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Wie entsteht eine Sucht?

Shownotes

Wie entsteht eine Sucht im Gehirn und warum werden manche Menschen abhängig, andere aber nicht? Der Suchtforscher Prof. Dr. Rainer Spanagel erklärt, welche Rolle das Belohnungssystem dabei spielt, warum manche Menschen anfälliger für Sucht sind als andere und weshalb es oft noch möglich ist, früh gegenzusteuern.

Außerdem geht es um die Frage, welche Pflanzenmilch am nachhaltigsten ist.

Produktion: Serdar Deniz Redaktion: Fiona Wink

"Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen" ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.

Impressum: https://www.welt.de/services/article7893735/Impressum.html Datenschutz: https://www.welt.de/services/article157550705/Datenschutzerklaerung-WELT-DIGITAL.html

Transkript anzeigen

00:00:00: Sucht gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt und trotzdem wird oft noch sehr oberflächlich darüber gesprochen.

00:00:06: Das wollen wir heute ändern, denn wir sprechen darüber was bei einer Sucht im Gehirn passiert?

00:00:11: Warum manche Menschen abhängig werden und andere nicht und ab wann aus einem Verhalten überhaupt eine Sucht wird?

00:00:16: Und danach geht es um eine ganz andere Frage nämlich um die Frage welche Pflanzenmilch am nachhaltigsten ist!

00:00:22: Ich bin Fiona Wink.

00:00:23: herzlich willkommen bei Aha und schön dass ihr wieder dabei seid.

00:00:27: Aha

00:00:29: zehn Minuten Alltagswissen, ein Podcast von Welt.

00:00:37: Wenn wir an eine Sucht denken dann haben viele wahrscheinlich zuerst Bilder von Alkohol oder harten Drogen im Kopf.

00:00:43: aber die Realität ist deutlich komplexer denn Suchterkrankungen können ganz unterschiedlich aussehen.

00:00:49: Die größte Gruppe machen in Deutschland tatsächlich Raucherinnen und Raucher aus.

00:00:52: etwa elf Millionen Menschen rauchen hierzulande Und dazu kommen etwa zwei Millionen alkoholabhängige Menschen und danach circa eins Komma fünf Millionen Menschen die abhängig von Medikamenten sind.

00:01:02: Aber es gibt eben auch noch ganz andere Süchte.

00:01:05: Zum Beispiel die sogenannten Verhaltenssüchte, also Glücksspiel oder Gaming oder Social Media zum Beispiel.

00:01:11: und gemeinsam haben all diese Formen von Sucht vor allem eins nämlich den Verlust von Kontrolle Also das Gefühl mit einem Verhalten oder mit Konsum eigentlich aufhören zu wollen aber ist irgendwie trotzdem immer wieder zu tun.

00:01:23: Und genau darüber spreche ich jetzt mit Professor Rainer Sparnagel als Suchtforscher am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim.

00:01:32: Hallo Herr Spahnagel, schön dass Sie da sind.

00:01:35: Ja guten Tag!

00:01:36: Herr Spannagel.

00:01:37: wenn wir über Sucht sprechen was passiert da eigentlich im Gehirn?

00:01:40: Also warum verlieren manche Menschen irgendwann die Kontrolle?

00:01:44: Wir haben zwei wichtige Prozesse im Gehörn.

00:01:48: Wenn man Drogen chronisch einnimmt ist einerseits der Prozess wie die Droge auf das Belohnungssystem wirkt.

00:02:00: Das Belohnungssystem ist dazu da, um uns zu motivieren – eigentlich eher zum Motivieren, um zu trinken.

00:02:08: Essen für die natürlichen Belohnungenaspekte im Leben und nicht für Drogen.

00:02:14: aber Drogen haben so letztendlich das Belohnungssystem gekidnet.

00:02:20: also nehmen sie zb ein Raucher Der sieht plötzlich die Zigarette oder riecht den Duft von jemand anderem der Rauch.

