tatsächlich schneller betrunken macht als Wein.

Produktion: Sebastian Pankau Redaktion: Fiona Wink

"Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen" ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.

Impressum: https://www.welt.de/services/article7893735/Impressum.html https://www.welt.de/services/article157550705/Datenschutzerklaerung-WELT-DIGITAL.html

Transkript anzeigen

00:00:00: Streit gehört zum Leben einfach dazu.

00:00:02: Das merken wir schon als Kinder und das hört auch im Erwachsenenalter nicht auf, und trotzdem versuchen viele Menschen Konflikte möglichst zu vermeiden – schließlich gilt ja Harmonie oft als das Ideal für gute und erfolgreiche Beziehungen!

00:00:14: Aber stimmt das überhaupt?

00:00:16: Oder kann es vielleicht sogar schaden wenn man Konflikten immer aus dem Weg geht?

00:00:20: Genau darüber sprechen wir heute….

00:00:21: Und danach geht es um eine Frage die ihr euch vielleicht schon mal abends in einer Bar oder auf einer Feier gestellt habt... Warum macht Sekt eigentlich schneller betrunken als

00:00:29: Wein?!

00:00:30: Ich bin Fiona Wink.

00:00:31: Herzlich willkommen bei Aha und schön, dass ihr wieder dabei seid!

00:00:43: Streit gehört offenbar zu den Dingen durch die wir alle müssen – ob wir es wollen oder nicht?

00:00:48: In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Jukov gaben nämlich nur drei Prozent der Menschen in festen Beziehungen an, nie mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin zu streiten.

00:00:57: Rund ein Drittel streitet sogar mindestens einmal pro Woche Und besonders häufig geht's dabei dann wohl um Geld, um Kommunikation oder den Haushalt und fast jede zweite Person hat das Gefühl immer wieder dieselben Konflikte auszutragen.

00:01:10: Aber Streit gibt es natürlich nicht nur in Partnerschaften sondern eben auch in Familien- oder in Freundschaften oder vielleicht auch am Arbeitsplatz.

00:01:17: aber bedeutet viel Streit automatisch dass etwas schlecht läuft?

00:01:20: Oder kann ein Konflikt sogar etwas Gutes sein?

00:01:23: Darüber spreche ich jetzt mit dem Parttherapeuten und Autor Erik Hekmann.

00:01:30: Hallo Herr Hickmann, schön dass Sie da sind.

00:01:32: Danke

00:01:32: für die Einladung!

00:01:33: Ich grüße Sie.

00:01:34: Herr HICKMAN viele Menschen empfinden Streit ja als etwas sehr Negatives?

00:01:38: Sie sagen aber es gehört dazu sich auch mal zu streiten warum?

00:01:41: Nun da würde ich gerne differenzieren.

00:01:43: der Konflikt ist wichtig Und es ist wichtig, über den Konflikt zu sprechen und sich mit dem zu beschäftigen.

00:01:49: Der Streit ist nach meiner Definition der Eskalierte-Konflikt.

00:01:54: Und dass wir den nicht mögen und versuchen denen zu vermeiden – das kann ich nachvollziehen!

00:01:59: Aber es geht mir darum eigentlich zu sagen….

00:02:02: Den Konflikten sollten wir besprechen.

00:02:05: Das ist wichtig denn das ist unser Entwicklungsraum persönlich und als Paar.

00:02:09: Also zu wenig... Konflikte besprechen ist sicherlich nachvollziehbar, weil viele Menschen mögen das einfach gar nicht.

00:02:17: Also es gibt Menschen die finden das großartig.

00:02:19: also Hurra ein Problem nichts wie drauf und dann lasst uns daran und andere... Das hat auch was mit Kulturengreisen zu tun natürlich und den Prägungen, die wir so aus dem Elternhaus haben sagen oh nee Streit um das ist schlimm!

00:02:30: Dann trennt man sich gleich und versuchen das zu vermeiden.

00:02:33: Wenn ich versuche Konflikte zu vermeiden, dann werde ich wahrscheinlich scheitern.

00:02:38: Denn wir haben immer Konflichte!

