Wie steht es um unsere Bienen?
Shownotes
Wie wichtig Bienen für unsere Ökosysteme sind, ist vielen Menschen bewusst. Doch warum geraten Wildbienen und andere Bestäuber trotzdem immer stärker unter Druck? Der Biologe und Bienenforscher Torben Schiffer erklärt, welche Folgen moderne Landwirtschaft und intensive Imkerei für Wildbienen haben und warum mehr Honigbienen nicht automatisch mehr Naturschutz bedeuten.
Außerdem geht es um die Frage, warum unsere Nase läuft, wenn wir weinen.
Produktion: Serdar Deniz Redaktion: Fiona Wink
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00:00:00: Wenn wir an Bienen denken, dann denken wir jetzt vielleicht am Summen der Wiesen.
00:00:04: An bunte Blumen und natürlich auch an Honig also an etwas das irgendwie gut ist für die Natur.
00:00:11: aber dieses Bild ist vielleicht ein bisschen zu schön und ein bisschen so romantisch um ganz wahrzusehen.
00:00:16: und heute am Welttag der Bienen da schauen wir uns das mal genauer an und danach klären mir eine Frage die ihr euch vielleicht auch schon Mal gestellt habt warum läuft unsere Nase eigentlich wenn wir weinen obwohl wir gar nicht krank sind?
00:00:28: Ich bin Fiona Wink, herzlich willkommen bei Aha und schön, dass ihr reinhört.
00:00:32: Aha!
00:00:34: Zehn Minuten Alltagswissen – ein Podcast von Welt.
00:00:42: Ihr habt es gerade schon gehört heute ist Welttag der Bienen und dieser Tag soll darauf aufmerksam machen wie wichtig bestäuber für unser Ökosystem sind.
00:00:50: immerhin hängen rund seventy-fünf Prozent unserer wichtigsten Nutzpflanzen zumindest teilweise von einer Bestäubung ab und gleichzeitig gibt's immer mehr Hobby im K Allein.
00:01:00: in Deutschland werden heutzutage etwa eine Million Honigbienenvölker gehalten, tendenzsteigend.
00:01:06: Und das klingt jetzt beim ersten Hören vielleicht richtig gut aber das bringt eben auch viele Probleme mit sich.
00:01:12: und welche das sind und wie wir die Bienen schützen können Das kläre ich jetzt mit dem Biologen-Bienforscher Torben Schiffer.
00:01:21: Hallo Herr Schiffer schön dass Sie da sind.
00:01:23: Vielen Dank für die Einladung!
00:01:24: Herr Schipper.
00:01:25: heute ist ja Welttag der Bienen.
00:01:27: Warum
00:01:28: braucht es diesen Tag?
00:01:29: Wie steht es denn aktuell um die Bienes in Deutschland?
00:01:32: Nun, es steht nicht besonders gut um die Bienen in jeglicher Hinsicht.
00:01:36: Also die Biene wird ja immer so anonym gedacht als Honigbiene.
00:01:40: dabei gibt es ja noch fünfhundertsechzig andere Wildbienarten in Deutschland und darüber hinaus gibt es auch eine große Gruppe von Bestäuber-Insekten, die nicht Bienen sind also Wespen, Käfer Schmetterlinge usw.. Und das Ganze ist insgesamt sozusagen die große Gruppe der Bestäuberinsekten, die mit ihrer Bestäubungsleistung maßgeblich die Ökosysteme von dem wir ein Teil sind aufrechterhalten.
00:02:03: Viele dieser Arten stehen halt mittlerweile auf der ruten Liste.
00:02:07: Die Wildbienarten sind sämtlich unter besonderen Artenschutz gestellt und von daher sieht man schon dass sich die Lage dramatisch verändert hat.
00:02:16: Sie haben jetzt ja gerade schon gesagt, dass auch sehr viele Arten auf der roten Liste stehen.
00:02:20: Sie kritisieren seit Jahren die moderne und konventionelle Imkerei.
00:02:24: Warum genau?
00:02:24: Was stört sie da?
00:02:26: Die Imkerei ist eine Nutztierhaltung mit Artenschutz und Arten erhält gar nichts zu tun.
00:02:31: Sie bedient sich aber der Narrative aus der Historie, das ist kulturell gewachsen, dass sie Naturnarten schützervieren.
00:02:38: Und letzten Endes ist es so... dass wir insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Ausbau der industriellen Landwirtschaft für eine richtig heftige Verknackung der Ressourcen in Form von Nektar gesorgt haben.