00:02:32: Es kommt ein bestimmter sensorischer Input rein und er ist natürlich schon tausendmal konditioniert mit dem eigentlichen Rauchen, denn löst schon dieser kondicionierte Reiz in dem Belohnungssystem so einen Erwartungspiek ja?

00:02:49: Und der wird durch Dopamin letztendlich emkodiert.

00:02:53: Also die Droge selbst erhöht Dopamin, aber auch Drogenassoziere der Reize erhöhen Dopamin.

00:03:00: Gleichzeitig haben wir eine Veränderung im präfrontalen Cortex, der Präfrontale Cortex ist letztendlich dazu da unser Verhalten zu hemmen.

00:03:11: Das sehen Sie insbesondere bei jüngeren Menschen Insbesondere bei jungen Männern, da ist der Präfrontale Cortex noch nicht so gut ausgeprägt.

00:03:21: Bei Mädchen oder jungen Frauen geht es alles schneller.

00:03:24: deshalb haben die besseres Kontrollverhalten und dieser präfrontal Cortex leidet letztendlich unter Drogeneinnahmen insbesondere bei Alkohol Eine Schädigung, der gehen tatsächlich auch Nervenzellen kaputt im präfrontalen Cortex und diese wichtige Kontrollinstanz die wird immer weniger und schlechter.

00:03:51: Und das ist natürlich dann gegenüber der Drogeneinnahme von zentraler Bedeutung weil es wird nicht mehr gepremst.

00:03:59: Sie haben es jetzt ja gerade schon angesprochen.

00:04:00: Alkohol und Drogen sind vielleicht erstmal die ersten Dinge an, die man denkt bei einer Sucht.

00:04:05: aber es gibt auch noch ganz andere Sichte zum Beispiel also Social Media oder auch Gaming oder andere Verhaltensmuster.

00:04:12: ab wann wird denn ein Verhalten generell zu einer sucht?

00:04:17: Ich persönlich habe eine ganz einfache Definition sobald die Droge oder dieses spezifische Verhalten letztendlich Chef wird und sagt, was zu tun ist.

00:04:28: Und ich die Kontrolle aus meiner Hand gebe.

00:04:32: also die Droge diktiert sozusagen mein Leben.

00:04:36: oder dem Social Media Nutzer diktieren TikTok mit seinen endlosen Wiederholungen und maßgeschneiderten Kurzvideos das was sich immer wieder anschauen möchte.

00:04:49: Also sprich Ich kann eigentlich nicht mehr mein eigenes Verhalten regulieren, sondern es wird von außen entweder über die Social Media oder über die Droge reguliert.

00:05:00: Kann man denn dann sagen das sucht eher so eine Art Krankheit des Gehirns ist?

00:05:04: Oder ist das vielleicht auch eine Reaktion auf bestimmte Lebensumstände zum Beispiel?

00:05:10: Wir sehen Sucht als Krankheit Des Gehirnes und wir untersuchen letztendlich In allen Studien die Gehirnaktivität, molekulare Veränderungen im Gehirns.

00:05:25: Gerade bei solchen Substanzen wie Alkohol spielen natürlich auch noch andere Faktoren eine Rolle Leber-Aktivität Wie wird es verstoffwechselt und so weiter?

00:05:37: Klar wir sagen Es ist eine Gehirnerkrankung.

00:05:42: Die Umgebung oder Lebensumstände, die Spielen in der Entwicklung der Sucht eine große Rolle und modulieren das auch.

00:05:53: Es ist besonders die Lebenshistorie, die davon entscheidender Bedeutung ist.

00:06:00: also was habe ich denn in meinem Leben insbesondere an stark aversiven Erleben?

00:06:09: Was hab' ich da mitbekommen?

00:06:10: Also es sind besonders gefertet Wenn sie zum Beispiel in ihrer kindheitsüben Jugend, wenn älternteiligste.

00:06:20: Dann ist das ein Lebensumstand, den tragen Sie in Leben lang mit und der predisponiert sie auch tatsächlich mehr für Drogen?