00:02:40: Du machst es nicht so wie ich es machen würde?

00:02:42: Du machst das nicht so, wie ich's mir wünsche?

00:02:46: Und umgekehrt natürlich genauso und ich muss mich damit auseinandersetzen.

00:02:49: diese Andersartigkeit meiner Partnerinnen meines Partners ist Teil der Beziehungsdynamik.

00:02:54: Und wenn ich jetzt bei der Strategie bleibe, ich passe mich nur an oder ich nehme mich nur zurück damit es ja nicht zu einem Konflikt kommt, der eskaliert.

00:03:04: Dann sabotiere ich meine persönliche Entwicklung, deine Entwicklung und die Entwicklung von uns als Paar und werde dann irgendwann mal vielleicht auf der Couch eines Partherapeuten einer Partherapeutin sitzen und sagen Ja wir lieben uns aber irgendwie fühlen wie eine Wohngemeinschaft weil da ist dann etwas weggegangen statt etwas Neues dazuzukommen.

00:03:28: Wenn man dann aber doch mal streitet, also quasi diese Konflikte nicht vermeidet, kann das Beziehungen ja auch sehr belasten.

00:03:37: Woran erkennt man denn ein Konflikt der vielleicht konstruktiv ist und einen Streit der wirklich die Beziehung belastet und langfristig schadet?

00:03:45: Vermutlich erkennen wir das daran, wie unser Nervensystem auf den Streit im Nachhinein oder wer und dessen reagiert.

00:03:52: Also schon auch wenn ich mich dran erinnere fahre ich nochmal hoch bin ich wirklich gestresst?

00:03:57: Oder kann nicht dass ich sagen mal in

00:03:59: Ruhe

00:04:00: reguliert noch einmal betrachten und mich dann auch mit dir auseinandersetzen und sagen okay ich sehe du machst es anders.

00:04:08: damit bin ich nicht einverstanden.

00:04:10: Ich würde aber interessieren warum machst Du's so?

00:04:14: Ich würde es gerne verstehen.

00:04:16: Und wenn ich in der Lage bin, hier zu differenzieren zwischen du verstehst mich nicht und du bist nicht einverstanden dann habe ich eine ganze Menge gewonnen und ich glaube das sind die konstruktiven Gespräche.

00:04:27: an denen kann ich aufsetzen und ja und weitermachen.

00:04:32: Sie haben mir jetzt auch schon mehrfach gesagt dass ist wirklich einen Unterschied gibt zwischen Streit und einem Konflikt.

00:04:37: also ein Streit ist quasi das was dann eskaliert.

00:04:40: Würden Sie denn sagen, es gibt ganz bestimmte Sätze oder Verhaltensweisen bei denen man dann aufpassen sollte?

00:04:46: Bei den die Alarmglocken vielleicht läuten und man sagt okay Achtung ab jetzt wird das gerade einen Streit.

00:04:50: Und jetzt wird's grade ungesund!

00:04:52: Ich würde da so noch ein Stück weiter vorher anfangen.

00:04:55: wenn ich feststelle dass mein Nervensystem seine Schutzstrategien auf Autopilot ausspielt und ich wirklich nur noch reaktiv bin darauf reagiere was du tust und das selbst nicht unter Kontrolle habe Dann ist etwas passiert bereits, nämlich mein Nervensystem erlebt dich als Bedrohung.

00:05:16: Und hier sollten wir jetzt dann spätestens gegensteuern!

00:05:20: Weil das wird nur schlimmer und nicht besser wenn ich mich anfange tatsächlich einen Veränderungsprozess einzuleiten wo wir uns wieder annähern und auch beide erleben Wir können ganz anders und wir können ein großartiges Team sein obwohl wir unterschiedlich sind Wenn das Nervensystem hochfährt, dann fange ich an mit Abwerten.

00:05:41: Dann beginne ich Verteidigungsstrategien, dann lüge ich vielleicht auch und am Ende sind es Schutzstrategie die ich meistens nicht steuere sondern in diesem Moment wirklich von alleine passieren.

00:05:54: Warum?

00:05:54: Weil sich mein Nervenystem gemerkt hat wenn ich das mache, dann habe ich erstmal kurze Ruhe.

