Warum Routinen unser Verhalten stärker steuern als Entscheidungen
Shownotes
Kaffee kochen, Handy checken, immer denselben Weg nehmen: Viele alltägliche Handlungen laufen automatisch ab. Tatsächlich steuern uns unsere Routinen mehr als unsere Entscheidungen. Der Verhaltensforscher Prof. Bas Verplanken von der University of Bath erklärt in dieser Folge von "Aha! Zehn Minuten Alltagswissen", warum Gewohnheiten so mächtig sind, weshalb gute Vorsätze oft scheitern – und wie sich alte Muster trotzdem verändern lassen.
Im zweiten Teil des Podcasts klären wir, warum wir schrumpelige Finger bekommen, wenn wir zum Beispiel zu lange in der Badewanne sitzen.
Hinweis: Die Originalstimme wurden für diese Folge ins Deutsche übersetzt und mithilfe von einer KI-Stimme nachvertont.
"Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen" ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.
Produktion: Serdar Deniz Redaktion: Sophia Häglsperger
Impressum: https://www.welt.de/services/article7893735/Impressum.html https://www.welt.de/services/article157550705/Datenschutzerklaerung-WELT-DIGITAL.html
Transkript anzeigen
00:00:00: Habt ihr feste Routinen, ich zum Beispiel marschiere immer direkt vom Bett zu meiner Kaffeemaschine.
00:00:05: Das ist das erste was ich mache ohne jemals aktiv darüber nachzudenken!
00:00:09: Und so ist es wohl mit vielem was unser tägliches Verhalten ausmacht.
00:00:13: In dieser Discherche habe ich gelernt unsere Routienen steuern uns mehr als unsere Entscheidungen.
00:00:19: Gewohnheiten prägen unser Verhalten massiv.
00:00:22: Warum unser Gehirn Routinen liebt und wie wir eventuell Unliebegewohnheiten loswerden können, darum geht es jetzt gleich hier bei Aha.
00:00:30: Danach ist das Thema schrumpelige Finger!
00:00:33: Das passiert gerne mal wenn wir zu lange in der Badewanne sitzen oder schwimmen – aber was steckt da eigentlich dahinter?
00:00:39: Ich bin Sophia Hegesberger, starten wir rein.
00:00:42: Aha!
00:00:44: Zehn Minuten
00:00:45: Alltagswissen
00:00:47: Ein Podcast von Welt.
00:00:52: Warum scheitern gute Vorsätze oft schon im Januar?
00:00:56: Weil wir unsere Willenskraft überschätzen, sagt der Verhaltensforscher Bas für Planken.
00:01:01: Ein großer Teil unseres Alltags läuft nämlich nicht über bewusste Entscheidungen sondern über Gewohnheiten.
00:01:07: Kaffee trinken zum Handy greifen Schokolade essen immer denselben Weg nehmen.
00:01:13: Aber wie entstehen diese Routinen?
00:01:16: Spoiler!
00:01:17: Wenn wir das verstehen gibt es auch einen Trick um aus ihnen auszubrechen.
00:01:21: Deshalb schauen wir uns das jetzt einmal genauer zusammen mit Professor Baas für Planken von der University of Bath an.
00:01:28: Mental Habits, also mentale Routinen sind einer seiner Forschungsschwerpunkte – Das Gespräch haben wir auf Englisch geführt.
00:01:37: My guest today is Baas for Planken.
00:01:39: Hello, Sophie!
00:01:42: I'm very happy to be here.
00:01:45: Baas, überschätzen wir unsere Willenskraft?
00:01:48: Ich frage dich das, weil ich gerne wissen würde wie viel unser des täglichen Verhaltens tatsächlich das Ergebnis aktiver Entscheidungsfindung ist und wieviel einfach im Autopilot abläuft.
00:02:00: Wir überschätzen unsere Willenskraft massiv Und das sieht man zum Beispiel dann wenn Menschen Neujahrs Vorsätze machen.
00:02:07: Wenn es um Dinge geht die wir regelmäßig tun, unsere Gewohnheiten Dann gehen die meisten Neujahs-Vorsätze schon sehr früh in Januar den Bach
00:02:16: runter
00:02:17: Und der Grund dafür ist, wir überschätzen wie sehr wir alles unter Kontrolle haben.