00:06:31: Jetzt gibt es natürlich viele verschiedene Menschen die zum Beispiel so einen schrecklichen Schicksalsschlag erleben Und manche werden abhängig und andere aber nicht Obwohl sie vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

00:06:41: Warum ist das so?

00:06:43: Ja, um das klarzustellen bei allen Drogen gibt es nur einen bestimmten Prozentsatz von Personen die sagen regelmäßig diese Droge nehmen dass sie wirklich abhängig werden.

00:06:57: Das hat viel mit der Genetik zu tun.

00:07:00: ungefähr fünfzig Prozent als Faustregel Detaminier unsere genetische Konstellation die wir von unseren Eltern mitbekommen ihr Risiko oder auch Ihr Resilienz, ja?

00:07:14: Und dann ist es natürlich wichtig.

00:07:16: Die anderen Fünfzig Prozent.

00:07:17: wie gesagt ist hauptsächlich die Lebenshistorie da.

00:07:21: das sind nicht so diese was man immer mein Personality Trait also die Person Charakteristika sondern Es ist wirklich das Erlebte.

00:07:33: Jetzt zum Schluss vielleicht noch ganz praktisch eine Frage wenn jetzt jemand merkt ich verliere hier vielleicht gerade die Kontrolle über irgendein Verhalten Was hilft denn dann da ganz konkret, um wieder rauszukommen?

00:07:43: Oder wie schaffe ich es vielleicht gar nicht erst süchtig zu werden.

00:07:46: Genau der richtige Zeitpunkt anzusetzen.

00:07:51: Wenn man merkt, er läuft das wirklich aus dem Händen und ich bekomme so einen Kontrollverlust dann haben wir noch ein sehr gutes Zeitfenster zur Intervention und das bedeutet auch noch lange nicht dass da wirklich eine ernsthafte Sucht raus entstehen muss.

00:08:06: es kann mal ein Kontroll Verluste über eine gewisse Zeit entstehen durch andere Lebensumstände stabilere plötzlich packen neuen Partner gibt eine stabile Beziehung hervor und das ändert dann komplett zum Beispiel des Rauchverhalten oder Trinkverhalten.

00:08:27: Aber es ist der richtige Zeitpunkt, wenn man merkt mir läuft die Kontrolle davon zu intervenieren.

00:08:36: was kann man heute machen?

00:08:38: Man kann einfach über digitale Intervention schon mehr Kontrolle bekommen, in dem es gibt genug Apps.

00:08:49: Es gibt auch qualifizierte zugelassene Apps sogar die einen Das Rauchverhalten oder das Trinkverhalten, oder das Drogeneinnahmeverhalten kann er bis Konsum immer wieder widerspiegeln, abfragen.

00:09:04: Dass andere Aktivitäten wieder in Fokus gerückt werden durch so eine App – das ist schon sehr hilfreich!

00:09:10: Natürlich kam auch an dem Punkt mit einem Psychologenzusammenarbeit der einem hilft hier wieder auf ne andere Schiene zu kommen.

00:09:21: aber wichtig ist in diesem Zeitraum wirklich zu intervenieren, selbst was zu machen und es nicht einfach laufen lassen.

00:09:30: Also da ist dann wirklich noch viel

00:09:32: möglich.".

00:09:34: Das sind doch ganz schöne Worte zum Schluss!

00:09:35: Es ist noch nicht alles verloren.

00:09:37: Herr Spanage ich danke Ihnen ganz herzlich für dieses Gespräch.

00:09:41: Und wir machen jetzt weiter mit einer Frage, die euch vielleicht im Alltag auch schon mal begegnet ist.

00:09:46: Denn im Supermarkt gibt es inzwischen gefühlt endlos viele Pflanzenmilchsorten – also Hafer, Mandel, Soja oder Reis oder sogar Erbse.

00:09:54: und oft hört man ja das Pflanzenmilch grundsätzlich nachhaltiger sein soll als Kuhmilch.

00:09:59: aber stimmt das wirklich?

00:10:01: Und welche Pflanzen Milch ist eigentlich die umweltfreundlichste?