00:05:59: also wenn wir uns abwerten und Tierenamen geben und dann einer aus dem Raum stürzt Das ist nicht schön.

00:06:05: Mein Nervensystem sagt aber, oh das war ein erfolgreicher Schlacht!

00:06:09: Ich bin jetzt nicht mehr bedroht.

00:06:10: D.h.,

00:06:11: ich werde höchstwahrscheinlich in einer weiteren Stresssituation wieder so eine Stressreaktion zeigen.

00:06:18: Nicht weil ich bösartig bin, nicht weil ich mir das vornehme sondern weil mein Nervenystem sich gemerkt hat.

00:06:23: Oh, das hat funktioniert.

00:06:25: und dagegen sozusagen zu steuern, dass es möglich, da sie die gute Nachricht, die nicht ganz so gut ist... Leider auch sehr anstrengend und mit viel Arbeit.

00:06:35: Und mit vielen, ich nenne das Experimenten verbunden die Paare dann ja machen sollten um wieder andere Ergebnisse zu erleben.

00:06:44: Was kann man denn ganz konkret tun?

00:06:46: Also wenn es in dem Moment so weit ist und man sich vielleicht beschimpft beleidigt und unfair wird was soll man dann ganz konkret machen?

00:06:52: In der Stelle können sie nur eines machen nämlich eine Pause.

00:06:55: Es gibt nichts anderes was Sie tun können.

00:06:58: Es gilt dann herauszufinden, wie können wir diese Pause kommunizieren?

00:07:02: Weil wenn das sich jetzt anfühlt, wie du flüchtest vor mir.

00:07:07: Dann werde ich möglicherweise eher nochmal nachlegen und versuchen dich zu halten was natürlich komplett meinen Wunsch nach Verbindung sapottieren wird, denn du wirst dich noch mehr zurückziehen.

00:07:17: Und umgekehrt ist natürlich auch ein Rückzug!

00:07:20: Ich gehe jetzt dann raus ohne mich zu erklären – auch nur eine Sapotage, weil was provoziere ich?

00:07:25: Ich provozier' natürlich die Reaktion, dass Du dann hinterherkommen

00:07:29: wirst.".

00:07:29: Also wir dürfen uns überlegen, was wollen wir anders

00:07:32: ausprobieren?!

00:07:33: Wir wären wir lieber Und das ist das, worum es geht herauszufinden.

00:07:38: Wie könnte ich die bessere Partnerin der besseren Partner in so einer Stresssituation eigentlich sein?

00:07:43: Dann erlebe ich Beziehung als Wachstumsraum und ja, der passiert durch Konflikte.

00:07:50: Der passiert dadurch, dass ich mal unangenehme Situationen erlebe und sie halten lerne um dann was anderes zu machen, als ich da sonst gemacht habe.

00:08:01: Und wenn ich unangenehm sage, ist ganz wichtig zu sagen es gibt eine Unterscheidung zwischen Unangenehmen.

00:08:07: Das ist Wachstumsraum und schmerzhaft dass es etwas wofür sich zu schützen gilt und möglicherweise auch Konsequenzen benötigt um mich schützen zu können.

00:08:18: Jetzt zum Schluss vielleicht noch ne Frage Was ist denn Ihrer Meinung nach der wichtigste Grundsatz, den jeder und jeder kennen sollte um besser und konstruktiv zu streiten?

00:08:28: Es hat man ja nicht nur in Beziehungen sondern manchmal auch mit Freundschaften.

00:08:30: Wie kann man denn richtig gut konstruktif

00:08:32: streiten?".

00:08:33: Die Frage

00:08:34: sich selbst zu stellen wie würde ich denn gerne selbst streiten wenn es mir möglich wäre das zu tun?

00:08:44: Und dann darf ich mir danach überlegen und wie komme ich da hin Und welche Hindernisse erwarten mich und was könnte ich mir einfallen lassen um diese Hindernis zu überwinden.

00:08:54: Damit habe ich die Kontrolle, mache es nicht von dir abhängig wie ich reagiere.