00:02:52: Wir haben also die ganzen Magerwiesen, die wir hatten und so weiter umgewandelt jetzt im Agrarwüsten, in denen eben kein Nektarangebot mehr permanent zur Verfügung steht.
00:03:02: Also das Nahrungsangebot genau für diese Bestäuberinsekten deutlich verknappt.
00:03:07: Und zeitgleich haben wir die Honigbienen erstmals aus dem System der natürlichen Ressourcen genommen.
00:03:14: Nach dem Zweiten Weltkrieg war es also so, dass man unheimlich günstig Zucker produzieren konnte – das war vorher noch nicht der Fall!
00:03:21: Und seitdem können jetzt viel mehr Bienenvölker pro Quadratkilometer aufstellen als natürliche Ressoursen vorhanden sind und das tun wir eben auch.
00:03:29: Wenn es dann keine Ressursen mehr gibt, dann füttern wir unsere Honigbin-Völker mit Zuckerwasser Während die Wildbien-Gemeinschaft, aber auch die gesamte bestäuberen Insektengemeinschaft dann letzten Endes unter der Nahrungskonkurrenz schwindet oder sogar ausstirbt.
00:03:46: Was braucht es denn stattdessen?
00:03:47: Sie haben jetzt gerade das Zuckerwasser angesprochen – das ist ja eher schädlich!
00:03:50: Aber ist unser Agrarsystem überhaupt noch vereinbar mit dem Schutz von Bienen?
00:03:55: Kann man das irgendwie sagen?
00:03:57: Unser Agrarssystem ist insektenfeindlich.
00:04:00: Wir nehmen sehr viele Mittel gegen Insekten an unseren Pflanzen, sozusagen als sogenannte Pflanzenschutzmittel oder Pestizide setzen wir ein.
00:04:08: Die natürlich gegen Insekten wirken und wir haben keine permanent blühenden Flächen mehr.
00:04:14: wenn sie also heute einen Raufsfeld bis zum Horizont anpflanzen um da Bio-Diesel draus zu machen dann haben Sie vielleicht eine kurze Zeit in der es Polen gibt oder in der Nährstoffe gibt die aber auch nur einer Monokultur nachkommen.
00:04:26: Also im Prinzip Ein Nahrungsmangel darstellen auch vom Nährstoffgehalt.
00:04:31: Und diese Flächen können einfach keine große Quantität an bestäuberen Insekten mehr ernähren, das heißt wir schaffen hier eine deutliche Vernichtung des eigentlichen Lebensraums genau dieser systemrelevanten Bestäuberinsekten und das ist sehr kritisch und auch sehr dramatisch zu bewerten.
00:04:47: Und welche Rolle spielt da die Imkerei?
00:04:49: Die Imkeri stellt heutzutage eine der letzten Formen der Nutzung natürlicher Ressourcen durch privat Menschen da.
00:04:56: Also die meisten Imker sind ja Hobby-Imker, das sind ganz normale private Menschen Die in der Regel auch idealistisch motiviert sind also etwas Gutes machen wollen.
00:05:06: und die stellen sich dann aber zehn Bienenvölker an den Garten zum Beispiel um.
00:05:10: wir wissen aus den Forschungen dass jedes dieser Bienen völker bis zu neunhundert Liter Nectar im Jahresverbrauch für sich beansprucht.
00:05:18: Das heißt Viele Tonnen Annäckter in direkter Umgebung werden einfach mal abgezogen und landen in diesen Kisten oder verbrennen, in Form von Wärmenergieverlust.
00:05:26: In diesen modernen Beutensystems.
00:05:29: Und das hat mit der Natur oder mit der natürlichen Verteilung gar nichts mehr zu tun.
00:05:33: Wenn man das einmal vergleicht – mit dem Urzustand, das müssten wir eigentlich tun -, da lebt ein Bienenvolk in einer Baumhöhle pro Quadratkilometer im Wald.
00:05:41: Mehr breiten sich die Honigbienen in der Gesamtdiversität der bestäubernsekten gar nicht aus.
00:05:47: Und wenn wir das dann berechnen, können wir rechnerisch darstellen.
00:05:49: Das Honigbien in einer natürlichen Verteilung, wenn der Mensch seine Finger rauslässt sozusagen weniger als ein Prozent der Nektaressourcen im Umgebung für sich bei Anspruch.
00:05:59: Eine Baumhöhle ist wie so'n niedrig Energiehaus.
00:06:01: Das Bienenvolk wird nicht besonders groß Es lebt sozusagen auf sehr beengten Raum – zwanzig, fünfundzwanzig dreißig Liter vielleicht manchmal auch vierzig Liter.