00:10:03: Das klären wir jetzt!

00:10:07: Warum isst das

00:10:07: so?!

00:10:08: Die kleine Alltagsfrage

00:10:12: Ihr kennt das bestimmt auch.

00:10:13: Ihr steht vor dem vollen Supermarktregal und habt da wirklich die Qual der Wahl, Hafermilch, Mandelmilch Soja-Reis oder Erbse – aber was davon ist wirklich gut fürs Klima?

00:10:24: Fangen wir erst einmal mit dem ganz großen Vergleich an!

00:10:26: Grundsätzlich gilt nämlich jede Pflanzenmilch es klimafreundlicher als Kuhmilch.

00:10:31: Kühe produzieren viel Methan, sie brauchen Futter, Wasser und auch Fläche und im Vergleich dazu schneiden pflanzliche Alternativen immer besser ab.

00:10:40: Laut dem World Resources Institute verursacht ein Liter Kuhmilch etwa dreimal so viel CO-Zwei wie einen Liter Pflanzenmilch.

00:10:46: Aber auch bei den pflanzlichen Alternativen gibt es Unterschiede, ein wichtiger Faktor ist da nämlich zum Beispiel der Wasserverbrauch und da fallen eben Mandeln sofort auf.

00:10:57: für den Anbau von Mandeln wird nämlich extrem viel Wasser benötigt vor allem weil sie eben oft auch aus sehr trockenen Regionen kommen zb aus Kalifornien und dort verschärft der Mandelanbau sogar die Wasserknappheit.

00:11:09: Mandelmilch ist also ökologisch gesehen eher problematisch.

00:11:13: Und auch Reißmilch hat ihre Tücken, denn Reißfelder stoßen eben auch viel Methan aus und brauchen auch sehr, sehr viel Wasser.

00:11:20: Besser sieht es bei Sojamilch aus!

00:11:22: Soja hat einen vergleichweise niedrigen Wasserverbrauch – das Imageproblem kennen wir zwar stichwort Regenwald.

00:11:29: Wichtig ist hier aber für Sojammilch.

00:11:30: in Europa wird in der Regel kein Regenweit gerodet.

00:11:33: Soja für Sojadrinks und Tofu auf dem deutschen Markt stammt nämlich häufig aus Europa Und der Großteil der weltweiten Sojaernte, der landet übrigens im Tierfutter und auch nicht in unseren Sojadrinks.

00:11:44: Sehr gut in Sachen Nachhaltigkeit schneidet die Hafermilch ab.

00:11:48: Hafer wächst nämlich hierzulande oder zumindest auch in Europa und hat dadurch kurze Transportwege, braucht relativ wenig Wasser und wenig Fläche und verursacht eben relativ geringe CO-Emissionen.

00:11:59: Wenn ihr also möglichst nachhaltig unterwegs sein wollt, dann greift am besten zu Hafermilch oder Sojamilch.

00:12:05: Mandel und Reismilch sind dann ökologisch gesehen eher die schlechtere Wahl!

00:12:09: Ach so, und falls du euch mal gefragt habt warum auf der Verpackung immer Drink steht.

00:12:13: Der Begriff Milch ist laut EU-Recht nämlich ausschließlich tierischen Produkten vorbehalten und deshalb heißt die Hafermilch im Supermarkt offiziell auch Hafer Drink.

00:12:23: Das war's für heute.

00:12:24: Ich hoffe, ihr konntet ein paar spannende Infos für euch mitnehmen und wenn ihr Themenwünsche oder Anmerkungen habt dann schreibt uns das gerne an wissen-at-welt.de oder in die Kommentare!

00:12:34: Und wenn ihr noch mehr AHA Folgen hören wollt rund um das Thema Sexualität, dann könnt ihr montags unsere Bonusfolgen hören.

00:12:41: Ein Weltabo könnt ihr für nur einen Euro im Monat testen.

00:12:44: Ich bin Fiona Wink und sage tschüss und bis nächste Woche.

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