00:08:59: also ich lerne meine Reaktivität zu kontrollieren und das gibt mir natürlich ja auch das Gefühl Ich kann etwas bewirken, ich kann selbst etwas verändern und ich warte nicht darauf dass du etwas veränderst damit es mir besser geht.

00:09:15: Denn das ist eine sehr hilflose Position!

00:09:17: Ich bedanke mich ganz ganz herzlich für das Gespräch Herr Hekmann, das war sehr spannend!

00:09:20: Sehr gerne vielen Dank!

00:09:22: Und wenn der nächste Konflikt dann hoffentlich etwas konstruktiver verläuft kommen wir jetzt zu einer Frage die vielleicht eher etwas mit feiern als mit streiten zu tun hat.

00:09:29: Viele Menschen haben ja das Gefühl, dass sie von Sekt deutlich schneller beschwitzt werden als von Wein.

00:09:34: Obwohl ja in Beidem eigentlich Alkohol steckt – aber stimmt das überhaupt?

00:09:38: Und wenn ja, woran liegt

00:09:39: das?!

00:09:47: Sekt trinken im Dienst der Wissenschaft klingt gut oder?

00:09:50: Genau das sollten die Teilnehmenden einer Studie tun, in der untersucht wurde ob alkoholische Getränke mit Kohlensäure schneller betrunken machen als ohne Kohlenzäure.

00:09:59: und die Teilnehmerinnen, die sollten dafür Champagner trinken!

00:10:02: Eine Gruppe bekam frisch geöffneten Champagner und die andere geschüttelten und gerührten, der dann also keine Kohlensäure mehr hatte.

00:10:08: Und beide Gruppen bekamen so viel Champagner, dass die Teilnehmenden Null, sechs Gramm Alkohol je Kilogramm Körpergewicht tranken mit dem einzigen Unterschied das die einen eben mit und die anderen ohne Kohlsäure tranken.

00:10:20: Das Ergebnis war eindeutig!

00:10:22: Nach zwei Gläsern von den frischgeöffneten Schaumbeinen hatten nämlich die Teilnehmern denn Null Komma fünf vier Promille Alkuhl im Blut.

00:10:30: Das wäre zum Beispiel schon zu viel fürs Autofahren.

00:10:32: und die andere Gruppe, die den Schalenchampagner bekam – also den ohne Kohlensäure.

00:10:37: Die hatte nach den zwei Gläsern erst ... Kohlensaure macht tatsächlich schneller Betrunken!

00:10:44: Aber wieso?

00:10:45: Das liegt daran dass Kohlenseure die Durchblutung der Schleimhäute anregt... Und zwar im Mund, im Magen und auch im Dünndamen.

00:10:52: Eine bessere Durchblutung heißt aber auch, dass Alkohol schneller aufgenommen wird und auch in den Blutkreislauf kommt!

00:10:57: Und damit zurück zur Ausgangsfrage – wer nach einem Glas Sekt schneller etwas merkt als nach einem Glass Wein?

00:11:03: Der bildet sich das nicht nur ein….

00:11:04: die Kursüre kann nämlich tatsächlich dafür sorgen, dass der Alkohl schneller ins Blut gelangt... Und noch ein Fun-Fact fürs nächste Anstoßen.

00:11:11: Ich hab ja immer etwas Angst vorm Korken knallen.

00:11:13: und jetzt weiß ich auch zu Recht, denn der Korker schießt mit etwa seventy Kilometern pro Stunde aus der Flasche!

00:11:19: Das haben Forschende der TU Wien berechnet – also Augen auf und Prost!

00:11:24: Das war's für heute.

00:11:25: Vielen Dank an dieser Stelle noch an meinen Kollegen Leon Zens, der sich die Frage zur Kohlensäure im Alkohol näher angeschaut hat und ich freue mich wie immer sehr über Feedback.

00:11:33: also schreibt eure Gedanken gerne in die Kommentare!

00:11:36: Und wenn euch der Podcast gefällt dann empfiehlt ihn doch auch gerne euren Freundinnen und Freunden weiter.

00:11:41: Ich bin Fiona Wink.

00:11:42: machts gut und bis nächste Woche.

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