00:02:23: Wir unterschätzen aber, wie sehr der Kontext in dem wir normalerweise unsere Gewohnheiten ausführen reguliert was wir tun.
00:02:32: Wir Unterschätzen also die Kraft von Kontextreizen – wie wir das nennen.
00:02:38: Also wie hoch ist der Anteil aktiver Entscheidungen?
00:02:41: Was würdest du sagen?
00:02:42: oder andersrum wie viel ist Gewohnheit?
00:02:46: Das
00:02:46: ist sehr schwer zu sagen.
00:02:48: Ich meine, es gab Studien die versucht haben das genauer festzulegen und sie kommen auf ungefähr die Hälfte der Zeit.
00:02:55: Das bedeutet übrigens nicht dass wir in der anderen Hälfe absichtlich nachdenken und bewusste Entscheidungen treffen.
00:03:02: Das tun wir nämlich gar nicht
00:03:04: so oft!
00:03:05: Wir denken nicht gern nach.
00:03:07: Unser Gehirn ist in dieser Hinsicht eigentlich ziemlich gemein.
00:03:11: Wir benutzen es nur, wenn wir es wirklich brauchen.
00:03:14: Manche Menschen denken gern nach – aber die meisten
00:03:17: nicht.
00:03:20: Ja und das ist gerade gesagt?
00:03:21: Wir denken nicht gerne nach!
00:03:23: Was steckt
00:03:24: dahinter?!
00:03:24: Warum verlassen wir uns im Alltag so stark auf Gewohnheiten?
00:03:29: Nun, man kann das aus einer evolutionären Perspektive betrachten.
00:03:33: Wir haben die Fähigkeit entwickelt zu denken und bewusste Entscheidungen zu treffen um mit neuen Situationen umzugehen Um Lösungen zu finden wenn das nötig ist Und das macht uns sehr menschlich.
00:03:46: Routinen hingegen beschäftigen sich mit Regelmäßigkeit Mit Dingen, Situationen Die häufig auftreten bei denen wir einmal eine optimale Entscheidung getroffen haben, die funktioniert hat und das spart uns tatsächlich sehr viel Energie.
00:04:02: Gewohnheiten sind also Energiesparmechanismen.
00:04:05: Wenn du zum Beispiel zur Arbeit fährst, wäre es tatsächlich ziemlich störend jedes Mal ständig darüber nachdenken zu müssen wo soll ich langfahren?
00:04:14: Welchen Weg soll ich nehmen?
00:04:16: Soll ich an der roten Ampel anhalten?
00:04:19: Das ist natürlich nicht machbar Und unsere Gewohnheiten machen es uns einfach und reibungslos, und wir können diese Energie für andere Dinge nutzen.
00:04:28: Wir
00:04:29: kann darüber nachdenken was wir tun wenn wir bei der Arbeit ankommen.
00:04:33: Wir können darüber nach denken was wir abends machen!
00:04:36: Wir können über den Sinn des Lebens nachdenkten – und genau das sind die Vorteile unserer Gewohnheit.
00:04:45: Genau, es gibt uns Raum für Kreativität oder andere Aufgaben.
00:04:49: Das ist eigentlich eine schöne Art darüber nachzudenken.
00:04:52: Was passiert denn im Gehirn wenn wir Dinge wiederholt tun?
00:04:55: Wie entsteht eine Gewohnheit?
00:05:00: Dafür muss man sich das Gedächtnissystem ansehen.
00:05:04: Das Gehirn erlebt Regelmäßigkeit und daraus entsteht eine Gedächnesspur dieser Situation und der Reize, die bestimmte Reaktionen auslösen.
00:05:14: Und das wird durch die Erfahrung von Belohnung verstärkt – also die Erfahrung, dass was ich tue funktioniert oder es fühlt sich gut an, was ich tuu.
00:05:24: Und dadurch entsteht Wenn du wieder in diese Situation kommst, wird diese Gedächtnisspur aktiviert und damit auch die Reaktion.
00:05:34: Die ebenfalls Teil dieser Gedächnisspur ist.
00:05:37: Dadurch wird es wahrscheinlicher dass die Reakktion erneut auftritt.
00:05:42: Das ist nicht schwarz oder weiß.