00:06:10: Wenn man das mit einer modernen Beute vergleicht, die bis zu hundertfünfzig zweihundert Liter Volumen hat und in der ja auch ständig im Prinzip geerntet wird und Dinge rausgenommen werden.
00:06:19: Dann kann man sagen dass eine Beute ungefähr den Energiebedarf von zehn bis fünfzehn Baumhöhlenvölkern hat.
00:06:26: Alles was ich als Imker aus der Umgebung ziehe – den ganzen Nektar, den ich für mich beanspruche – er wird eben nicht mehr in Leben verwandelt in Form von Wildbienen oder Wildbestäubern.
00:06:38: Und damit sorge für den Artenschwund.
00:06:41: Viele Idealisten stellen sich immer mehr Bienenvölker auf und greifen immer weiter in die Taschen dieser noch verbleibenden Nektaresourcen, an alles was wir daraus nehmen wird eben nicht mitzuleben.
00:06:53: Und das betrifft letzten Endes das gesamte Nahrungsnetz weil der Nektar ist eine systemrelevante Grundnahrung im Ökosystem.
00:07:01: Daraus entstehen erst mal die ganzen Bildbestäuber.
00:07:04: diese Insektengruppe werden ja auch wieder konsumiert von Vögeln, von Fledermäusern usw.. Das heißt, wir haben dann auch Raubinsekten und also viele Tiere leben von dieser Gruppe auf wiederum.
00:07:16: Und dann haben die Raubvögel, die dann wiederum diese Vögel fressen, die sich von Insekten ernähren.
00:07:22: Also es wird das ganze Nahrungsnetz des letzten Endes betroffen, wenn wir da grundsätzlich die erste Stufe, wenn man da einen großen Teil des Nahrungangebots einfach mal für uns beanspruchen.
00:07:33: Was können wir denn jetzt ganz konkret für Bienen tun?
00:07:36: Viele Menschen haben ja zum Beispiel auch auf dem Balkon diese bienenfreundlichen Pflanzen.
00:07:40: oder man kann auch so kleine Häuschen bauen, um irgendwie da Bienen zu beherbergen.
00:07:43: Was bringt denn jetzt wirklich was?
00:07:46: Natürlich ist jede Nektarpflanze wenn sie dann heimisch ist das ist wirklich wichtig für die Natur ein Gewinn.
00:07:52: aber wir können nicht weiterhin im Prinzip einfach nur Balkonpflanzen ansehen und anpflanzen Wenn wir eine riesige über Fischung haben durch die Imkerei.
00:08:06: Wenn Sie jetzt den stetischen Raum sehen zum Beispiel, ich weiß dass auch viele Bienenvereine oder Melifera Saatgut verkauft für bienfreundliche Pflanzen
00:08:15: z.B.,
00:08:16: das ist alles in Ordnung und es ist auch im Kern ein guter Gedanke.
00:08:20: aber letzten Endes ist das Antroffen auf dem heißen Stein.
00:08:23: wenn sie sich die Bienenvölker in Berlin anschauen wir haben um die zwanzig Bienvölker pro Quadratkilometer in Berlin.
00:08:30: Das ist die zwanzigfache Menge von dem, was natürlich wäre.
00:08:34: Und wenn Sie das dann nochmal addieren oder multiplizieren mit den Flugradius so ein Bienenvolk sammelt im Umkreis von drei Kilometer etwa... ...das ergibt eine Sammelfläche oder einen Sammelkreis für sechs Kilometer Durchmesser.
00:08:46: Das ist eine Fläche von achtundzwanzig Quadratkilometer und jeder dieser achtund zwanziger Quadrat Kilometer stehen wieder zwanzzig Bienenvölker.
00:08:53: Wenn man das miteinander multipliziert, dann kommt man dahin dass fünfhundertsechzig von Imkern gehaltene Bienenvölker jeden Quadratmeter in Berlin abfrühstücken.
00:09:02: Stellen Sie sich das mal vor, in der Fischerei.
00:09:04: Sie hätten zwanzig Fischerbote pro Quadratkilometer auf der Ostsee und jedes hätte ein Ringnetz von sechs Kilometern Durchmesser.
00:09:11: Wenn sie dann tauchen gehen wollten, dann müssten sie sich durch fünfundhundertsächsich Netze durchschneiden.
00:09:15: so also wir müssten eigentlich dahin kommen, dass wir Nektar als das sehen was es ist oder Honig wirklich begreifen, was es ist.
00:09:24: Wenn wir ein Glas Honig haben dann brauchen wir für einen Kilo Honig, brauchen wir zwei bis drei Liter Nektar.