00:05:44: man kann eingreifen Man kann seine Gewohnheiten überschreiben aber dafür muss man Aufwand betreiben Und man muss seine Willenskraft einsetzen.
00:05:55: Du hast gesagt, es gibt Reize.
00:05:57: Also die Umgebung, die dazu führt dass wir diese wiederholten Handlungen ausführen und außerdem Belohnungen.
00:06:03: werden diese beiden Dinge dann also Ansatzpunkte wenn man seine Gewohnheiten verändern möchte?
00:06:08: Yes
00:06:09: Also das erste, was man tun muss ist die Situation zu analysieren in der Gewohnheiten auftreten und die Reize zu definieren oder zu identifizieren, die deine Gewohnheit auslösen.
00:06:22: Das ist ein sehr wichtiger erster Schritt.
00:06:25: Und natürlich gibt es einen Element der Belohnung.
00:06:28: Das bedeutet nicht dass man sich jedes mal großartig fühlt wenn man eine Gewohnkeit ausführt aber die Belohnungen kann zum Beispiel auch effizient sein.
00:06:37: Die Belohnen kann sein dass Dinge so funktionieren, wie du es beabsichtigt hast.
00:06:43: Die Belohnung ist besonders am Anfang wichtig wenn Gewohnheiten entstehen und das ist der Grund warum du dich für eine bestimmte Handlungsweise entscheidest weil sie für dich funktioniert.
00:06:54: Das bedeutet nicht, dass sie gesund oder moralisch gut ist aber sie funktioniert.
00:07:00: Vielleicht
00:07:02: schauen wir uns noch ein konkretes Beispiel an.
00:07:05: Wie würde ich denn anfangen, meinen Verhalten zu ändern?
00:07:07: Wenn ich zum Beispiel die schlechte Angewohnheit habe.
00:07:10: Keine Ahnung immer Schokolade zu essen nachdem ich mein Kaffee getrunken habe.
00:07:18: Ein interessanter Weg das zu tun ist das was man Implementation Intentions nennt also Umsetzungsabsichten.
00:07:27: diese Umsetzung Absichten legen sehr genau fest wo wann und was du
00:07:33: tust.
00:07:34: In deinem Fall würde der Kaffee eine Reaktion auslösen, jetzt eine Schokolade.
00:07:41: Und dann kannst du dich fragen, gibt es dafür eine vernünftige Alternative?
00:07:45: Kann ich dafür einen Ersatz finden?
00:07:48: Wenn das der Fall ist, dann kannst Du diese Absicht formulieren und versuchen sie zu wiederholen!
00:07:55: In deinem Fall ist das schwierig, weil Schokolade auf eine bestimmte physische Weise belohnend ist.
00:08:01: Es ist schwierig, dass durch etwas anderes zu ersetzen – aber genau das musst du tun!
00:08:08: Sehr oft hilft es wenn es eine Unterbrechung gibt, wenn Gewohnheiten gestört werden.
00:08:13: Du hast keine Schokoladen im Haus oder schlimmer noch?
00:08:17: Vielleicht wirst du krank oder der Arzt sagt dir Nun, Sophia tut mir leid.
00:08:23: Schokolade geht ab jetzt nicht mehr weil sie gefährlich für dich ist.
00:08:27: Es gibt also Diskontinuitäten Unterbrechungen die Dich tatsächlich daran hindern deine Gewohnheit auszuführen und das sind sehr interessante Möglichkeiten Für Veränderung.
00:08:40: Wenn Menschen zum Beispiel umziehen, dann bringt das alle möglichen neuen Dinge mit sich die man herausfinden muss.
00:08:46: Wie man Dinge macht, wohin man geht wie man bestimmte Probleme löst und dass ist eine sehr gute Gelegenheit auch seine Gewohnheiten zu verändern.
00:08:57: Wir haben dazu Studien gemacht und das ist absolut der Fall.
00:09:04: Das ist ein schönes Beispiel.
00:09:06: Ich musste gerade auch an Urlaub denken, da kennen das ja auch viele dass der Wechsel der Umgebung einem hilft das eigene Verhalten zu verändern.
00:09:16: Das
00:09:16: ist auch ein interessantes Beispiel.
00:09:18: Wenn man im Urlaub ist, entscheidet man sich tatsächlich bewusst dafür aus den täglichen Gewohnheiten auszusteigen.
00:09:25: Und das ist schön!
00:09:27: Man weiß nicht wo man Dinge kaufen kann – man kennt den Weg nicht.
00:09:32: Aber es kann auch sehr irritierend sein.
00:09:35: Wenn man an einem unbekannten Ort arbeiten muss, kann das Fehlen der eigenen Gewohnheit sehr störend sein und man spürt sofort dass man diese Gewohnkeiten nicht hat.
00:09:45: Sobald man wieder herausgefunden hat wie man Dinge und wohin man gehen muss, fühlt sich das Leben wieder normal und angenehm an.
00:09:53: Und man kann andere Dinge tun – und man hat auch wieder Zeit über den Sinn des Lebens
00:09:58: nachzudenken.".
00:10:01: Definitiv!
00:10:01: Routine gibt eben auch Komfort.
00:10:04: Danke für all die Einblicke was verplanken.
00:10:08: Und von der Alltagsroutine kommen wir zu einer Alltagssfrage.
00:10:11: Nämlich warum werden unsere Hände schrumpfig wenn sie zu lange im Wasser sind?
00:10:17: Warum ist das so?
00:10:19: Die kleine Alltagsfrage.
00:10:22: Ihr kennt es bestimmt, man saß etwas zu lange in der Wanne und plötzlich hat man total strumpelige Finger – auch an den Sehen passiert das!
00:10:30: Aber wieso
00:10:31: eigentlich?!
00:10:32: Lange dachte man die Haut saugt sich einfach mit Wasser voll und quillt auf.
00:10:37: Das klingt plausibel, stimmt aber nur zum Teil Denn die typischen Schrumpelfinger entstehen nicht einfach passiv.
00:10:43: Der Körper steuert diesen Prozess mit.
00:10:45: Ein wichtiger Hinweis kam aus der Medizin.
00:10:48: Bei Menschen mit bestimmten Nervenschäden bleiben die Finger im Wasser manchmal glatt, wenn es nur ums Aufquellen ginge müsste es eigentlich ja bei allen passieren.
00:10:57: Tatsächlich reagiert das Nervensystem auf den Wasserkontakt.
00:11:01: Es sorgt dafür dass sich kleine Blutgefäße in den Fingerspitzen zusammenziehen.
00:11:06: Dadurch verliert das Gewebe unter der Haut etwas Volumen.
00:11:09: Die Haut darüber bleibt aber ungefähr gleich groß und legt sich entfalten.
00:11:13: Das erklärt auch, warum die Finger oft etwas heller wirken.
00:11:17: Es ist weniger Blut in der Oberfläche.
00:11:19: Spannend ist natürlich die Frage, wozu das Ganze?
00:11:22: Eine Theorie lautet ... Bei trockenen Gegenständen gab es dagegen keinen klaren Vorteil.
00:11:38: Die Falten könnten also ein bisschen wie Reifenprofil bei Nässe wirken.
00:11:42: Ob das wirklich der ursprüngliche biologische Zweck ist, ist noch nicht endgültig geklärt.
00:11:47: Medizinisch ist der Effekt trotzdem interessant – wie schnell und stark Finger im Wasser schrumpeln kann Hinweise darauf geben ob bestimmte Nervenbahnen richtig arbeiten?
00:11:56: Bei Nervenschäden oder diabeteser Neuropathie kann die Reaktion abgeschwächt sein!
00:12:02: Umgekehrt gibt es Fälle, in denen Hände besonders schnell und stark runzeln.
00:12:06: Das wird unter anderem bei Mukuvistidose oder bei Trägerinnen und Trägern entsprechender Genveränderungen beobachtet.
00:12:14: Danke an meine Kollegin Karin Hasbani die zu den Schrumpelfingern recherchiert hat!
00:12:19: Und ich hoffe ihr konntet viel Alltagswissen aus dieser Folge mitnehmen.
00:12:23: Habt ihr auch eine Frage aus der Wissenschaft- oder Psychologie?
00:12:25: Dann schreibt uns gerne unter www.wissenedwelt.de Oder Ihr hinterlasst uns einen Kommentar auf den Podcast-Plattformen.
00:12:32: Ich bin Sophia Heggersberger.
00:12:34: Bis bald!
Neuer Kommentar