00:09:30: das ist aber nur die Netto-Rechnung.
00:09:31: Die zehn bis zwanzigfache Menge läuft an Energie durch die Honigfabrik durch damit dass überhaupt produziert werden kann.
00:09:38: Das heißt dann haben sie schon einige einige Dutzend Kilo die Sie brauchen für dieses Glas und wir bräuchten letzten Endes Gesetze die es ermöglichen würden, dass die Natur letzten Endens wieder ans Gleichgewicht kommt.
00:09:52: Damit meine ich zum Beispiel die seit dem Zweiten Weltkrieg überall eingeführten Zuckerwasserfütterungen, die auch für die Honigbienen überhaupt nicht gesund sind.
00:10:01: Es gibt also Studien, dass die Honigebien dadurch sehr krank werden innerlich degenerieren ihr Immunsystem kollabiert sie an Lebenszeit verlieren und so weiter.
00:10:09: Also das ist keine artgerechte Ernährung.
00:10:11: der nimmt Zuckerwasser sind gar keine Nährstoffe drin, keine Proteine, keine Vitamine.
00:10:16: Keine Ballastoffe nix von dem was der Metabolismus der Stoffwechsel der Honig bin bräuchte um gesund zu bleiben.
00:10:21: Ich denke wir brauchen hier Aufklärung
00:10:24: Also ein Umdenken was den Honig und allgemein den Umgang mit Insekten angeht.
00:10:29: ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch Herr Schüffer.
00:10:31: vielen Dank für die spannenden Einblicke.
00:10:33: sehr gerne
00:10:34: Und wir machen jetzt weiter mit einer Alltagsfrage, die ihr euch vielleicht auch schon gestellt habt.
00:10:38: Wenn ihr erkältet seid dann ist ja klar warum die Nase läuft.
00:10:41: also sie versucht dadurch Krankheitserreger und Schleim aus dem Körper zu transportieren.
00:10:46: aber wie ist das wenn wir weinen?
00:10:47: Warum läuft dann plötzlich auch die NASE?
00:10:56: Vielleicht kennt ihr das.
00:10:57: Ihr seid traurig, ihr weint und dann braucht ihr nicht nur einen Taschentuch für die Augen sondern auch für die Nase oder vor allem für die nase Denn die Nose läuft und läuft Und das wirkt vielleicht erstmal ziemlich unlogisch denn ihr seid ja nicht krank.
00:11:10: Die Antwort hat aber mit einem kleinen Umweg in unserem Körper zu tun, Tränen entstehen nämlich in den sogenannten Trähnendrüsen.
00:11:17: Und die sind oberhalb unserer Augen!
00:11:20: Wenn wir dann weinen, dann produzieren diese Drüsen eben deutlich mehr Flüssigkeit als sonst und ein Teil dieser Träne läuft dann ganz normal über die Wangen – aber der größere Teil nimmt einen anderen Weg.
00:11:31: Er fließt durch winzige Kanäle in die Nase oder genauer gesagt in den Nasenraum Und genau da passiert dann das, was wir vielleicht erst mal unlogisch fanden.
00:11:40: Die Nase fängt nämlich an zu laufen!
00:11:43: Das ist aber kein Schleim wie bei einer Erkältung sondern einfach überschüssige Trennflüssigkeit die sich eben ihren Weg sucht.
00:11:50: und es gibt auch noch einen zweiten Effekt wenn wir weinen wird die Nasenschleimer nämlich zusätzlich stärker durchblutet und das führt dazu dass sie mehr Flüssigkeit produziert und das verstärkt das ganze dann natürlich nochmal.
00:12:02: Wenn ihr also das nächste Mal weint und euch fragt, warum ihr so viele Taschentücher braucht dann wisst ihr jetzt eure Nase ist einfach Teil des Tränsystems.
00:12:09: Es hat also nichts mit einem Erkältungsnasenschleim zu tun!
00:12:12: Und damit sind wir auch schon am Ende dieser Folge.
00:12:15: Und wenn ihr noch nicht genug bekommen konntet, vielleicht habt ihr es auch schon mitbekommen!
00:12:19: Wir haben seit letzter Woche Montags eine AHA-Folge für euch und in diesen Montagssonderfolgen spricht unsere Kollegin und Wissenschaftsressortleiterin Clara Ott über unterschiedliche Themen rund um Sexualität.
00:12:30: Hört gerne mal rein – ein Weltabru könnt ihr ganz unkompliziert einen Monat lang für ein Euro testen.
00:12:35: Ich bin Fiona Wink.
00:12:36: sage tschüss und bis bald.
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